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Warum alle Eltern gewalttätig sind und versuchen es zu vertuschen!

WaGewalt-424s ist eigentlich Gewalt? Ist Gewalt schlecht? Oder manchmal auch gut? Darf ich als Vater oder Mutter manchmal gewalttätig sein oder nicht? Was mache ich mit meinem schlechten Gewissen, wenn ich gewalttätig war?

Ach ja – darf ich mein Kind manipulieren, nach dem Motto: “Wenn du den Abwasch machst, darfst du was Süßes haben!” Oder darf ich mein Kind bestrafen: “Wenn du den Abwasch nicht machst, darfst du heute nicht Fernsehen!”?

Gewalt ist mehr als wir denken!

Als Sozialpädagoge dachte ich 2009, dass ich ein wunderbarer Pädagoge sei, liebevoll, großherzig, respektvoll, lustig, verständnisvoll, freundlich, etc. Ich war ein Gegner von Gewalt und dachte tatsächlich, dass ich gewaltfrei mit Kindern und Jugendlichen umgehen würde.

Dann las ich die Gewalt-Definition des Psychologen Dr. M.B. Rosenberg. Er schreibt zu der Frage: Was verstehen wir unter Gewalt: “Jeder Versuch, andere Menschen (auf der Basis meiner Bewertungen zu bestrafen) und jeder Versuch, meine Bedürfnisse zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer.”

Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du diese Gewaltdefinition liest. Ich war damals geschockt. Denn ich war tatsächlich liebevoll, großherzig und wertschätzend, so lange alle machten, was ich wollte. Wenn das nicht der Fall war, konnte ich ganz anders. Ich wurde laut, habe den Kindern mit Konsequenzen gedroht, wenn sie ihre Aufgaben nicht erledigten, geschimpft und Regelverstöße geahndet.

Es gehört nicht zum Selbstbild von Eltern und Pädagogen, sich hinzustellen und zu sagen: Ja, ich verhalte mich oft rücksichtslos und also im Sinne von Dr. Rosenberg gewalttätig.

Viel lieber bagatellisieren wir unsere Handlungen, rechtfertigen sie und sagen, das Kind hätte sich ja nicht so destruktiv verhalten müssen, oder wir haben überreagiert, weil wir zu müde waren, oder wir finden sonst eine Erklärung, die unser Verhalten rechtfertigt um auf keinen Fall verantwortlich zu sein.

Dabei ist Gewalt weder gut noch schlecht. Wie ein Messer nur ein Messer ist: man kann damit eine Tomate scheiden, oder jemanden verletzen.

So können wir Gewalt zum Schutz einsetzen, wenn ein Kind z. B. über die Straße läuft, oder als Strafe.

Schützende Gewalt dient dem Leben und soll unterstützend sein. Strafe hingegen soll dafür sorgen, dass ein Verhalten nicht mehr auftritt. Es soll dem bestraften Schmerz zufügen, damit er etwas daraus lernt. Strafe verhindert meist Verständnis und echte Einsicht. Vielfache Studien haben belegt, dass Bestrafung lange nicht so viel bringt, wie wir uns erhoffen. (Die Rückfallquote von Jugendstraftätern liegt bei 78%. Quelle: Die Welt).

Warum wenden wir Gewalt an?

Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Unbewusste Rücksichtslosigkeit: Das Kind gehorcht nicht, wir schreien es an: “DU GEHST SOFORT IN DEIN ZIMMER!” Das machen wir nicht absichtlich wohl überlegt, sondern impulsiv unüberlegt weil wir unreife Eltern oder Bezugspersonen hatten, die uns dieses Reiz-Reaktionsmuster vorgelebt haben. Einerseits sind unbewusste Reaktionsmuster sehr viel schwerer zu verändern, als berechnete Handlungen, andererseits ist es immerhin etwas entlastend, wenn die Eltern sagen, dass es nicht ihrem Ziel entspricht, rücksichtslos mit ihrem Kind umzugehen.
  2. Bewusste Rücksichtslosigkeit:
    – Wir glauben, dass unsere Kinder durch unsere gut gemeinte, strafende Konsequenz Orientierung bekommen, damit sie respektvolle, verantwortungsvolle und pflichtbewusste Menschen werden.
    – Wir glauben, dass unsere Kinder rücksichtslose, weltfremde, selbstsüchtige und faule Kreaturen werden, wenn wir sie nicht spüren lassen, was sie falsch gemacht haben.
    – Wir haben Angst, dass wir die Kontrolle über unsere Kinder verlieren und versuchen sie mit Lob und Strafe (Konsequenz) auf den richtigen Weg zu führen. Das macht uns meist keinen Spaß, ist leider ab und zu erfolgreich, da sich manche Kinder dem starken Druck beugen. Jedoch nicht aus Liebe sondern aus Angst oder mangels Alternativen.

Wenn wir es genau betrachten, sind wir rücksichtslos, weil uns Selbstbewusstsein fehlt.

Wenn ich als Vater oder Mutter alles vorleben würde, was ich mir von meinem Kind wünsche, bräuchte ich keine Regeln, keine Konsequenzen und keine Strafen. Da wir uns unseren Kindern gegenüber oft rücksichtslos verhalten und somit dieses gewalttätige Verhalten vorleben, machen es uns unsere Kinder nach.

Statt uns zu wundern und unser Verhalten zu korrigieren, werden wir noch rücksichtsloser, indem wir noch härtere Konsequenzen verhängen, noch mehr Stress an den Kindern abreagieren und sie noch mehr zum Funktionieren zwingen, durch Manipulation oder Strafe.

Wenn ich mir bewusst bin, dass mein Kind meist ein Spiegel meines Verhaltens ist, hintefrage ich mich, sobald mein Kind nicht das tut, was ich möchte: “Hat das Verhalten meines Kindes etwas mit mir zu tun? Bin ich zu fordernd, zu einschränkend mit ihm umgegangen? Habe ich zu wenig zugehört, mich zu wenig für mein Kind und seine Anliegen interessiert? Habe ich mein Kind übergangen, wo es mich gebraucht hätte? Habe ich mein Kind überfordert, ihm zu viel Verantwortung übergeben?

Wenn ich auch nur einen leisen Verdacht habe, dass ich das Verhalten meines Kindes durch mein eigenes negatives Vorbild in irgendeiner Weise vorgelebt habe, schimpfe ich nicht, sondern sage eher mit einem Schmunzeln: “Du bist genauso bockig wie ich!” – insgeheim nehme ich mir vor, das zu ändern und meinem Sohn ein sinnvolleres Vorbild zu sein.

Wie wirkt Gewalt?

Wenn wir mit unseren Kindern rücksichtslos umgehen, sinkt die Zuneigung in dem Moment massiv! Gewalt wirkt distanzierend. Hilflosigkeit, Wut und Rache sorgen für Eskalation, also dem Gegenteil von dem, was wir uns wünschen.

Das fatale an dem rücksichtslosen Verhalten von uns Eltern ist die Realitätsverfremdung.

Wir tun so, als ob es keine Alternative zu unserem Gewaltverhalten gäbe: “Du bist zu klein, um selbst zu entscheiden!” oder “Weil du geschrien hast gehen wir jetzt nach Hause!” oder “Du hast getrödelt, jetzt ist es zu spät zum Vorlesen!”

Wir tun so, als ob das Kind einen Fehler gemacht hat und nutzen das als Rechtfertigung dafür, uns rücksichtslos zu verhalten!

Die Realität ist:

Das Kind ist nicht zu klein, um selbst zu entscheiden, sondern ich bin als Vater zu ungeduldig oder unfähig meinem Kind zuzuhören und seine Wünsche mit meinen Wünschen zu verschmelzen.

Wir gehen nicht nach Hause, weil das Kind geschrien hat, sondern weil ich hilflos bin und nicht weiß, wie ich von meinem Kind gehört werden kann, auf eine Art, die ihm Lust auf Kooperation macht.

Es ist nicht zu spät zum Vorlesen, weil das Kind getrödelt hat, sondern ich bin einfach müde und geschafft und brauche Ruhe.

Wie wirkt die Realitätsverfremdung?

Das Kind trödelt. Es erfüllt sich damit ein Bedürfnis. Statt uns dafür zu interessieren, sind wir unter Druck. Wie möchten dem Kind eine Lektion erteilen: “Du musst lernen, wenn du trödelst, haben wir keine Zeit mehr etwas Schönes zu machen, dann trödelst du hoffentlich morgen nicht mehr!”

