Warum alle Eltern gewalttätig sind und versuchen, es zu vertuschen!

Was ist eigentlich Gewalt? Ist Gewalt immer schlecht? Darf ich als Vater oder Mutter manchmal gewalttätig sein oder nicht? Was mache ich mit meinem schlechten Gewissen, wenn ich gewalttätig war?

Ach ja - darf ich mein Kind manipulieren, nach dem Motto: “Wenn du den Abwasch machst, darfst du was Süßes haben!”? Oder darf ich mein Kind bestrafen: “Wenn du den Abwasch nicht machst, darfst du heute nicht Fernsehen!”?

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Gewalt ist mehr, als wir denken

Als Sozialpädagoge dachte ich 2009, dass ich ein wunderbarer Pädagoge sei, liebevoll, großherzig, respektvoll, lustig, verständnisvoll, freundlich, etc. Ich war ein Gegner von Gewalt und dachte tatsächlich, dass ich gewaltfrei mit Kindern und Jugendlichen umgehen würde.

Dann las ich die Gewalt-Definition des Psychologen Dr. M.B. Rosenberg. Er schreibt zu der Frage: Was verstehen wir unter Gewalt: “Jeder Versuch, andere Menschen (auf der Basis meiner Bewertungen) zu bestrafen, und jeder Versuch, meine Bedürfnisse zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer.”

Ziel dieses Artikels:

Ich weiß nicht, wie es dir geht, wenn du diese Gewaltdefinition liest. Ich war damals geschockt. Denn ich war tatsächlich liebevoll, großherzig und wertschätzend, so lange alle machten, was ich wollte. Wenn das nicht der Fall war, konnte ich ganz anders. Ich wurde laut, habe den Kindern mit Konsequenzen gedroht, wenn sie ihre Aufgaben nicht erledigten, geschimpft und Regelverstöße geahndet.

Es gehört nicht zum Selbstbild von Eltern und Pädagogen, sich hinzustellen und zu sagen: Ja, ich verhalte mich oft rücksichtslos und im Sinne von Dr. Rosenberg gewalttätig.

Viel lieber bagatellisieren wir unsere Handlungen, rechtfertigen sie und sagen, das Kind hätte sich ja nicht so destruktiv verhalten müssen, oder wir hätten überreagiert, weil wir zu müde waren, oder wir finden sonst eine Erklärung, die unser Verhalten rechtfertigt um auf keinen Fall verantwortlich zu sein.

Dabei ist Gewalt weder gut noch schlecht. Wie ein Messer nur ein Messer ist: Man kann damit eine Tomate scheiden oder jemanden verletzen.

So können wir Gewalt zum Schutz einsetzen, wenn ein Kind z. B. über die Straße läuft, oder als Strafe, wenn ein Kind nicht unseren Vorstellungen entspricht.

Schützende Gewalt dient dem Leben und soll unterstützend sein. Strafe hingegen soll dafür sorgen, dass ein Verhalten nicht mehr auftritt oder ein anderes, erwünschtes Verhalten häufiger passiert. Es soll dem/der Bestraften Schmerz zufügen, damit er/sie etwas daraus lernt. Strafe verhindert meist Verständnis und echte Einsicht. Vielfache Studien haben belegt, dass Bestrafung lange nicht so viel bringt, wie wir uns erhoffen. (Die Rückfallquote von Jugendstraftätern liegt bei 78%. Quelle: Die Welt).

Warum wenden wir Gewalt an?

Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Unbewusste Rücksichtslosigkeit: Das Kind gehorcht nicht, wir schreien es an: “DU GEHST SOFORT IN DEIN ZIMMER!” Das machen wir nicht bewusst oder wohl überlegt, sondern impulsiv unüberlegt weil wir unreife Eltern oder Bezugspersonen hatten, die uns dieses Reiz-Reaktionsmuster vorgelebt haben. Unbewusste Reaktionsmuster sind sehr viel schwerer zu verändern als berechnete Handlungen, jedoch ist es möglich - und es lohnt sich!
  2. Bewusste Rücksichtslosigkeit:
    - Wir glauben, dass unsere Kinder durch unsere gut gemeinte, strafende Konsequenzen Orientierung bekommen, damit sie respektvolle, verantwortungsvolle und pflichtbewusste Menschen werden.
    - Wir glauben, dass unsere Kinder rücksichtslose, weltfremde, selbstsüchtige und faule Kreaturen werden, wenn wir sie nicht spüren lassen, was sie falsch gemacht haben.
    - Wir haben Angst, dass wir die Kontrolle über unsere Kinder verlieren und versuchen sie mit Lob und Strafe (Konsequenz) auf den richtigen Weg zu führen. Das macht uns meist keinen Spaß und ist leider ab und zu erfolgreich, da sich manche Kinder dem starken Druck beugen. Jedoch nicht aus Liebe, sondern aus Angst oder mangels Alternativen.

