Die GFK und ich - eine Geschichte mit Happy End von und mit Katrin Hefendehl, GFK Trainerin aus Leidenschaft

Zahlen, Daten Fakten findest Du ganz am Ende, Ich liebe Geschichten. Und ich lasse mich gerne von Geschichten berühren.

Meine Grundüberzeugung ist, dass wir Menschen gar nicht anders können, als aus den begrenzten Eindrücken, die wir von der Welt um uns herum durch unsere Sinne aufnehmen, Geschichten zu kreieren, um so Sinnzusammenhänge zu bilden, nach denen uns so sehr dürstet.

Meine Geschichte mit der GFK ist eigentlich nicht eine einzige Geschichte.Sie besteht aus vielen. Richtig vielen inzwischen. Immerhin teilen wir schon an die 15 Jahre miteinander. Und jede einzelne hat ein Happy End.

Eigentlich interessieren mich ja vor allem Eure Geschichten. Meine eigenen kenne ich ja schon. Deswegen freue ich mich auch so über jede Frage, die ihr stellt, jede Geschichte, die ich von euch mitbekomme. Als Mitglied von Tassilos Support-Team oder beim Coaching. Und wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass eure Gechichten ein Stück weiter Richtung Happy End gehen, dann bin ich glücklich.


Aber da dies nun einmal der Ort ist, wo ich etwas aus meinem GFK-Leben erzählen kann, so tue ich dies auch gerne. Und hoffe dabei heimlich, dafür bei Gelegenheit der einen oder anderen von Euch lauschen zu können.

  • Wie mich mein Stottern lebendig gemacht hat
  • Nicht alle Geschichten tun gut!
  • Ich kann das Drehbuch mitbestimmen!
  • Von wegen beziehungsunfähig!
  • Der Storchenvater und seine Kinder – Geschichte aus Litauen
  • Vita

Wie mich mein Stottern lebendig gemacht hat

Wie mich mein Stottern lebendig gemacht hat Etwas, was ich durch die GFK gelernt habe ist: Lebendig-Sein bedeutet Verletzlich-Sein. Je mehr ich versuche zu vermeiden, meine Verletzlichkeit zu spüren, desto mehr entferne ich mich von meinem inneren Kern, meiner Lebendigkeit. Und ich habe im Laufe meines Lebens verdammt viele Strategien gelernt, die ausschließlich das Vermeiden meiner Verletzlichkeit zum Ziel hatten.

Nicht-Sprechen war so eine Strategie, um Kontakt mit meiner Verletzlichkeit zu vermeiden. Und wie weit weg hat sie mich von meiner Lebendigkeit gebracht! Das war mir damals aber noch nicht klar.

Früher, als Kind und Jugendliche, habe ich stark gestottert. Das war mir total unangenehm und über Jahre habe ich in der Schule fast nicht gesprochen. Nur das allernötigste. Vor allem der Englisch-Unterricht war eine Katastrophe für mich. Und Kontakt mit Schulkameraden war schwierig. Ich fühlte mich häufig allein. Ich kann mich an viele Situationen erinnern, wo ich gerne etwas hätte sagen wollen, mich an einem Gespräch hätte beteiligen wollen und doch stumm war wie ein Fisch – aus Angst vor dem Stottern.

Ich weiß noch genau, wie ich irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen hatte. Die Entscheidung zu sprechen. Egal ob ich stottere oder nicht. Und von da an habe ich begonnen zu sagen, was ich wollte. Auch stotternd.

Damit hatte ich begonnen, ein klares Ja! Zu mir selbst zu sagen.

Es bedeutete nicht, dass es mir plötzlich egal war, dass ich stotterte und wie die anderen auf mich reagierten. Ja, ich kam mit Scham und Angst in Berührung. Ja, es tat weh, wenn andere genervt oder ungeduldig waren. Der Gewinn an Lebedigkeit war es mir aber wert, diesen Gefühlen zu begegnen. Absolut. Und dadurch habe ich viel gelernt – über Gefühle, Bedürfnisse, Strategien. Und wie unangenehme Dinge, in dem Augenblick, wenn ich sie liebevoll annehme, getraue anzuschauen und mich ihnen in Verbundenheit mit meiner Verletzlichkeit stelle, verwandelt werden können.

Heute bin ich Seminarleiterin und auch Märchen- und Geschichtenerzählerin. Es macht mir nichts aus vor Gruppen jedweder Größe zu sprechen, im Gegenteil, ich bade darin.