Durch unsere kausale Schlussfolgerung: “Du hast getrödelt, also habe ich keine Zeit mehr, dir vorzulesen! (Selber schuld – hättest du dich beeilt, könnte ich jetzt noch etwas vorlesen)” – manipulieren wir die Wahrnehmung des Kindes. Das Kind glaubt tatsächlich, dass es selbst Schuld an der negativen Konsequenz ist. Vielleicht weint es, ist traurig, oder wütend – aber auch hilflos, wie es mit diesem Schmerz nun umgehen soll. Auch hier verraten wir unsere Kinder oft, indem wir sie mit diesem Gefühlschaos, was wir ausgelöst haben, allein lassen.

Die Wahrheit ist: Es gibt IMMER eine Alternative und wenn wir so tun, als ob es keine gäbe, sind wir eindeutig auf dem Holzweg.

Wenn wir dem Kind häufig die Verantwortung für unsere eigene Unfähigkeit übergeben, so glaubt es tatsächlich, dass wir recht haben und es fängt an, seiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen und anderen mehr zu glauben als der eigenen inneren Stimme.

Wenn wir keine Verantwortung für unser rücksichtsloses Verhalten übernehmen und unseren Kindern suggerieren, dass sie selbst schuld sind, wenn wir sie rücksichtslos behandeln, kann es dazu führen, dass wir Kinder ins Leben begleiten, die ihr Wohlbefinden von den Meinungen anderer abhängig machen und nicht mehr auf ihre innere gesunde Stimme hören, weil wir sie in hartnäckiger Kleinarbeit zum Schweigen gebracht haben.

Das führt in Zukunft zu einem Verhalten, wovor wir Eltern zurecht Angst haben sollten! Wenn später in der Pubertät der Cliquenleader sagt: “Rauchen ist cool!” Dann ist es eben so, auch wenn die eigene Wahrnehmung sagt: “Es schmeckt widerlich!”

Doch das muss nicht so bleiben!

Was wir sofort tun können um das zu ändern!

Meistens merken wir erst nach einer Eskalation, dass wir unserem Kind wieder die Verantwortung zugeschustert haben. Es ist nie zu spät die Wahnehmung des Kindes “zu reparieren”, indem wir sagen: “Ich möchte mich korrigieren: Wir sind nicht nach Hause gegangen, weil du dich daneben benommen hast, sondern weil ich mir keine Zeit genommen habe, wirklich zu verstehen, was dich beschäftigt – das bedaure ich! Bist du bereit mir jetzt zu sagen, was dich vorhin gestört hat?”

Eltern haben an vielen Tagen 20 – 25 Mal Gelegenheit, Verantwortung für ihr Scheitern zu übernehmen, indem sie etwas sagen wie: “Ich habe vorhin geschrien, das war nicht ok von mir – ich war so hilflos und wusste nicht, wie ich gehört werden kann!”

Wir haben nun die Möglichkeit, so weiter zu machen wie bisher, oder Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen und zu lernen, mit uns, unseren Kindern und unserem Partner rücksichtsvoll und gewaltfrei umzugehen.

Fazit:

Wir Eltern können unser rücksichtsloses Verhalten als Gewalt verstehen, die es nicht zu rechtfertigen gilt, sondern zu verwandeln. Lasst uns Wege finden, der Wahrnehmung unseres Kindes zu vertrauen und Raum zu geben, gerade dann, wenn es sich nicht so verhält, wie wir es gerne hätten – vielleicht ist es nur ein Spiegel unserer eigenen Rücksichtslosigkeit.

Bedenke: Es ist für manche Eltern schwer, die eigene Fehlbarkeit zu zeigen – doch es lohnt sich.

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Schulze

Hallo Tassilo,

ich finde deinen Artikel sehr gut. Ich selbst versuche die gewaltfreie Kommunikation so gut wie möglich umzusetzen und mich zu hinterfragen warum ich in manchen Situationen so reagiere wie ich reagiere.

Mit erschrecken stelle ich fest, das es heutzutage Menschen gibt die für ihren „diktatorischen“ Umgang mit Kindern sogar gelobt werden. Neulich bei einer Führung durch eine Höhle war solch ein pädagogisch unfähiger Mensch, der ein Einfühlungsvermögen besitzt das gegen Null tendiert und so das ich mit dem Kopfschütteln nicht aufhören konnte. Zu Bedauern finde ich das die begleiteten Erzieher dem einschüchternden Menschen auf die Schulter klopften und viel Zustimmung für seine Art und Weise geäußert haben. Es ist erschreckend das es weitverbreitet ist gewaltsam zu kommunizieren und irgendwie gesellschaftsfähig ist Kinder einzuschüchtern und bloß zu stellen um gehorsam zu erreichen.
Meine Vermutung lautet: die Menschen sind so sozialisiert wurden und leider nicht fähig sich zu hinterfragen. Es ist nicht möglich sie davon zu überzeugen das es einen anderen Weg gibt. Da die Kinder so eingeschüchtert waren, war es natürlich still und das gibt diesen Menschen auch noch Bestätigung für ihre Haltung.

Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig aufzuklären und andere Wege aufzuzeigen. Danke für diesen Artikel und ich hoffe das es viele Menschen lesen und anfangen zu reflektieren.

Iris

Sicher fällt es uns oft schwer, unseren Kindern die Wahrheit über den Grund unserer Entscheidungen zu sagen. Allerdings bin ich aber der Meinung, dass wir durchaus die Entscheidungsgewalt besitzen. Was nützt es meinem Kind, wenn ich immer alles hinterfrage und immer alle Wünsche respektiere, wenn es dadurch nur lernt, dass alle Menschen so mit ihm umzugehen haben? Ich möchte doch keinen Tyrannen groß ziehen. Weil wir alle so verständnisvoll sind und unsere Kinder verhätscheln, ziehen wir immer mehr Arbeitsverweigerer groß. Denn: Mutti macht schon. Wir haben es anders gelernt. Ich bin auch gegen Gewalt, aber für Regeln. Iris

    Tassilo

    Hallo Iris,
    ich stimme mit dir überein, manchmal haben wir keine Kraft oder denken keine Zeit für ein Konsensgespräch zu haben, dann Entscheiden wir für das Kind und sind rücksichtslos. Das ist in unserem Sinne Gewalt – es kommt darauf an, ob ich jemanden schützen oder bestrafen möchte. Ich weiß nicht wo man rauslesen kann, dass Eltern alles machen sollen was ihre Kinder möchten. Ich schreibe davon, dass es sinnvoll ist, die Wünsche der Kinder anzuhören und zu prüfen, ob es einen Weg gibt, die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen. Meistens reicht es den Kindern, wenn sie ausreichend gehört werden.
    Deine Sorge, dass Kinder Tyrannen werden, wenn man ihnen zuhört – teile ich nicht. Meiner Erfahrung nach werden Kinder dann zu Tyrannen, wenn sie alles machen dürfen, was sie wollen, ohne Rückmeldung zu bekommen, wie es anderen damit geht.
    Wo immer ich mit anderen Kindern Gewaltfrei umgehe sind diese Kinder im hohen Maße bereit, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Sei es Ordnung, Ruhe, Unterstützung im Haushalt, Umgang mit den Geschwistern.
    Die wenigsten Menschen verstehen den Unterschied zwischen Regeln und Vereinbarungen… mehr dazu im kostenlosen E-Book… http://www.tassilopeters.com

Danny

Wow….alles klar und deutlich geschrieben. Nur meine muster verschwinden nicht….und immer und immer wieder handle ich wie meine mutter. Aber jaaaaa…ich sage jaaaa…du hast so recht.

Jule

Ein wundervoller Artikel, wenn auch etwas erschreckend das eigene Verhalten so gespiegelt zu bekommen. Und wie recht du hast. Ich habe mich beim Lesen mehr als einmal ertappt gefühlt und hatte Tränen in den Augen. Wollen wir doch für unsere Kinder etwas anderes wie sie starren Strukturen unter denen wir aufgewachsen sind. Dennoch verfallen wir immer wieder in die uns eingeprägten Verhaltensmuster und es ist so unendlich schwer und es kostet so viel Kraft es zu versuchen anders zu machen und es gelingt nur so selten. Wenn es gelingt hat mein so ein harmonisches Miteinander dass man es kaum glauben kann und dann zack steckt man wieder fest. Und man ist so wahnsinnig streng mit sich als Eltern und kann sich so manchen Aussetzer kaum vergeben. Deswegen finde ich es wichtig, dass es solche Artikel wie deinen gibt, die einen jedesmal wieder erden und ermuntern weiter zu reflektieren und dass es sich lohnt „anders“ zu denken und zu handeln. Danke hierfür.