Wenn wir es genau betrachten, sind wir rücksichtslos, weil uns Selbstbewusstsein fehlt.

Wenn ich als Vater oder Mutter alles vorleben würde, was ich mir von meinem Kind wünsche, bräuchte ich keine Regeln, keine Konsequenzen und keine Strafen. Da wir uns unseren Kindern gegenüber oft rücksichtslos verhalten und somit dieses gewalttätige Verhalten vorleben, machen es uns unsere Kinder nach.

Statt uns zu wundern und unser Verhalten zu korrigieren, werden wir noch rücksichtsloser, indem wir noch härtere Konsequenzen verhängen, noch mehr Stress an den Kindern abreagieren und sie noch mehr zum Funktionieren zwingen - durch Manipulation oder Strafe.

Wenn ich mir bewusst bin, dass mein Kind meist ein Spiegel meines Verhaltens ist, hinterfrage ich mich, sobald mein Kind nicht das tut, was ich möchte: “Hat das Verhalten meines Kindes etwas mit mir zu tun? Bin ich zu fordernd, zu einschränkend mit ihm umgegangen? Habe ich zu wenig zugehört, mich zu wenig für mein Kind und seine Anliegen interessiert? Habe ich mein Kind übergangen, wo es mich gebraucht hätte? Habe ich mein Kind überfordert, ihm zu viel Verantwortung übergeben?

Wenn ich auch nur einen leisen Verdacht habe, dass ich das Verhalten meines Kindes durch mein eigenes Vorbild in irgendeiner Weise vorgelebt habe, schimpfe ich nicht, sondern sage eher mit einem Schmunzeln: “Du bist genauso bockig wie ich!” - insgeheim nehme ich mir vor, das zu ändern und meinem Sohn ein sinnvolleres Vorbild zu sein.

Wie wirkt Gewalt?

Wenn wir mit unseren Kindern rücksichtslos umgehen, sinkt die Zuneigung in dem Moment massiv! Gewalt wirkt distanzierend. Hilflosigkeit, Wut und Rache sorgen für Eskalation, also dem Gegenteil von dem, was wir uns wünschen.

Das Fatale an dem rücksichtslosen Verhalten von uns Eltern ist die Realitätsverfremdung.

Wir tun so, als ob es keine Alternative zu unserem Gewaltverhalten gäbe: “Du bist zu klein, um selbst zu entscheiden!” oder “Weil du geschrien hast gehen wir jetzt nach Hause!” oder “Du hast getrödelt, jetzt ist es zu spät zum Vorlesen!”

Wir tun so, als ob das Kind einen Fehler gemacht hat und nutzen das als Rechtfertigung dafür, uns rücksichtslos zu verhalten!

Die Realität ist:

Das Kind ist nicht zu klein, um selbst zu entscheiden, sondern ich bin als Vater zu ungeduldig oder nicht fähig, meinem Kind zuzuhören und seine Wünsche mit meinen Wünschen zu verschmelzen.

Wir gehen nicht nach Hause, weil das Kind geschrien hat, sondern weil ich hilflos bin und nicht weiß, wie ich von meinem Kind gehört werden kann, auf eine Art, die ihm Lust auf Kooperation macht.

Es ist nicht zu spät zum Vorlesen, weil das Kind getrödelt hat, sondern ich bin einfach müde und geschafft und brauche Ruhe.

Wie wirkt die Realitätsverfremdung?

Das Kind trödelt. Es erfüllt sich damit ein Bedürfnis. Statt uns dafür zu interessieren, sind wir unter Druck. Wie möchten dem Kind eine Lektion erteilen: “Du musst lernen, wenn du trödelst, haben wir keine Zeit mehr etwas Schönes zu machen, dann trödelst du hoffentlich morgen nicht mehr!”