Das „richtige“ Stottern hat peu à peu nachgelassen. Einfach so. Manchmal hänge oder stocke ich noch ein bisschen beim Sprechen. Und nach wie vor hält mich das nicht davor ab, etwas zu sagen, wenn ich etwas sagen will. Im Gegenteil, es ist für mich so etwas wie ein Indikator geworden. Ich habe nämlich etwas festgestellt: Je näher mir etwas geht, desto wahrscheinlicher zeigt sich mein alter Sprachfehler. Und dann sage ich: „Hey, da geht mir etwas nah! Ich bin lebendig. Hallo Verletzlichkeit! Du bist mir willkommen.“

Und – wie ist das mit Schutz?

Ja! – Natürlich achte ich auch auf dieses Bedürfnis. Und auf die anderen auch. Das gehört zur GFK dazu.

Und das muss nicht auf Kosten der Lebendigkeit gehen!

Nicht alle Geschichten tun gut!

Das, was die GFK mir durch die erste Schlüsselunterscheidung (Trennung von Wahrnehmung und Interpretation) geschenkt hat, ist die wunderbare Befreiung, die sich schon alleine dadurch bei mir einstellt, wenn ich eine Geschichte als eine Geschichte identifiziere. Denn dadurch erkenne ich, dass sie alles andere als eine objektive Wahrheit ist.

Und wenn sie mir nicht gut tut (was ganz schön häufig der Fall ist), so kann ich den erfundenen Teil (meine Interpretationen, Urteile, Bewertungen...) in Frage stellen und neu angucken.

So kann ich überprüfen, ob eine Geschichte, die ich mir über etwas erzähle, das in meinem Leben passiert oder passiert ist, wirklich lebensdienlich ist oder ob sie mich eher blockiert.

Ich liebe Ordnung und Struktur, insbesondere dann, wenn ich mich in Emotionen oder meinem Kopfkino verliere. Und genau das finde ich in der GFK. Es ist so etwas wie: Zurück auf Start. Was ist tatsächlich passiert? Und: Was mache ich daraus? Will ich das? Und: Worum geht es mir wirklich?

Ich kann das Drehbuch mitbestimmen!

Deswegen kann ich sagen, dass die GFK für mich ein Weg zu Selbstbestimmtsein und Eigenverantwortlichkeit ist. Und das sind wirklich wichtige Werte für mich.

Letztendlich habe ich dadurch schon so manchen tief verinnerlichten Glaubenssatz, der mich beschränkt hat, aufgelöst. Dafür bin ich der GFK und GFK-Vorbildern unglaublich dankbar. Und, große Göttin sei Dank, bin noch sehr weit davon entfernt, alle Themen und Probleme gelöst zu haben! So gibt es also immerzu, sozusagen täglich, neue Situation, in denen ich das üben kann. Und tue. Und ich begleite unheimlich gerne andere bei ihrem Üben und ihrem Tun. Und ich sage inzwischen immer häufiger aus tiefstem Herzen: Juchhuu!!! Ein Konflikt! Eine Möglichkeit zum Üben und Lernen!!!

Ich persönlich finde die Methode des Rollenspiels, insbesondere in der Art und Weise, wie ich sie von Liv Larsson ((bekannte GFK-Trainerin) kennen gelernt habe, ein sehr wirkungsvolle Technik, aus alten Denk- und Sprechmustern rauszukommen und dadurch dem Drehbuch entscheidende Veränderungen zu geben. Mit GFK leben bedeutet für mich nicht, dass alle Schwierigkeiten sofort weg sind. Aber das Drehbuch in Richtung Happy End mitzugestalten – das reicht mir.

Von wegen beziehungsunfähig

Von wegen beziehungsunfähig Genauso wichtig wie Selbstbestimmtsein und Eigenverantwortlichkeit sind mir Gemeinschaft und Verbindung. Und da schrieb ich viele Geschichten in meinem Leben, die kein Happy End hatten. In schöner Regelmäßigkeit beendete ich alle 2 Jahre meine Liebesbeziehungen. Brach Freundschaften abrupt ab. Hielt mich für beziehungsunfähig und litt daran. Ich kannte keine Strategien, Konflikte anzusprechen, auch keine mit eigenen starken Emotionen klar zu kommen.

Und, was ich heute für den entscheidensten Aspekt halte: In meinem Leben vor der GFK (und, zugegebenerweise, auch noch über einige Jahren mit GFK) hielt ich meine Wahrnehmung samt deren Interpretation (also meine Geschichten) für bare Münze. Absolute Wahrheit.

Dies hielt mich komplett davon ab, für die Geschichten, Gefühle, Bedüfnisse meiner PartnerInnen offen zu sein. Dafür, wie sie ihre Welt und unsere Beziehung erlebten.