Andrea

Lieber Tassilo,
ein Freund hat mir den link zu Dir geschickt…
Ich habe Tränen in den Augen beim Lesen Deiner Ausführungen…
Deine Worte strahlen diese nötige Überzeugung und Klarheit aus, welche mir im Moment im Umgang mit meiner 11jährigen Tochter leider oft fehlt.
Wo anfangen?
Im Kopf sind viele Gedanken klar…im entscheidenden Augenblick verpasse ich dann die Abfahrt aus meinem Verhaltensmuster raus zu kommen.
Über allem steht bei mir die Sorge, ob ich meinem „kleinen“ Mädchen alles Wichtige mit auf den Weg gegeben habe, um, z.B. in der Clique aktiv „Nein“ zu sagen sobald was …kritisches ausprobiert werden soll…
Wer kann mir die Sicherheit geben?
Kannst Du mir das beantworten?
Und wenn es so sein sollte, dass alles nur IN MIR zu lösen sei… brauche ich dazu eine Zauberformel, ein Mantra, oder was?
Herzliche Grüße sendet,
Andrea
Ich will jetzt noch weiter auf Deiner Internetseite lesen…

    Tassilo

    Liebe Andrea,
    vielen Dank für deine berührenden Worte und deine Offenheit – da ich sehr viel Kritik für den Artikel bekomme, freue ich mich, wenn manche LeserInnen ihn so verstehen, wie ich ihn geschrieben habe.
    Zu deiner Frage: Es klingt so, als ob du dir und deiner Erziehung nicht vertraust. Es gibt Dinge die du beeinflussen kannst und welche, die du nicht beeinflussen kannst. Was du beeinflussen kannst, ist die Beziehung zwischen dir und deiner Tochter. Vertraut sie dir, kann sie mit jedem Problem zu dir kommen, in dem Vertrauen gehört und verstanden zu werden? Gibt es Tabuthemen? Z.B. Drogen, Sexualität? Es gibt eine Zauberformel – für mich ist es die Gewaltfreie Kommunikation – mein kostenloses Webinar dazu findest du auf http://www.familienhelden.com.
    Viel Spass beim stöbern,
    lg
    Tassilo

Sven

Hi Tassilo,

ich habe durch Zufall Deinen Beitrag gelesen und was soll ich sagen… du hast ja so recht …ich ertappe mich immer wieder dabei, gerade in stressigen Situationen meine Macht als Papa auszuspielen um ein schnelles und erfolgreiches Ergebnis (in meinen Augen)zu erzielen – durch den Alltagsstress ist man sehr anfällig für so manche ungerechte Vorgehensweise, die man im Nachhinein immer bereut (ich zumindest). Zurückrudern in der Situation haben auch nicht alle von uns gelernt bzw. vorgelebt bekommen. Was also tun in so einem Fall – ich persönlich versuche immer öfter nach einem solchen Verhalten nochmals mit den Kids zu reden – besonders mit meiner Tochter (9) sie ist ein wahres Spiegelbild von mir und ich entdecke immer mehr Parallelen (auch die nicht so schönen). Ich sage Ihr dann meist, dass ich mich nicht richtig verhalten habe und nicht sie Schuld an der Situation hatte – damit geht es uns beiden viel besser und ich lerne kontinuierlich solche Situationen insitu besser zu analysieren und entsprechend zu reagieren. Im Fazit hat mich der Beitrag noch etwas wacher hinsichtlich der Problematik gemacht.

Vielen Dank
Sven

    Tassilo

    Hallo Sven,
    vielen Dank für dein Kommentar, es ist soooo berührend zu lesen, was dieser Artikel bewirkt. Ich liebe es, solche Kommentare zu lesen, die zeigen, dass es reflektierte Eltern gibt, die diesen Artikel verstanden haben 😉
    lg
    Tassilo

Caroline

Oh in der Theorie tönt das alles immer so klar und einleuchtend . 😉 Aber die Realität des Alltag s sieht manchmal auch ganz anders aus. Da können die eigenen Vorsätze und Überzeugungen rasch ins wanken geraten : Ich hab 2 Kinder mit Diagnosen und betreue meine Kinder zu 100 Prozent ! Und Tatsache ist ,das der Alltag sehr anstrengend sein kann mit 2 Kinder die besondere Bedürfnisse haben . Was mir immer wieder an solchen Beiträgen fehlt ist die Bedürfnisse der Eltern,der Mütter….. Auch Mütter haben Bedürfnisse die man aber allzuoft mit der Geburt von Kindern weit nach hinten schieben muss. ich kann noch heute selten mal in Ruhe zum Beispiel wie hier jetzt 😉 etwas schreiben ,lesen oder telefonieren . Ach mit viel Liebe und Ruhe habe ich das schon Jahrelang versucht in gute Bahnen zu bringen ! Ja wenn Mami hochgeht innerlich soll sie den Raum verlassen ,das war immer so ein guter Ratschlag von Fachleuten smile na wie den wenn 2 Kinder einem wie wenn man ein Magnet geschluckt hätte folgen egal wohin man sich verzieht 😉 Es ist wahr aber Kinder müssen auch lernen das Eltern Bedürfnisse haben ! Wenn es doch nur ein Rezept gäbe das allen gerrecht wird 😉 DAS gibt es definitiv nicht.Ich versuche meine Strategien immer wieder anzupassen den leider funktionieren diese beim einen Kind selten lang …. lg Caroline

    Tassilo

    Hi Caroline,
    ich bin Handwerker. Je größer mein Werkzeugkasten, desto wahrscheinlicher habe ich das passende Werkzeug für eine spezielle Problemstellung. Wer in seinem Werkzeugkasten nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.
    Kinder kooperieren zu 90% – sagt Jesper Juul. Selbst wenn sie scheinbar nicht kooperieren, versuchen sie sich Systemadequat zu verhalten. Manche nennen das Spiegeln. Das ist oft schwer zu verstehen. Ein Rezept um allen gerecht zu werden, gibt es nicht, aber viele Rezepte, die allen gerecht werden gibt es schon. Das erfordert einen großen Werkzeugkasten. LG Tassilo

Model und Mama

Wieder ein toller Artikel! Bei mir war es so, dass ich vor allem väterlicherseits mit massiver körperlicher und seelischer Gewalt erzogen wurde, auch als erwachsene Frau wurde ich noch brutal von ihm geschlagen.

Das mag auch ein Grund dafür sein, wieso ich gar nicht streng sein kann – ich möchte es unbedingt anders machen und bin auch froh, dass es so gut klappt komplett anders zu machen. Wenn man mir sagt ich wäre zu lasch denke ich mir innerlich „yeaa ich bin anders als mein Vater“ ….. und darauf auch stolz.

Manchmal ist es schwer für mich die „goldene Mitte“ zu finden … aber ich habe im Großen und Ganzen ein gutes Bauchgefühl mit der lockeren Art. Die Kids sind zwar ein bisschen verwöhnt, aber auch sehr happy und meist auch pflegeleicht 😉 und ich verwöhne sie gern.

Wenn ich genervt bin entschudlige ich mich danach und ich erkläre ihnen auch ganz offen wenn ich einfach mal ein bisschen Ruhe brauche – dieses Recht hat man einfach als Eltern.

Weiterhin alles Gute, Tassilo …. beim Lesen sehe ich immer so viele Ähnlichkeiten zwischen uns und werde in vielem was ich tue bestärkt – DANKE dafür!

Elischeba

    Tassilo

    Hey Elischeba,
    soooo schön, von dir zu lesen… danke für deine Offenheit und den Mut es anders zu machen.
    Grüße von Herzen und bis bald,
    Tassilo

ann

@Anika
ich kann deine Gefühle, v.a. deine Hilflosigkeit und Wut in der und über die Situation, die du beschreibst, nur allzu gut nachvollziehen.

Ich wünsche dir, dass dich solch wenig hilfreichen Kommentare wie die deiner Eltern nicht allzusehr runter ziehen, denn du machst einen großartigen Job. Wie alle Eltern, die sich eben nicht für den vermeintlich leichteren Weg entschieden.

Feiere dich für jedes Mal, wenn ihr es als Team zu dritt ohne Stress aus dem Haus schafft! Freu dich, wenn dir dein Großer hilft, das Baby anzuziehen!
Sei stolz auf dich, wenn du trotz Terminstresses eben doch mal noch eine Geschichte erzählst oder dir ein „wir ziehen jetzt die Schuhe an“-Lied ausdenkst!