Durch unsere kausale Schlussfolgerung: “Du hast getrödelt, also habe ich keine Zeit mehr, dir vorzulesen! (Selber schuld - hättest du dich beeilt, könnte ich jetzt noch etwas vorlesen)” - manipulieren wir die Wahrnehmung des Kindes. Das Kind glaubt tatsächlich, dass es selbst Schuld an der negativen Konsequenz ist. Vielleicht weint es, ist traurig, oder wütend - und auch hilflos, wie es mit diesem Schmerz nun umgehen soll. Auch hier verraten wir unsere Kinder oft, indem wir sie mit diesem Gefühlschaos, das wir ausgelöst haben, allein lassen.

Die Wahrheit ist: Es gibt IMMER eine Alternative und wenn wir so tun, als ob es keine gäbe, sind wir eindeutig auf dem Holzweg.

Wenn wir dem Kind häufig die Verantwortung für unsere eigene Unfähigkeit übergeben, so glaubt es tatsächlich, dass wir recht haben, und es fängt an, seiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen und anderen mehr zu glauben als der eigenen inneren Stimme.

Wenn wir keine Verantwortung für unser rücksichtsloses Verhalten übernehmen und unseren Kindern suggerieren, dass sie selbst schuld sind, wenn wir sie rücksichtslos behandeln, kann es dazu führen, dass wir Kinder ins Leben begleiten, die ihr Wohlbefinden von den Meinungen anderer abhängig machen und nicht mehr auf ihre innere, gesunde Stimme hören, weil wir sie in hartnäckiger Kleinarbeit zum Schweigen gebracht haben.

Das führt in Zukunft zu einem Verhalten, wovor wir Eltern zurecht Angst haben sollten! Wenn später in der Pubertät der Cliquenleader sagt: “Rauchen ist cool!” Dann ist es eben so, auch wenn die eigene Wahrnehmung sagt: “Es schmeckt widerlich!”

Doch das muss nicht so bleiben!

Was wir sofort tun können, um das zu ändern!

Meistens merken wir erst nach einer Eskalation, dass wir unserem Kind wieder die Verantwortung zugeschustert haben. Es ist nie zu spät, die Wahrnehmung des Kindes “zu reparieren”, indem wir sagen: “Ich möchte mich korrigieren: Wir sind nicht nach Hause gegangen, weil du dich daneben benommen hast, sondern weil ich mir keine Zeit genommen habe, wirklich zu verstehen, was dich beschäftigt - das bedaure ich! Bist du bereit mir jetzt zu sagen, was dich vorhin gestört hat?”

Eltern haben an vielen Tagen 20 - 25 Mal Gelegenheit, Verantwortung für ihr Scheitern zu übernehmen, indem sie etwas sagen wie: “Ich habe vorhin geschrien, das war nicht okay von mir - ich war so hilflos und wusste nicht, wie ich gehört werden kann!”

Wir haben nun die Möglichkeit, so weiter zu machen wie bisher, oder Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen und zu lernen, mit uns, unseren Kindern und unserem Partner/unserer Partnerin rücksichtsvoll und gewaltfrei umzugehen.

Fazit:

Wir Eltern können unser rücksichtsloses Verhalten als Gewalt verstehen, die es nicht zu rechtfertigen gilt, sondern zu verwandeln. Lasst uns Wege finden, der Wahrnehmung unseres Kindes zu vertrauen und Raum zu geben, gerade dann, wenn es sich nicht so verhält, wie wir es gerne hätten - vielleicht ist es nur ein Spiegel unserer eigenen Rücksichtslosigkeit.

Bedenke: Es ist für manche Eltern schwer, die eigene Fehlbarkeit zu zeigen - doch es lohnt sich.

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Tassilo
 

  • Miri sagt:

    Hallo, Tassilo,
    jedes Kind ist anders. Ich beispielsweise, habe nur ganz selten etwas imitiert, was Erwachsene gemacht haben, weil es in meinem Kopf eine strikte Trennung von Erwachsenen und Kindern gab…. Kinder müssen Konsequenzen lernen, da wir einer Gesellschaft leben, die nur unter der Anwendung bestimmter Regeln funktioniert. Wenn das Kind später arbeiten geht, unter einem ganz normalen Chef, sollte es das Schema: Aktion, Reaktion, Konsequenz, kennen. Andernfalls wird es sehr schnell ohne Job dastehen, denn ein Durchschnittschef wird sich nicht die Mühe machen, und jedem seiner Angestellten seine Entscheidungen substantiiert auseinanderzusetzen…..