2008 lernte ich Rigulf kennen. Ohne ihn wäre das große BÄNG nicht möglich gewesen. Und ich bin so dankbar dafür. Wir sind jetzt seit 11 Jahren zusammen und wirklich glücklich miteinander.

D.h. Wenn man mal von den ersten beiden Jahren absieht. Da lief alles so, wie ich es schon immer kannte. Wir haben uns das Leben mehr oder weniger zur Hölle gemacht, haben, bei aller Liebe, wahnsinnig aneinander gelitten und so weiter und so fort. Es kam, wie es kommen musste – wir trennten uns. Zum Glück nur für drei Monate. Dann ist uns aufgegangen, dass wir ohne einander auch nicht glücklicher sind als miteinander, nur dass wir jetzt niemandem mehr die Schuld dafür in die Schuhe schieben konnten. Und dies brachte uns glücklicherweise unabhängig voneinander zu einer Erkenntnis:

Wir hatten immerzu unseren Partner/unsere PartnerIn für unser Glück bzw. Unglück verantwortlich gemacht!

Diese Erkenntnis führte bei uns beiden, jeweils aus unterschiedlichen Weltanschauungssichten, zu einem gleichen Aha-Erlebnis, dem BÄNG: Beziehung kann für uns beide nur dann funktionieren, wenn jeder die Verantwortung für seine eigenen Gefühle übernimmt. Und bereit ist, an dem anderen in seiner Welt wohlwollend interessiert zu sein. Punkt.

Und diese Erkenntnis brachte uns zu dem Wagnis, das mit der Beziehung noch einmal zu versuchen.

Für mich war und ist die GFK definitiv das Mittel der Wahl, das es mir möglich macht, die Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen. Ich kannte inzwischen die GFK seit einigen Jahren. Das hieß noch lange nicht, dass ich es direkt auf meine Beziehungen übertragen konnte. Und doch hatte ich inzwischen gelernt, Geschichten als Geschichten zu identifizieren. Und damit war ein Schritt für mich auf dem Weg zur Beziehungsfähigkeit geebnet: Ich konnte auf einmal die Vorstellung auszuhalten, dass mein Partner bei der selben Sache eine völlig andere Geschichte als ich erlebt und dies meine Realität nicht bedroht. Sondern bereichert! Was für eine Sensation! Plötzlich konnte ich den anderen sehen. In seiner Welt. Mit seiner Wahrnehmung, seinen Gefühlen, seinen Bedürfnissen, seinen Strategien. Ich lernte mich zu zeigen, mit meiner Welt. Und siehe: Begegnung war möglich, Nähe und Verbindung. All das, was ich mir immer gewünscht hatte und nicht zu hoffen gewagt hatte, dass es das überhaupt gibt.

Rigulf hat nicht viel mit GFK am Hut. Bis heute nicht. Er wählt andere Methoden. Das ist völlig wurscht. Es ist nicht nötig, dass beiden Seiten einer Partnerschaft GFK wichtig ist. Am Ende kommt, wenn es mir gelingt in der Haltung der GFK zu bleiben, (meiner Meinung nach) doch GFK raus. Das sehe ich allein schon daran, weil unsere Konflikte immer mehr davon gekennzeichnet sind, dass wir zuerst ausgiebig die Welt des jeweils anderen anerkennen, samt Gefühlen und Bedürfnissen. Und wenn der/die eine das mal überspringen will, dann fordert der/die andere das zunehmend erfolgreich ein. Weil wir mehr und mehr merken, wie wichtig es ist, erst dann zu beginnen nach Lösungen zu suchen, wenn wir wirklich beide so weit sind. Denn dann ist der aufrichtige Wunsch, dass die Bedürfnisse von uns beiden Berücksichtigung finden, am stärksten und dann finden wir gemeinsam die wirklich guten Lösungen.

Das ist uns nicht in die Wiege gelegt worden. Auch nach dem Aha-Erlebnis nicht. Das haben wir uns erarbeitet. JedeR einzeln und wir beide zusammen. Das war nicht einfach und ist es auch bis heute häufig nicht. Wir sind in vielen Bereichen sehr unterschiedlich und es gibt genug Konfliktpotenzial und Möglichkeiten, miteinander zu wachsen.