Und mach dich nicht für dein vermeintliches Versagen fertig, wenn selbst dir mal der Geduldsfaden reißt. Ja, das ist eine Ausrede. Aber menschlich. Nächstes Mal klappts dafür.

ann

Toller und wichtiger Artikel. V.a. weil, wenn auch nur am Rande, thematisiert wird, dass Lob meist manipulativ eingesetzt wird und damit streng genommen auch eine Form von Gewalt ist.

Zur Frage nach praktischen Handlungsempfehlungen in den genannten Situationen (Kind will sich nicht anziehen, Mama/Papa steht unter Zeitdruck): ein wichtiger Schritt wäre vielleicht, sich und dem Kind gegenüber erstmal ganz klar zuzugeben, dass nicht das Kind das „Problem“ ist, sondern der Zeitplan der Erwachsenen. Das klar auszusprechen wirkt oft schon bei ganz kleinen Kindern Wunder, denn auch wenn sie vielleicht die Worte nicht verstehen,empfangen sie sehr deutlich das Gefühl, respektiert zu werden und nicht hilflos dem Willen der Großen ausgeliefert zu sein.
und natürlich Kreativität 🙂 (oft hilft es schon, dann eben erst die Jacke und dann die Schuhe anzuziehen)

Andrea

Ein toller Artikel. Es motiviert mich mein Verhalten zu reflektieren. Es ist mir bereits aufgefallen was Kinder für erbarmunglose Spiegel sind. Sie spiegeln das positive wie auch das negative.

Babs

Hallo, leider kann ich die Seite nicht abonnieren. Oder was kann ich tun, dass ich Eure spannenden Berichte mitverfogen kann.

Lieben Dank
Babs

Melanie

Hallo,
ich bin Mutter von 3 Kindern und selbst Sozialpädagogik, allerdings arbeite ich nicht mit Kindern sondern mit alten Menschen. Aufgrund dessen habe ich einen besonderen Einblick in Erziehungsmethoden mehrerer Generationen.
Zusammenfassend meine ich, dass viele Eltern ihre Rolle als schwierig empfinden, weil sie sich ständig hinterfragen. Vielmehr mehr sollten Sie sich doch selbst vertrauen. Ich denke auch nicht, dass man immer um einen Konsens mit seinem Kind bemüht sein sollte. Das ist nicht das Leben! Am Anfang entscheiden wir im besten Sinne und helfen den Kindern Schritt für Schritt in Selbstständigkeit und Freiheit. Dazu gehört natürlich auch, dem Kind gegenüber mal einen Fehler einzugestehen, sich zu entschuldigen. Aber wenn ich ihren Artikel lese, müsste ich ja tagtäglich an Selbstzweifeln zergehen.
Ich glaube genau diese unsicheren Eltern, werden nach Lesen dieses Artikels noch unsicherer. Vielleicht wenden diese sich ja dann an ihre Familienakademie? Ist Ihre Hilfe denn dort kostenlos???
Viele Grüße
Melanie

    Tassilo

    Hallo Melanie,
    ich schätze es sehr, wenn in den Kommentaren nur über das geschrieben wird, was der Artikel bei dir ausgelöst hat. Ja, jeden Tag an den eigenen Handlungen zu zweifeln – zugunsten der Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind ist für mich sehr sinnvoll. Solange wir noch destruktive, rücksichtslose Muster leben, führt für mich kein Weg daran vorbei.
    Unsicherheit ist für mich etwas sehr produktives. Wer meint er wüsste was richtig ist und sich durch nichts verunsichern lässt, ist für mich mit Vorsicht zu betrachten.
    lg
    Tassilo

izzza

also ich halte das für völligen schwachsinn! ich bin mutter, aber keine maschine, genauso wie mein kind mal zicken darf oder ungerecht ist, kann mir das ebenso passieren!
und wohin uns diese duzi-duzi-erziehung führt sehen wir ja wohl jeden tag?! respektlose, unerzogene kinder und jugendliche, die meinen die ganze welt dreht sich nur um sie und alles läuft so, wie sie es gerne möchten…
„soll dir die mama eine ps 4 kaufen kevin, dass du dann nicht mehr die gartenhäuser der nachbarn anzündest? oder wie kann ich dir denn sonst helfen???“ AAAAAHHHH!!! schüttel… furchtbar heutzutage!!
und nein, ich bin nicht 70 oder so… 😉

    Tassilo

    Hi Izzza,
    vielen Dank für deine Urteile. Klingt so, als ob du ziemlich wütend warst, als du diese Resonanz geschrieben hast. Klingt so als ob du echt besorgt bist, wenn du dir vorstellst, dass wir eine Welt voller Kinder haben, die meinen, alles würde sich nur um sie drehen. Vielleicht hast du schon Erfahrungen mit diesen Kindern gemacht und meinst, dass sie genau so erzogen wurden, wie im Artikel beschrieben?
    Ich würde gerne verstehen, wo du gelesen hast, dass es hier um eine Duzi-duzi-Erziehung geht? Habe ich irgendwo geschrieben, dass die Bedürfnisse des Kindes wichtiger sind, als die der Eltern – falls ja – sag mir wo, ich finde die Stelle nicht!
    lg
    Tassilo

Danni

Hallo tassilo. Ein toller Artikel der im Grunde das wieder spiegelt, was wir seit nun 12 Jahren versuchen Tag täglich umzusetzen. Auch wenn ich es bei meinen 5 Kindern so umzusetzen versuche bin auch i ch nicht vor emotionalen shitstorm gefeit. Wenn ich dann mal meinen Frust bei meiner Mutter ablasse weil z.b. meine große gerade mit ihrem Egoismus tierisch auf dem Senkel geht oder weil wir mal wieder keine ruhige Nacht hatten Fa die Zwillinge beide wieder wülend bei uns lagen oder ab 4 fit waren. Genialste Antwort.
Ihr wolltet selbstbusste und selbstbestimmende Kinder.
Es ist kein einfacher Weg den ihr gewählt habt und ich soll mich freuen das sie so sind… Ja ich freu mich, doch manches mal wenn ich andere Kinder sehe wie artig und ruhig sie sind kommen schon meine Selbstzweifel ob der Weg richtig ist. Denn meine sind ständig bei mir, wollen etwas, laufen rum sind wild und ja diskutieren auch mit uns und auch anderen erwachsenen. ? auf der anderen Seite können die sehr gut ihre Gefühle darstellen. Mit 5 Jahren hat mein Sohn auch im kiga die Erzieherin zurecht gewiesen er möchte nicht angeschrien werden und sie solle mehr mit dem Herz sprechen als mit dem Kopf, dann spricht man mit liebe ❤ die Erzieherin war sehr angetan und ist super drauf eingegangen. ?

    Tassilo

    Hey Danny, vielen Dank für deine Rückmeldung – es ist immer wieder ein Genuss zu lesen, was passiert, wenn wir unsere Kinder mit dem Herzen ins Leben begleiten… nirgends steht, dass es immer leicht geht 😉
    lg
    Tassilo

Jacqueline R.

Ich finde mich da absolut wieder und merke auch oft danach, dass es nicht richtig war so zu reagieren bzw. so zu handeln. Manches Mal habe ich mich schon berichtigt und mit meinem Sohn danach ein Gespräch geführt. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, gar nicht erst mehr in diese Situation zu geraten und gleich richtig zu handeln.
Beste Grüße, Jacqueline

B.

Hallo,
ich greife mal einen Punkt, der bei uns immer wieder Thema ist auf:
„Das Kind trödelt. Es erfüllt sich damit ein Bedürfnis. Statt uns dafür zu interessieren, sind wir unter Druck. Wie möchten dem Kind eine Lektion erteilen: “Du musst lernen, wenn du trödelst, haben wir keine Zeit mehr etwas Schönes zu machen, dann trödelst du hoffentlich morgen nicht mehr!”“
Bei uns gibt es abends einen klaren Zeitpunkt wann Schluss ist. Denn die Kinder müssen morgens früh raus. Wenn ich also trotzdem vorlese – bzw in unserem Fall noch ferngesehen werden darf, dann sind die Kinder morgens nicht ausgeschlafen und in der Schule müde. Es ist Ihre Entscheidung entweder zu Trödeln oder Fernzusehen. Sind sie zu spät, bleibt der Fernseher aus. Nach Ihrer Beschreibung ist das jedoch eine Strafe. Die Kinder fühlen sich natürlich bestraft. Ich sehe hier jedoch keine Alternative. Haben Sie einen Vorschlag?
Viele Grüße
B.