    Bei dem Beispiel mit dem schreienden Kind auf der Party, natürlich fragt man das Kind, was los ist, wer macht das nicht, aber manchmal is es einfach nur brassig…. nicht mehr nicht weniger….

    Ein Kind sollte sich auf die Stärke und Integrität seiner Eltern verlassen können. Ein ständiges (unangebrachtes) Schuldeingeständnis der Eltern hilft dem Kind nicht und stärkt ihm nicht den Rücken!

  • Anne sagt:

    Hallo,
    ich stimme hier in diesem Artikel so einigen der aufgewiesenen Informationen zu. Unser menschliches Gehirn ist in der Lage Aggressive Verstimmungen wahrzunehmen und dies initiiert ziemlich sofort eine Fight- & Flight response, die dann durch die Signalumleitung und Signalhemmung der Amygdala dazu führt dass das Sprachzentrum nicht mehr genügend angesteuert wird. Eine gewaltfreie Kommunikation ist also nachweislich sehr unterstützend für die Entwicklung des kindlichen und noch reifenden Gehirns. Ich finde es persönlich sehr wichtig meine Kinder dazu zu befähigen zu lernen sich auszudrücken und zu ihrer Wahrnehmung stehen zu können. Wenn es mal etwas stressiger her geht versuche ich trotzdem von einer festen Basis des Wohlwollens meinen Kindern gegenüber zu agieren, und weiterhin zu signalisieren, dass auch wenn mal etwas nicht so klappt wie man sich das erhofft, mein Bezug zu ihnen und ihrem Bedürfnis nach Verbundenheit mit mir weiterhin bestehen bleibt. Komme was da wolle!
    Normalerweise teile ich meine Werte und wichtige Dinge des Lebens mit ihnen wenn wir enspannt sind und nicht wenn gerade der größte Trubel abgeht. Sie verstehen es einfach besser weil vorher schon eine Verständnisbasis dafür geprägt wurde. Es ist auch vollkommen in Ordnung einen verständlichen Kontext noch im Nachhinein herzustellen, wenn sich eine Situation wieder beruhigt hat. Wenn es Optionen gibt um wieder Struktur in eine Sache zu bringen, wird dies offen dargelegt. Optionen die dazu beitragen eine Situation etwas „besser“ zu gestalten werden ebenfalls angesprochen. Meine Kinder sind nun mittlerweile 17, 10 und 7 und alle in der Lage ihre Meinung und Bedürfnisse offen mitzuteilen. Sie können argumentieren und ihre Ansichten und Wahrnehmungen mitteilen. Sie wissen einfach aus eigener Erfahrung das sie sich Gehör verschaffen können und das man rücksichtsvoll mit ihnen verfährt. Und das sind alles Dinge die sie ebenfalls einfach tun, denn sie können die Meinungen und Bedürfnisse anderer genauso gelten lassen, ohne sich dabei einen Zacken aus der Krone zu brechen.
    Ich habe einfach Vertrauen in meine Kinder und weiß dass sie jeden Tag eine Menge lernen über das tägliche Miteinander.
    Das war übrigens nicht immer so und eigentlich habe ich es meinem 17jährigen zu verdanken dass wir da überhaupt hinkommen konnten. Mein Sohn hat mir meine eigenen Begrenzungen in meiner Kommunikation und meine limitierten Überzeugungen erst bewusst machen können. Seither habe ich mich immer sehr für Themen der Erziehung und Kommunikation interessiert. Es gibt so wahnsinnig gute Erziehungsansätze und Bücher über Kommunikation, die einem auch aufzeigen was da gleichzeitig im Gehirn abgeht. Es lohnt sich einfach seine Zeit darin zu inverstieren damit Familie sein auch stark machen kann.
    Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich hoffe einfach dass alles was wir unseren Kindern an gesundem Selbstwert und Selbstbewusstsein mitgeben zu können, ihnen dazu verhilft stark und frohen Mutes durchs Leben zu gehen. Ich möchte ihnen einfach dabei helfen ein sinnvolles Leben leben zu können.
    Vielen Dank lieber Tassilo für deinen Artikel.