Was wir geradezu zur Perfektion gemeistert haben erlebe ich als höchst wirkungsvoll, um gemeinsam ein Drehbuch zu ändern. Wann immer eineR von uns merkt, dass wir bei einem Konflikt in alten Mustern sind – dem anderen Verantwortung geben, Vorwürfe, Ansprüche... (es passiert immer wieder!) - so kommt ein: Stop! Nochmal zurück. Und dann beginnen wir das Gespräch oder die Situation, in der es begann „komisch“ zu werden noch einmal von vorne. Wir reproduzieren die ganze Szene. Wenn es z.B. begann „komisch“ zu werden, als Rigulf in den Raum kam und etwas sagte und ich auf der Couch saß, dann gehen wir wieder zurück in diese Ausgangspositionen. Rigulf kommt wieder neu in den Raum, ich setze mich wieder auf die Couch und wir wiederholen alles von vorne. Nur halt anders.

Und darauf, was wir uns erarbeitet haben, bin ich echt stolz. Inzwischen haben wir geheiratet und würden es bislang auch immer wieder tun.

Und, ich wünsche mir, dass eins deutlich geworden ist: Dass das, was da zwischen uns passiert, astreine GFK sein soll, ist alleine meine Geschichte. Für Rigulf sieht das ganz anders aus und wenn er seine Version unserer Geschichte erzählt, hört sich das auch völlig anders an. Und davor habe ich den größten Respekt. Und das ist auch gut so 🙂

Der Storchenvater und seine Kinder (Märchen aus Litauen)

Zum Abschluss eine kleine Geschichte aus Litauen, die mich sehr berührt und die gleichzeitig deutlich macht, dass Widersprüche durchaus fruchtbringend sein können. Denn die GFK sucht Begegnungen jenseits von „falsch“ und „richtig“. Und der Wert, die älter werdenden Eltern zu begleiten, ist wertvoll für mich. Auch möchte ich gerne mein Kind tragen, wenn es müde ist, unabhängig von irgendwelchen Auflagen, die es dafür zu erfüllen hat. Und doch können Worte, die dies infrage zu stellen meinen, eine Wahrheit zum Ausdruck bringen, die genau dadurch in mir zum Klingen gebracht wird, und so eine lebensdienliche Geschichte werden:
Die Störche flogen über das Meer. Ein Storchenkind wurde müde und sagte zum alten Storch: »Vater, trage mich. Wenn du alt bist, trage ich dich auch.«

»Nein, was du sagst, ist verkehrt«, antwortete der alte Storch. Sie fliegen weiter. Da wurde das andere Storchenkind müde und bat den Vater auch, es zu tragen. Es sagte: »Ich werde dich tragen, wenn du alt bist.« Auch ihm antwortete der Vater: »Was du sagst, ist verkehrt.« Danach sagt das dritte Störchlein: »Väterchen, trage mich, dann werde ich auch meine Kinder tragen.«

»Sieh da«, sagt der alte Storch, »du sagst das Richtige!«

Und er trug den Kleinen.

Vita von Katrin Hefendehl:

geb. 6.7.1970

verheiratet, 1 Sohn (*1995)

Studium der Sozialpädagogik (BA) mit den Abschlüssen Erzieherin (1993)

Dipl.Soz.Pädagogin (BA) (1995)


Weitere Ausbildungen mit Zertifikaten:

nebenberufl. Ausbildung zur Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstrainerin nebenberufl. Ausbildung zur Märchenerzählerin

regelmäßige Fortbildungen in GFK (Gewaltfreie Kommunikation nach M.Rosenberg) seit 2007

im CNVC-Zertifizierungsprozess seit 2017


Freiberuflich tätig seit 1999 in den Bereichen

  • GFK (Gewaltfreie Kommunikation nach M.Rosenberg)
    • Schwerpunkt Eltern
    • ErzieherInnen/PädagogInnen
    • Einzel-Coaching
    • Übungsgruppen
    • Einführungs-Seminare
    • Mediation
  • Gewaltprävention
    • in Schulen und Kindergärten
    • Schwerpunkt Prävention gegen sex. Gewalt
    • Elternarbeit
  • Märchen und Musik
    • alleine und mit meinem Partner Rigulf Hefendehl
    • Schwerpunkt Volksmärchen aus aller Welt

Anmerkung von Tassilo:

„Ich kenne Katrin seit 8 Jahren und feiere sehr, dass wir uns bei den Trainertagen in München wieder gefunden haben. Ich liebe es, mit Menschen wie Katrin Zeit zu verbringen, die sich trauen sie selbst zu sein, die sich gerne in andere einfühlen und schon große Lebenskrisen selbst gemeistert haben. Katrin gehört zu den Menschen die ich bewundere und die sehr viele Schätze in sich trägt. Es ist eine große Freude für mich, dass wir nun zusammen arbeiten. Herzlich willkommen im Team.“


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