    Tassilo

    Hallo B.
    ich Empfehle, die Kinder eine Erfahrung machen zu lassen. Warum nicht mal ausprobieren? Schlimmstenfalls sind die Kinder müde. Viel zu oft meinen wir, die Kinder schützen zu müssen. Eine Erfahrung ist mehr wert als Moralpredigten. Kinder lieben Selbstverantwortung und sind sehr intelligent. Je nach alter braucht es dann keine Begrenzung der Eltern sondern durch die Einsicht verzichten die Kinder von selbst auf das lange aufbleiben.
    Besprich mit deinen Kindern, wie ein begrenztes Experiment, bei dem du dich auch wohl fühlen solltest, aussehen kann. Das stärkt die Beziehung und macht Spass. lg Tassilo

Jenny

Ein so schöner Artikel und ein toller Ansatz.
Ich sehe (und kenne) leider Eltern die dem Negativbeispiel folgen und deren Ergebnis…Kinder,die sich einfach mehr Nähe und „gesehen werden“ wünschen und deshalb ständig rebellieren.
Wir versuchen es mit unserer Tochter (1,5J.) anders zu machen-drücken Sie uns die Daumen,dass es uns gelingt 🙂
LG jenny

Anika

Ehrlich gesagt jinterlässt dein Artikel Ohnmacht und Angst…denn ich ertappe mich genervt und überfordert zu sein und es macht mir Abgst dass meine eigene Unfähigkeit derart destruktiv ist. Ich bemühe mich autentisch zu sein mit meinem fast dreijährigen zu kommunizieren, seine Gefühle zu thematisieren…aber mir reißt manchmal auch der Geduldsfaden wenn Baby schreit wir stillen und der Große in der Zeit Unsinn macht…Dinge kaputt gehen weil er weiß jetzt kann Mama sie mir nicht wegnehmen oder er gefährlich rumklettert und ich frage mich kann ich als Mensch es überhaupt schaffen….

    Tassilo

    Hallo Anika,
    vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Die Qualität deiner Fragen bestimmt die Qualität deines Lebens – hat mal jemand gesagt. Auch wenn du nicht gefragt hast, möchte ich dir etwas schreiben. Die Frage lautet nicht: „Kann ich als Mensch es überhaupt schaffen…“ Sondern: „Wie kann ich das schaffen!“ Du hast keine Wahl, aber wenn du die Frage so stellst, wie du es geschrieben hast, verlierst du vermutlich Energie. Wenn du nach dem Wie fragst, findest du einen Weg, der dir Kraft gibt.
    Am wichtigsten ist es, mit deinem Kind in Verbindung zu kommen, wenn er etwas macht, was du nicht willst. Bisher scheinst du die Verbindung zu verlieren. Mache mal genau das Gegenteil.
    Statt gestresst zu sein atmest du tief durch, und redest leise und liebevoll: „Ey Schatz, komm zu mir, ich möchte kurz etwas mit dir besprechen…“ Das funktioniert nur, wenn du in Verbindung bist.
    lg
    Tassilo

Walter Tunhardt

Hallo Tassilo,
Finde den Artikel sehr gut. Gerade die Manipulation von Kindern, die ich immer wieder erlebe wenn ich Eltern mit ihren Kindern sehe, macht mich sehr traurig. Vor allem wenn die Eltern sich scheinbar nicht im Geringsten darüber im Klaren sind was sie damit anrichten. Schlimm finde ich ganz besonders wenn Kindern ihre Gefühle ausgeredet bzw. wegmanipuliert werden. Klar, ich verstehe sehr gut aus psychologischer Sicht, dass das vor allem Eltern tun die mit ihren eigenen Gefühlen (Selbstwertgefühl)große Probleme haben, und sie es nicht ertragen können ihre Kinder weinen, oder wütend zu sehen, werden sie,(die Eltern) dabei doch schließlich stets mit ihren eigenen (vermutlich in ihrer Kindheit) unterdrückten Gefühlen konfrontiert. Und das tut tatsächlich fast schon körperlich weh. Eltern müßten lernen (am besten gemeinsam mit anderen Eltern) sich diesem „Schmerz“ zu stellen. Eltern die damit so ihre Probleme haben (und wer hat diese nicht, mehr oder weniger), sollten verstehen, dass, sich ganz auf die Gefühle ihrer Kinder einzulassen und diese auch immer wieder zu bestätigen,(„ja das tut weh“, „ja das ist ärgerlich“, „ja das ist wirklich traurig“ etc.)und dabei auch körperlich bei ihnen bleiben und, so die Kinder es denn zulassen, sie in den Arm nehmen und streicheln, eine riesen Chance haben in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen zu kommen und ihr eigenes Herz von all dem Schmerz aus der eigenen Kindheit zu heilen.
liebe Grüße
Walter

    Tassilo

    Lieber Walter,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Für mich ist es auch so, dass jeder Konflikt eine Chance ist, sich zu spüren und unangenehme Gefühle zu integrieren. So lange, bis ich es geschafft habe. Jeder Konflikt ist also eine Möglichkeit für beide Parteien zu wachsen und zu reifen. Zwischen Eltern und Kindern ist der Unterschied, dass Erwachsene aus meiner Sicht 100%ige Beziehungsverantwortung haben und es vormachen müssen – woher sollten es sonst die Kinder lernen???
    lg
    Tassilo

Wolf

„Wenn wir es genau betrachten, sind wir rücksichtslos, weil uns Selbstbewusstsein fehlt.“
Und warum fehlt uns Selbstbewusstsein? Sozialpädagogen und Psychologen erklären meist die Sache aus sich selbst, statt mit ihren Ursachen. Da entstehen so schöne Zirkelschlüsse wie „Er wurde gewalttätig, weil er eine Neigung dazu hat.“ Als wäre das ein genetischer Defekt und nicht etwa eine Reaktion auf konkrete Erfahrungen, die man in einer Konkurrenzgesellschaft nun mal macht. Immer wieder hat man Angst und ist wütend. Auf den Chef, der einem unbezahlte Überstunden aufbrummt, auf die Tante vom Arbeitsamt, die einen drangsaliert oder auf den Vermieter, der die Miete erhöht. Es gilt allemal, dass der Stärkere Recht hat. Und nun soll man nach hause kommen und all diese Erfahrungen vergessen, Selbstbewusstsein entwickeln und sein Kind nicht schlagen?
„Statt uns zu wundern und unser Verhalten zu korrigieren, werden wir noch rücksichtsloser, indem wir noch härtere Konsequenzen verhängen, noch mehr Stress an den Kindern abreagieren und sie noch mehr zum Funktionieren zwingen, durch Manipulation oder Strafe.“
Manipuliert werden wir täglich, und überall lauert die Staatsgewalt und kann uns bestrafen. Daran haben wir uns gefälligst zu gewöhnen. Nicht die Verhältnisse sollen wir ändern, wir sollen selbst verhältnismäßig werden. Arbeitslose haben die Schuld bei sich selbst zu suchen, statt einem Wirtschaftssystem, das sie nur als Reservearmee braucht. Zu dieser Selbstverstümmelung taugen dann sozialpädagogische und psychologische Erklärungen.
„Der Mensch wär so gern gut und gar nicht roh. Doch die Verhältnisse, die sind nicht so.“ (Brecht)

    Tassilo

    Hey Wolf, ich weiß nicht genau worauf du mit deinem Kommentar hinaus willst… Ich glaube, dass uns Selbstbewusstsein fehlt, weil wir es nicht vorgelebt bekommen. Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Oft wird es mißverstanden als „Stark sein, zu sich stehen“ – doch es bedeutet lediglich, dass mir bewusst – statt unbewusst bin, was ich gerade tue und warum.
    lg
    Tassilo

Nicole

Hallo Tassilo,
Ich habe mit großem Interesse Deinen Artikel gelesen.
Auch ich bin der Meinung ,dass wir durch unsere Vorbildfunktion als Eltern für unsere Kinder sehr wichtig sind.
Erleichternd finde ich den Part ,wenn wir als Eltern ehrlich sein können.
Das Beispiel mit dem vorlesen Abends
nicht dem Kind die Verantwortung übergeben,weil es getrödelt hat und es zu spät geworden ist sondern zuzugeben das man müde ist und Ruhe und Erholung braucht.
Als Mütter oder Väter haben wir Bedürfnisse und wenn wir auf diese achten und in unserer „Mitte“als Eltern sind können wir auch auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingehen.
Danke