  • Sol sagt:

    Zuerst fande ich auch, das klingt danach, den Kindern alles durchgehen zu lassen. Aber deine Erläuterung hier zeigt es eigentlich so, wie ich es selbst auch mache und bei meinem Sohn damit auch großen Erfolg habe. Ich gehe auf Augenhöhe und erkläre ihm, wie die Situation ist; ich frage ihn, warum er dieses oder jenes machen möchte und erkläre ihm, warum das im Moment vlt nicht geht und bin ehrlich dabei zu ihm und zu mir. Ich schaffe das nicht immer, aber ich versuche in den meisten Momenten mich selbst vorher zu reflektieren und mich zu fragen: warum will ich denn gerade eigentlich nicht, dass er das tut?
    Und ganz oft kommt dabei herum: ist es wirklich so schlimm, wenn er noch 10 Minuten länger den Käfer beobachtet? Wenn er mit Sandalen in die Pfütze hüpft? Dann plane ich am nächsten Tag mehr Zeit ein und nehme Wechselsachen mit – kein Grund für Geschrei, Strafen und Gezerre. Ich finde, oft sind die Krisen und Probleme von Eltern gemacht.
    Aber auf der anderen Seite steht die Gesellschaft, bestimmte Erwartungen usw. und da seinen eigenen Weg zu gehen, erfordert viel Selbstbewusstsein. Zum Beispiel muss mein Kind niemanden die Hand geben, wenn er das nicht möchte. Es ist sein Körper und er entscheidet das – ICH möchte, ehrlich gesagt, auch nicht jeden anfassen. Aber es wird erwartet und so beugt man sich manchmal dem Druck, nötigt das Kind zu etwas, was man aber selbst gar nicht möchte.
    Dass es reicht, Vorbild zu sein, kann ich nicht ganz bestätigen. Denn oft können die Eltern das Beste geben, wenn es andere wieder vermasseln. Wie oft stehe ich an der Ampel, erkläre meinem Kind, dass er bei rot warten müsse usw. – zack, läuft einer neben ihm über die rote Ampel. Zu Hause werden wir weder laut, noch gibt es physische Gewalt – in der Kita unter den Kids aber schon. Er schaut sich das ab und bringt dieses Verhalten mit nach Hause – und nun? Das ist schwierig, denn irgendwann reichen Mama und Papa nicht mehr und die Kids finden andere vermeintliche Vorbilder.
    Ich denke, Konsequenzen sind sinnvoll, wenn sie etwas mit der Situation zu tun haben. Ich kann meinem Kind noch so lange und anschaulich erklären, dass er Zähne putzen muss, damit diese gesund bleiben – aber wenn ihm nicht sofort die Zähne rausfallen, dann wird er das nicht verstehen, weil er nicht langfristig Gefahren oder Dergleichen einschätzen kann. Konsequenz ist: putzt du keine Zähne, gibt es keine Süßigkeiten mehr. Keine Jacke im Winter anziehen wollen? Dann gehts halt nicht raus.
    Ein gesunder Mittelweg ist wichtig und Ehrlichkeit zum Kind und zu sich selbst.
    Eigentlich bleibt nur eins zu sagen: chillt mal alle 😀

  • mia sagt:

    ich glaube Sie haben keine Kinder. Kinder brauchen klare Grenzen und auch Konsequenzen. Ihre Beispiel: Kind trödelt, ich nehme mir trotzdem Zeit und, es nimmt seinen Lauf. Das Kind trödelt immer mehr, täglich und länger. Ich stelle mir Ihre Theorie als Alleinerziehender mit weiteren Kindern sehr schwierig vor.

  • Karin sagt:

    Sehr spannender Artikel. Ich bin Mama von einem 8jährigen Buben und denke mir immer wieder, dass die üblichen Erziehungsmethoden übergriffig und respektlos sind. In unsicheren Momenten hilft es mir, mir klar zu machen, wie ich in der gleichen Situation mit einem Erwachsenen umgehen würde … meistens vertändnisvoller 🙁

  • Alexia sagt:

    Interessanter Ansatz. Aber es bleiben einige Zweifel:
    * Ist es denn erwiesen, dass ein Kind selbst lernt, Rücksicht auf andere zu nehmen, wenn jeder seiner Wünsche, jeder seiner Impulse keinen Widerstand erfährt?
    * Was würden Sie tun, wenn ihr Goldstück im Sandkasten einem anderen Kind mit der Schaufel auf den Kopf haut? Oder wenn es im Supermarkt lauter Süßigkeiten in den Einkaufswagen legt? Oder wenn es einfach zur Mama rennt und nochmal fragt, nachdem Sie etwas untersagt haben?
    * Wie trainieren Sie einem Kind dessen Gewaltausübung jeglicher Art auf Sie ab? Also wie bringen Sie ihm bei, dass es für Sie schlecht ist, wenn getrödelt wird? Oder wenn es Abends nicht schlafen gehen will?
    * Haben Sie schon einmal mit Eltern gesprochen, die ihre Kinder alles durchgehen lassen? Also Eltern, die von ihrem inzwischen 10jährigen Nachwuchs täglich bis 23 Uhr wachgehalten werden, weil sie deren Spieltrieb so „pädagogisch wertvoll“ finden?