Anika

Hi Tassilo,
Bisher theoretisch alles top. Der artikel gefällt mir auch! Aber auch ich (Erzieherin ganz nebenbei) mit meinen tollen pädagogischen Ansätzen stoße tagtäglich an meine Grenzen, wenn die Bedürfnisse meiner beiden Kinder (2 1/2 Jahre und 9 Monate) und die meinen konträr aufeinanderprallen.
Ich bin absolut ratlos, wie ein Mensch allein das bewältigen soll! Das Baby schreit mir einen Tinnitus ins Ohr und Kratz mich blutig am Arm beim verzweifelten Versuch, sich an mir hoch zu ziehen, während ich auf dem Boden sitzend versuche, auf Augenhöhe mit meinem „großen“ die Wetterverhältnisse zu definieren, und warum er bitte die wärmeren, aber leider nicht grünen Schuhe abzieht (kannst du mir folgen?). Am liebsten würde ich alles hinschmeißend, den kleinen stillen, dem großen ein Puzzle oder was zum malen geben und eben nicht nach draußen gehen. Aber zum einen weiche ich dem Schuhproblem damit nur aus und zum anderen bin ich evt gezwungen raus zu gehen, weil wir bspw einen leeren Kühlschrank haben, der sich ja auch nicht von alleine füllt. Meine Reaktion ist unter anderem folgende: Baby wird ins Guttenberg gesetzt, für mehr armfreiheit (dafür schreit es aber jetzt noch lauter und verzweifelter) und der Große wird mit Brachialgewalt auf den Boden gedrückt, die Sachen, die ich für wetterentsprechend halte, angezogen, Kinder gepackt und raus! Horror! Absoluter Horror! Ist auch gänzlich gegen all meiner Überzeugungen aber wie gesagt, ich bin völlig Rat- und hilflos! Wenn ich meine Eltern bitte, mich zu unterstützen, kommen Sätze wie: ja was meinst du, wie es bei uns gelaufen ist? Da mussten wir alle durch! Oder: ja dann pack die Kinder ein und komm zu uns!
Verzweiflung, einfach nur Verzweiflung!
Ich grüße dich herzlich
Anika

    Tassilo

    Liebe Annika,
    puhhh, das hört sich nach Megastress an, wo du doch einfach nur eine fürsorgliche liebende Mama sein willst oder? Willst du eine Empfehlung?
    1. Mache auf keinen Fall was die anderen sagen.
    2. Sorge für dich: Oropax, Gehörschutz, etc. wenn dich das Schreien unter Druck setzt mache dir etwas in die Ohren.
    3. Der kleinere hat kurz Vorrang, den größeren vertröstest du liebevoll: „Ich bin gleich für dich da… ich brauche gerade deine Hilfe (Aufgabe geben)!“
    4. DURCHATMEN und den kleinen beruhigen (wenn du ruhig wirst, werden die Kinder auch ruhig)
    5. 2 Min. Zeit nehmen um mit dem größeren über die Schuhwahl zu verhandeln – auf eine Art die Lust auf Kooperation macht – d.h. am Anfang kennst du noch nicht die Lösung!!! Sonst kommt nur Forderungsenergie an. Nach dem Motto: „Keine Ahnung was bei diesem Gespräch am Ende rauskommt!“
    6. Lieber eine Lösung, bei der er auch gehört wird, als auf dein Elternrecht zu pochen!
    7. Erfolge feiern!
    Viel Spass damit.
    Im Mitgleiderbereich der Familienhelden gibt es viele Videos die dir Schritt für Schritt zeigen, wie es geht.
    Dranbleiben lohnt sich,
    lg
    Tassilo

    Angelina Bockelbrink

    Liebe Anika,
    ich kann sehr gut verstehen, wie die Kinder einen an die Grenze bringen können, vor allem, wenn man viel mit Ihnen allein ist. Ich habe drei Kinder im Alter von 2, 4 und 7.
    Was das Thema der Kleidungsauswahl anbetrifft kann ich dir vermutlich einen ganz guten Tipp geben, denn meine Jüngste ist da sehr speziell. Egal welche Kleidungsstücke ich ihr hinlege, sie sucht sich etwas anderes aus dem Schrank raus.
    In letzter Zeit will sie auch trotz Kälte keine Jacke anziehen. Ich lasse sie dann meist auf die Terrasse gehen, wo sie sich selbst einen Eindruck von der Temperatur machen kann. Wenn sie weiterhin keine Jacke möchte, versuche ich sie zu überzeugen, dass sie noch einen dicken Pulli oder eine Weste anzieht, was meistens klappt. Oft zieht sie dann sogar noch Mütze und Handschuhe an. Die Jacke nehme ich mit und sag ihr, dass sie einfach bescheid sagen soll, wenn ihr kalt wird, damit ich ihr dann die Jacke geben kann.
    Erstaunlicherweise stellt sie sehr oft nach kurzer Zeit fest, dass sie eine Jacke braucht 🙂
    Falls nicht, geht’s eben auch mal ohne Jacke oder eben mit dünnen Schuhen.

Anna

Ich finde deinen Artikel auch sehr gut geschrieben, er fasst alles ganz toll zusammen! Es ist so schwer, selbst wenn man sich schon viel mit nicht mehr erziehen/ manipulieren wollen und GFK beschäftigt hat, alte Muster endgültig abzulegen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich meine Wut einfach hinaus und meinem bald 5-jährigen entgegen schleudere wenn er mich auf die Palme bringt. das hängt ganz stark von meinem eigenen „Akkustand“ ab. Wenn ich genug Schlaf bekommen hatte in letzter Zeit gelingt es mir meist gelassen zu bleiben. Wenn ich zu wenig hatte, bin ich so leicht reizbar. Dann werde ich unfair. Plötzlich merke ich, wie ich ihn wieder mal unsanft am Arm packe obwohl ich das schon so lange nicht mehr machen wollte und auch länger nicht mehr hab. Es ist als ob ich immer wieder mal zurück falle in alte Muster obwohl ich glaubte, sie schon überwunden zu haben.
lg Anna

    Tassilo

    Hey Anna, vielen Dank für deine Offenheit… dazu zu stehen, ist mir soooooooo wichtig.
    Gerade wenn unser Kind uns so erlebt, wie du es beschreibt und wir von unserem Kind nicht mehr verlangen, als wir selbst bieten können, wird die Beziehung sehr gesund.
    Grüße von Herzen
    Tassilo

Gabriela

Hallo,
ich finde den Ansatz im Artikel gut, aber mir fehlt es an praktischen Beispielen. Was tu‘ ich ganz konkret, wenn ich zur Arbeit muss und sich mein Kind quer stellt, weil es manchmal keine Lust auf Kindergarten hat? Ich hörte schon mal so super Tipps, wie darauf eingehen und dann halt noch ein Büchlein vorlesen oder so. Aber ehrlich; ich werde in der Arbeit erwartet, muss ich meinen Job kündigen, um ständig auf mein Kind eingehen zu können? Und wird er dann jemals in einer Welt, wo man funktionieren muss, spätestens ab Schulalter, bestehen können? Ich würde ihm auch gerne vorleben, dass es wichtig ist, pünktlich zu sein, dass die Zeit von anderen Leuten und getroffene Verabredungen genauso wichtig sind, wie persönliche Befindlichkeiten. Mein Kind ist Hypersensibel/Hypersensitiv, ich versuche nach Kräften auf seine Bedürfnisse einzugehen, aber ich habe auch Bedürfnisse, manchmal habe ich das Bedürfnis nach Ruhe, ich habe das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit, usw. Ich finde es schon wichtig, dass es eben vor allem um das MITEINANDER geht, wir leben miteinander, mein Kind ist keine Sonne, um die sich alles dreht, auch wenn ihm das natürlich gefallen würde, wem nicht. Und ich wüsste nicht, was ich besseres machen könnte, als ihn zu loben, wenn er es ausgehalten hat, dass ihn ein Kind anrempelt und er in bestimmtem Ton gesagt hat, dass er das nicht mag, wenn er es mehrere Male ausgehalten hat, obwohl es für ihn außergewöhnlich schwierig ist das auszuhalten und noch vor wenigen Monaten hätte er das Kind weg gebissen oder zumindest gehaut. Und nein, körperliche Gewalt wird ihm nirgendwo vorgelebt, es sind nicht immer die Eltern schuld an jedem Aussetzer des Sprösslings. Er konnte sich bis vor kurzem nicht anders wehren und nur durch immer wieder üben, was er für nicht körperliche Alternativen hat und loben, wenn es ihm im entscheidenden Moment eingefallen ist und ja, auch schimpfen, wenn er ins alte Muster zurück gefallen ist, nur so konnten wir das gesellschaftlich akzeptable Verhalten langsam und mühsam antrainieren. Durch Gewalt, im Sinne dieses Beitrags! Was hätte ich also sonst machen sollen? Wie hätten wir das sonst „geschafft“? Ich wüsste es wirklich gerne, weil es auch in Zukunft Situationen geben wird, wo wir von unserem Kind etwas erwarten, was er nicht machen möchte oder etwas nicht macht, was er aber machen muss, weil es uns wichtig ist (evtl. mal Schulaufgaben…). LG, Gabriela

    Tassilo

    Liebe Gabriela,
    wow – bin ganz berührt von deinem Kommentar. Manchmal fällt uns nichts anders ein, als Gewalt – es ist bitter und unangenehm – doch leider funktioniert es. Ich stimme auch mit dir überein, dass wir nicht alles eins zu eins vorleben. Gerade schlagen und beißen ist eine Grenzüberschreitung von Kindern um deutlich zu machen: „Ich bin gerade überfordert und weiß nicht, wie ich besser für mich sorgen kann!“ – Ich vermute dass die allermeisten Eltern vielleicht nicht beißen oder schlagen, aber andere Grenzüberschreitungen vorleben, die ebenfalls sehr unangenehm sind – das kenne ich zumindest von mir.
    Wie geht es anders? Wenigstens in der Konfliktnachbereitung auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation darauf achten, das Kind nicht zu verurteilen oder ihm Vorwürfe zu machen, sondern wirklich verstehen wollen, was da los war. So wächst das Vertrauen: „Meine Eltern stehen zu mir!“ Anschließend kann man ganz entspannt besprechen, welche Möglichkeiten für das Kind erfolgreicher wären!
    Wir unterscheiden zwischen Lob und Wertschätzung. Lob ist meist eine Bewertung und dient dazu ein positives Verhalten zu trainieren. Wertschätzung ist ein Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen: „Ich habe gesehen, du wurdest angerempelt und hast gesagt: ‚lass mich in Ruhe!‘ – ich freue mich so, dass du sagst, was du brauchst!“ klingt anders als „Gut gemacht, weiter so!“
    Das ist ein Übungsprozess und wer wirklich lernen möchte anhand der Gewaltfreien Kommunikation Konflikte mit Leichtigkeit zu lösen, braucht 1-2 Jahre, um für den Rest seines Lebens Konflikte mit Leichtigkeit zu klären.
    lg
    Tassilo

      Gabriela

      Danke für Deine Antwort. Ok, dann habe ich „Lob“ missverstanden. Ich sagte nämlich wortwörtlich „ich weiß, dass das besonders schwierig für Dich war auszuhalten, aber Du hast toll reagiert“, das ist für mich ein Lob, eine Bestätigung, dass mein Kind das gewünschte Verhalten gezeigt hat, obwohl es eine für ihn unangenehme Situation war. Das Kind hat übrigens erst aufgehört, als seine Mutter wiederum geschimpft hat. Also auch mit Gewalt. Und ich fragt ihn, wer jetzt Schimpfe bekam und er freute sich durchaus, dass das andere Kind zurechtgewiesen wurde (das ist für ihn schimpfen, wie gesagt, er ist sehr empfindlich)Daher nochmals die Frage: Was hätte SIE denn machen sollen? Oder was soll ich machen, wenn ich JETZT gehen muss und nicht noch 15Min. diskutieren kann (zumal das bei meinem Sohn in der Praxis nicht funktioniert, wenn er nicht will, dann will er nicht).

      Und ich merke immer wieder, dass das Zusammentreffen mit Kindern besonders schwierig ist, deren Eltern sie eben so erziehen, dass alles in Ordnung ist und alles milde lächelnd abtun. Zb. ist es für mein Kind unerträglich, wenn er von jemandem dreckig gemacht wird UND wenn er von jemand Fremdem angegriffen wird. So gab es eine Situation, in der ein kleines Mädchen (ca. 2Jahre alt) auf ihn zuging mit dreckigen Händen und ihn am Bauch/an der Jacke angegriffen hatte. Er knurrte (!) und sagte „geh weg!“, also für mich eine perfekte Reaktion. Aber ihre Mutter „lass sie doch, sie will doch nur Hallo sagen“. Es ist äusserst ermüdend mit solchen Müttern dann zu diskutieren, dass mein Kind NICHT Hallo sagen möchte und er das eben NICHT aushalten muss, nur weil IHR Kind gerade das Bedürfnis nach antatschen hat. Also für mich ist noch nicht zweifelsfrei klar, dass diese Art des Umgangs mit einem Kind zu einem für alle positiven Zusammenleben führt. Ich erlebe solche Kinder oft als egozentrische Individuen, die ihrerseits genau wissen, wie sie Macht ausüben und damit eben auch Gewalt. (Natürlich nicht das kleine Kind vom Beispiel, das ist noch zu jung)

      Dazu kommt, dass ich solche Kinder auch nicht bei mir zu Hause haben möchte, weil sie kein NEIN kennen, sie kennen kein „Nein, ich möchte, dass Du am Tisch das Knäckebrot isst“, sie hören dieses nein nicht und davon kenne ich mehr als ein Kind. Und alle berufen sich auf persönliche Entscheidungsfreiheit des Kindes. Diese Auslegung finde ich persönlich ungesund. Freiheit hört für mich da auf, wo meine Freiheit die der Anderen beschneidet.

      LG,
      Gabriela

        Tassilo

        Liebe Gabriela, mit deinem letzen Satz stimme ich überein. Seinem Kind jede Freiheit zugestehen hat nichts mit Gewaltfreiheit zu tun. Gewaltfreiheit fängt da an, wo wir einen gemeinsamen Weg finden möchten, bei dem es dir UND mir gut geht. D.h. ich muss mich dafür interessieren, was der andere braucht und den anderen bitten zu hören, was ich brauche. Meist dauert das nur 20 Sekunden. Durch das Vertrauen des Kindes, dass es gehört und verstanden wird, ist es bereit zuzuhören und zu kooperieren.
        Dass sich dein Sohn freut, wenn der andere Schimpfe bekommt, ist kein gutes Zeichen für mich. Ich kann es verstehen, weil es dem Racheempuls raum gibt. „Du hast mir etwas unangenehmes getan, jetzt bekommst du Schimpfe, dann sind wir wieder auf Augenhöhe!“ – Sinnvoller für mich wäre: „Du hast mir etwas unangenehmes getan, das möchte ich ansprechen, damit gehört werden und die Sicherheit bekommen, dass es in Zukunft verändert wird!“
        Wie das genau geht kann ich hier nicht beantworten, das würde sehr sehr viel Schreibarbeit bedeuten. In der Familienhelden-Akademie zeige ich die einzelnen Schritte dazu. Alternativ kannst du auch Bücher über Gewaltfreie Kommunikation zu Kindern lesen.

        So lange du noch keinen Weg gefunden hast, wie es leicht geht, bist du noch nicht am Ziel.
        lg
        Tassilo

Alicia

Finde den Artikel auch super und versuche auch grundsätzlich seid mein Sohn da ist so zu leben/“erziehen“. Weil es bei uns als kinder eben anders war. Allerdings finde ich auch, dass man konkrete Hilfsvorschläge braucht, weil man oft nicht weiter weiß. Beispiel: war im zug in einer 9 std fahrt. Mutter mit 9 jährigen, andere mama mit kleinen baby. Baby weinte und mutter verließ den Abteil um den anderen Fahrgästen ruhe zu geben… Als baby endlich schlief kam sie zurück. Das andere kind war unglaublich laut, schrieh rum,klopfte mit Spielzeug an der Scheibe. Baby wurde unruhig.. Mutter sagt ohne übertreiben ca10 mal ganz lieb, er solle bitte aufhören weil das baby schläft usw. Kind machr weiter, lacht über die Mutter… Baby wird wach uns heult weiter….
Wie verhält man sich da als Mutter rücksichtsvoll gegwnüber den lauten kind und auch gegenüber den anderen passagieren? Ich weiß es selber leider nicht. Ich denke ich wäre irgendwann auch sauer geworden und hätte meinen sohn angemeckert / gedroht

    Tassilo

    Liebe Alicia,
    diese Frage beschäftigt fast alle Eltern. Die Antwort könnte ein ganzes Buch füllen. Es hilft extrem, wenn wir lernen gewaltfrei zu kommunizieren. Wie das genau geht zeige ich in unserer Familienhelden-Akademie http://www.familienhelden.com Dennoch möchte ich hier zwei Prinzipien offenlegen:
    1. Handlungen zählen immer stärker als Worte. Jedes Nein schwächt das vorherige nein. D.H. nach dem ersten Nein folgt eine Reaktion zum Schutz des Babys. Ich gehe hin und halte das Spielzeug fest und gebe Einfühlung. „Du würdest so gerne weiterspielen – oh ich habe eine Idee… etwas anbieten, was leise ist und dem Kind spass macht!“
    2. Vorbild sein heißt nicht schimpfen! Selbst wenn ich mein Kind nicht bändigen kann und das andere Kind ist wieder aufgewacht bringt schimpfen gar nichts mehr, außer dass es noch weniger Verständnis gibt. Es wäre also sinnvoll zu prüfen, was den kleinen daran gehindert hat, zu kooperieren. „Warst du wütend, weil ich rausgegangen bin, ohne dir bescheid zu sagen? Hattest du Angst? Das nächste mal sage ich dir wohin ich gehe und wann ich wiederkomme – ok?“ Die Kunst ist es, schnell wieder in Verbindung zu kommen, dann gibt es fast IMMER Kooperation.
    Es gibt geniale Werkzeuge dafür.
    lg
    Tassilo

Natascha

Hallo,

ich gehe den gewaltfreien Weg schon länger u bin Tag für Tag überzeugter davon. Das Witzige ist dass aber andere Eltern mein Kind dann massregeln u mit natürlichen Konsequenzen erpressen u mir unterstellen ich sei zu weich mit ihr u müsste mich immer klar durchsetzen. Wenn man versucht zu erklären dass man einen anderen Weg geht u das mein Kind mir widersprechen darf, fühlen sie sich alle angegriffen u wollen es überhaupt nicht verstehen. Das finde ich sehr schade…und dann kommt auch oft der Satz:…die im Kindergarten haben es mir so gesagt!… Seit wann soll ich vor meinem Kind wie eine Erzieherin auftreten? Ich muss doch eine Mama sein für mein Kind! Auch mein Mann (leben getrennt) hat diese Ansichten u behandelt sie so rücksichtslos u ich mach große Sorgen dass sie dadurch, trotz meiner Bemühung, ihrer eigenen Stimme nicht mehr traut…ist das möglich?
LG

    Tassilo

    Hallo Natascha,
    vielen Dank für deine Rückmeldung und deine Frage.
    Ich fände es grandios, wenn die Erzieherin so auftreten würde wie du… aber das ist wirklich ein neuer Weg, manche Kindergärten gehen ihn schon und machen sensationelle positive Erfahrungen. Deine Tochter wird sehr wohl unterscheiden können, was bei Mama läuft und was bei Papa läuft. Um so besser ist es, dass ihr getrennt seid, dann fällt ihr der Unterschied sehr viel deutlicher auf. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit für Paare, als Elternteam zusammen zu wachsen.
    Ich fände es traumhaft, wenn du nicht gegen den Vater bist (ich vermute, dass du das gut im Griff hast), sondern deine Tochter gegen seine Grenzüberschreitungen und Rücksichtslosigkeiten stärkst… ich weiß nicht wie alt sie ist, aber so wie ich dich einschätze findest du einen guten Weg. Wenn du mehr wissen möchtest, schreibe nochmal.
    lg
    Tassilo

Steffi

Hallo!
Du hast vollkommen Recht. Immer wenn ich das lese denk ich, na klar, klingt logisch, ich bin jetzt nur noch kooperativ mit meinem Sohn. Aber leider vergesse ich das ganz schnell wieder, weil ich es eben von früher so kenne und in der Schule als Lehrerin immer so anwenden muss. Da die Schüler es so von ihren Eltern kennen, funktioniert das hier nicht, sie machen zu lassen, was sie für richtig halten. Wenn ich sage, wer möchte, macht seine Hausaufgaben, dann weiß ich jetzt schon, wie viele es machen werden oder eher wie viele eben nicht. Kinder verstehen noch nicht, dass sie üben müssen, um z.B. Mathe verstehen zu können. Es fällt mir schwer, das Konzept in den Unterricht zu bekommen. Aber vorerst fange ich bei meinem Sohn an.
LG Steffi

    Tassilo

    Hi Steffi,

    ich war Schulsozialarbeiter und habe herausgefunden, wie Schüler Schritt für Schritt von der Gewaltgwohnheit weggkommen… Es geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert ca. 1 Jahr… es lohnt sich… lg
    Tassilo

Iris

Klasse geschrieben. Entschuldigen und richtigstellen kann ich mitlerweile, aber gar nicht erst in Wut oder in eskalierende Situationen mit meinem 6 Jährigen kommen, das möchte ich.
Und das heißt an meinem Selbstwert arbeiten.
Trotzdem bin ich durch deinen Text nicht beruhigt, aber ich fühle mich mehr verstanden.

Danke

Meike

Ob man mit Rosenbergs Definition von „Gewalt“ übereinstimmt oder nicht, ist die eine Sache (meine Meinung entspricht ziemlich seiner Auffassung in der Hinsicht)…dass das was du beschreibst, „funktioniert“, kann allerdings kaum jemand anzweifeln. Ich freue mich sehr zu lesen, dass immer mehr Menschen diesbezüglich aufwachen, bzw schon lange aufgewacht sind und es mit anderen teilen mögen. Für eine friedvolle Welt ohne Gewalt und dessen Auswüchse, die uns die Nachrichten jeden Tag präsentieren.

jasmin

Superartikel!
Ich weiß auch um meine Gewalttätigkeit.
Es gibt zwar keine Strafen und Belohnungen, aber wenn mir plötzlich etwas zuviel wird, kann meine Reaktion heftig sein und dann gebe ich meiner Tochter gerne die Schuld. Sobald ich jedoch ihre Reaktion wahrnehme und mich beruhige, Entschuldige ich mich bei ihr auf sehr ähnliche Weise wie in den Artikel vorgeschlagen. Dafür ist sie sehr dankbar und entschuldigt sich auch bei mir, wenn sie merkt, dass sie mich etwas mit etwss verletzt hat. Und das obwohl ich das nicht von ihr verlange.

    Tassilo

    Hey Jasmin,
    das freut mich zu lesen… und es zeigt – das funktioniert im echten Leben.
    vielen Dank für deine Resonanz,
    lg
    Tassilo

Christina

Hallo Tassilo!
obwohl der Text sehr verständlich geschrieben ist bin ich immer noch ratlos wie ich in einer konkreten Situation richtigerweise reagieren soll. leider klaffen Theorie und Praxis immer wieder sehr stark auseinander, vor allem in Stresssituationen. (Beispiel: Sohn, 11Jahre, spielt am liebsten stundenlang mit seinem Handy. wenn ich ihn erinnere, dass er sich lange genug damit beschäftigt hat, sagt er ja und macht weiter. das selbe wenn ich ihn freundlich bitte sich eine andere Beschäftigung zu suchen. wenn ich dann ungehalten werde wird er pampig und macht trotzdem noch weiter und wenn ich dann richtig grantig bin und mit Konsequenzen drohe mault er, gibt das Handy dann aber weg. dass man stundenlang Handy/ Computer… spielt lebt ihm aber keiner vor, das macht in unserer Familie nur er)
lg Christina

    Tassilo

    Liebe Christine,
    vielen Dank für dein Kommentar. Stundenlang mit seinem Handy zu spielen ohne aufhören zu können, zeigt das Suchtpotenzial dieses Mediums. Jetzt ist die Frage, wie ihr mit Sucht in der Familie umgeht? Offen ansprechend, oder eher verschweigend? Z.B. Umgang mit Süßigkeiten, Fernsehen, etc. Es bringt nichts auf den Süchtigen wütend zu sein, außer dass es die Beziehung verschlechtert. Es wäre sinnvoll sich mit Handysucht zu beschäftigen und wie man damit sinnvoll umgeht, so dass es dir auch Spass macht. Ich werde dieses Thema in einem späteren Artikel aufgreifen, weil es fast ALLEN ELTERN so wie dir geht.
    So lange du noch keine Weg gefunden hast der leicht geht, bist du noch nicht am Ziel… demnächst mehr dazu.
    lg
    Tassilo

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