    • Tassilo sagt:

      Hallo Alexia,
      ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie deine Fragen mit dem Artikel in Zusammenhang stehen? Es ist weder eine Empfehlung von mir, Kinder machen zu lassen was sie wollen, noch ihm jeden Wunsch zu erfüllen.
      Ich kenne keine Eltern die ihren Kindern alles durchgehen lassen, deshalb habe ich nicht mit ihnen gesprochen. Ich finde es weder empfehlenswert noch sinnvoll.
      Es ist vor allem sinnvoll sein Kind zu verstehen und Wertschätzung für dessen Bedürfnisse zu haben. Anschließend sind die Kinder dann offen dafür zuzuhören und können die Gefühle und Bedürfnisse der Eltern an sich ranlassen, wenn sie in einer Art ausgesprochen werden die angenehm ist. Anschließend sind die Kinder dann bereit sich auf Bedürfnisbefridigungsstrategien einzulassen, die für beide ok sind. lg Tassilo

      • Alexia sagt:

        Hallo Tassilo,
        die Fragen haben insofern einiges mit dem Artikel zu tun, als dieser suggeriert, dass Erziehung ohne negative Reaktionen oder logische Folgen funktioniert. Selbst Trödeln sollte dem Text zufolge nicht zu einem Zuspätkommen und entsprechend zu verlorener Zeit für Schönes führen. Genau das tut es aber – für alle Beteiligten.
        Oder, um beim Beispiel zu bleiben: „Es ist nicht zu spät zum Vorlesen, weil das Kind getrödelt hat, sondern ich bin einfach müde und geschafft und brauche Ruhe.“
        Ne. Habe ich erlebt. Dieses Argument setzt vorraus, dass das Kind Verständnis für Mamas Müdigkeit hat und deren Ruhebedürfnis respektiert. Aber Kinder die nach diesem Muster aufgezogen werden, werden dann so lange herumdiskutieren, bis Mama doch vorliest, um doch noch irgendwann Ruhe zu bekommen.

        Ich will auch nicht sagen, dass Respekt gegenüber den Bedürfnissen des Kindes gar nichts bringt. Und eine Unterstützung seiner Emotionen und Interessen ist auch sicherlich wertvoll. Aber irgendwo hat alles Grenzen. Irgendwann muss ein simples Nein einfach Nein heißen, ohne dass daraus eine lange Diskussion mit Erklärungen folgt. Irgendwann muss ich mir auch ein Schlafbedürfnis erfüllen dürfen ohne dass es gleich als Gewalt bezeichnet wird, weil dabei das Bespaßungsbedürfnis des Kindes zu kurz kommt.

        Aber, wie gesagt, das sind meine Erfahrungen aus Beobachtungen. Wenn Ihre Erfahrungen anders aussehen, freut mich das für Sie. Aber sie lassen sich keinesfalls verallgemeinern.

  • Helga sagt:

    Ich danke dir, dass du mal einen Scheinwerfer auf den „Umgang“ von uns Eltern/oder Päadgog*nnen mit den Kindern richtest. Mir hilft in brenzligen Situationen die Vorstellung der Gleichwürdigkeit meines Kindes und mir, d.h. unsere unterschiedlichen Wünsche haben den gleichen Stellenwert, und dann muss ich das eben klären. Das geht erstaunlich gut, wenn ich ehrlich bleibe. Nicht nur, weil dann mein Wunsch (zB. bitte an der Hand über die Straße gehen und nicht wild in den Verkehr springen) authentisch rüberkommt und nicht als Befehl/Druck/Gewalt erscheint, sondern auch, weil ich beim ehrlich bleiben auch merke, dass ich diesen Wunsch nur habe, weil ich keinen Nerv habe, mit dem Kind zu spielen (dann hätte es Spaß und Bewegung und käme gar nicht auf die Idee, in den Verkehr zu springen). Und dann kann ich selber die Verantwortung übernehmen, anstatt sie dem Kind aufzudrücken (weil du dich nicht so verhältst, wie ich will, muss ich Arme dich anschreien).
    Eine andere Eselsbrücke kann sein, niemanden, weder das Kind noch den Partner*n, anders zu behandeln als einen respektierten Chef*n oder Kolleg*n. Spätestens beim lauten Herumbrüllen merkt man dann selbst, welche Grenze man gerade überschreitet – und das nur tut, weil man dem Kind keine gleiche Würde und nicht das gleiche Recht auf Respekt zugesteht.
    Was mir am meisten Ideen, Hilfestellung und Unterstützung bei der Entwicklung einer gleichwürdigen Haltung zu meinen Kindern und allen Menschen gegeben hat:
    Jesper Juul (das kompetente Kind, die kompetente Familie)
    die „Klöters-Briefe“
    Dr. Carlos Gonzales „Mein Kind will nicht essen“
    und nicht zuletzt die Gewaltfreie Kommunikation von Dr. M.B. Rosenberg.

  • Julia sagt:

    Lieber Tassilo,
    dein Artikel hat mir wirklich gut gefallen. Seit meiner Mutterschaft habe ich mich mit mehreren Erziehungskonzepten auseinandergesetzt und ich bin ebenfalls zu der Überzeugung gelangt, dass es meiner Tochter gut tut, gesehen und anerkannt und wertgeschätzt zu werden (auch wenn das im ersten Moment nicht immer ersichtlich ist). Schön fand ich auch „catch them by being good“, wobei es darum geht zu bemerken, wenn Kinder das tun, was man von ihnen will. Das ändert eine ganze Menge im Kopf, denn meine Tochter (und ich denke jedes andere Kind auch) ist überproportional öfter „gehorsam“ als „ungehorsam“.
    Dennoch ist es so, dass ich an einigen Stellen überreagiere, sie überfordere. Wenn ich laut bin, dann entschuldige ich mich und erkläre es ihr. Anfangs hatte ich ein schlechtes Gewissen, mittlerweile ist es so, dass ich mir meine Schwächen im Sinne der gewaltfreien Kommunikation mit mir selber ebenfalls zugestehe. Das führt dann wieder dazu, dass ich weniger laut bin, weil der Stresspegel nicht so hoch ist.
    Dazu kommt noch, dass die Kinder nicht nur die Eltern spiegeln, sondern auch die anderen Gruppen, in denen sie sich bewegen. So bin ich mit meiner Tochter von Anfang an alleine, das Konzept von „Ungerechtigkeit“ hat sie also nicht von mir. Manchmal sind es also auch andere Einflüsse, die zu „unerwünschten“ Verhaltensweisen führen und es ist Eltern nicht immer möglich, daran mit dem eigenen Verhalten etwas zu ändern. Zweifelsohne sollte der Umgang damit dennoch wertschätzend und verständnisvoll sein.
    Ich denke, dass es viel mit dem Menschenbild zu tun hat, ob man für ein derartiges Konzept offen ist. Ich bin davon überzeugt, dass Kinder Teil der Familie, Teil der Gesellschaft sein wollen, dass es ihnen wichtig ist, ihren Beitrag zu leisten. Auf dieser Grundlage ist es einfacher, einen wohlwollenden Blick zu erhalten, als wenn man davon ausgeht, dass das Kind rein egozentrisch nur auf seinen Vorteil bedacht ist.
    Ich danke dir für deine Worte und bin davon überzeugt, dass es eine bessere Welt wäre, wenn alle Kinder so erzogen werden würden. Aber wir sind eben auch von unserer Erziehung geprägt und ich denke, dass es absolut menschlich und normal ist, dass diese unseren Erziehungsstil prägt. Vielleicht ist Nachsicht mit allen Beteiligten der Schlüssel, dann kann man auch offener für neue Versuche und Konzepte sein.
    Liebe Grüße
    Julia

    • Tassilo sagt:

      Liebe Julia, vielen Dank für Deine Resonanz… damit kann ich mich gut verbinden… yours Tassilo

  • Nicole sagt:

    Lieber Tassilo,

    genau das was du schreibst, erlebe ich gerade. Unsere Tochter hat sich immer an Deals (so nennen wir das) gehalten. Doch mein Mann und ich fühlen uns in letzter Zeit oft gestresst (Hausbau, Arbeit). Deshalb sind wir oft ungeduldigt, gereizt und werden laut. Und unsere Tochter? Sie reagiert mit Widerspruch, Bockigkeit und Geschrei. Verständlich. Leider steigt dann unserer Stresspegel wieder und wir werden wieder laut. Ich habe mich schon bei meiner Tochter entschuldigt, weil es mir das Herz zerbrach als sie sagte: „Mami, du bist immer böse mit mir.“ Ich habe ihr sie in den Arm genommen und gesagt, dass ich nicht böse mit ihr bin und wenn ich laut werde, dass das falsch ist und dass sie nicht Schuld ist sondern dass ich gerade sehr erschöpft und gestresst bin. Trotzdem würde ich gerne lernen, meinen Stress hinter mir zu lassen, wenn ich mit meiner kleinen Maus zusammen bin. Denn sie reagiert mittlerweile auch mit aggressiven Verhalten (verbal aber nicht physisch). Hast du Tipps?

    Liebe Grüße

    Nicole

    • Tassilo sagt:

      Liebe Nicole,
      natürlich gibt es eine ganze Menge an Strategien, um hier liebevoller zu handeln. Ich halte mehr davon die Grundhaltung zu verändern und Prinzipien zu leben, die ein wertschätzendes miteinander ermöglichen. Dafür ist die Gewaltfreie Kommunikation das Beste, was ich kennengelernt habe.
      Wenn Du möchtest, sieh dir das kostenlose Onlinetraining von mir an. Dort erfährst Du einiges mehr. Es lohnt sich dran zu bleiben.
      Herzliche grüße Tassilo

  • Daisy sagt:

    Schwachsinn. Einfach Schwachsinn. Wenn meine Kinder schreien dann weiß ich meist sehr gut warum sie schreien und gebe ihnen auch zu verstehen ich kann verstehen dass du das möchtest – aber es geht jetzt nicht. ein Beispiel: Stehe im Supermarkt und Kind will Schokolade. Die 3. an diesem Tag. Da kann ich dem Kind noch so viel in Ruhe erklären dass es ungesund ist, das man mit süßem nicht übertreiben darf, dass ich nicht genug Geld dabei habe oder was auch immer – die meisten Kinder, grade kleinere werden weiter schreien ICH WILL ABER. Und da kommt man meist nicht weiter wenn man da nicht auch mal konsequent nein sagt und im zweifelsfall mit strafe droht. Oder die Sache mit dem du hast getrödelt und es ist zu spät zum vorlesen – wenn die Kinder wirklich lange trödeln dann ist es halt wirklich zu spät. und nein das sag ich dann nicht weil ich meine ruhe will sondern weil die Kinder nunmal morgens wieder raus müssen und ich weiß wenn die zu spät im Bett sind dann sind die am nächsten Tag totmüde. Und was ist so verkehrt daran den Kindern beizubringen wenn du dich negativ verhälst dann hat das eben auch negative Konsequenzen? wenn man trödelt und zu spät ist verpasst man nunmal etwas. DAs ist doch für uns Erwachsene nicht anders – das kann ich meinen Kindern ruhig so ohne schlechtes Gewissen vermitteln. Wichtig ist dass man den Kindern Erklärungen gibt die sie verstehen können. Und das die Strafe bzw Konsequenz auch tatsächlich etwas mit dem zu tun hat was falsch gelaufen ist. Beispiele? Kind macht Buch oder Spielzeug ABSICHTLICH kaputt – Buch oder Spielzeug ist erstmal weg. Mit der Erklärung das kaputt machen halt nicht in Ordnung ist. Kind brüllt am Essenstisch – Kind wird in sein Zimmer geschickt. Mit der Erklärung dass es auch nicht mag angeschrien zu werden, und dass das für die anderen Personen am Esstisch sehr unangenehm ist. Wenn es sich beruhigt hat kann es wieder kommen.
    Und nein dabei lernen Kinder nicht dass sie nach meiner Pfeife zu tanzen haben oder ihrem eigenen Verständnis von der Welt nicht mehr zu vertrauen – sie lernen Situationen anders zu bewerten und die Wahrnehmung anderer mit einzubeziehen. Sie lernen Empathie und Rücksicht.
    Natürlich muss ich meinem Kind da auch ein Vorbild sein – ich darf dann natürlich auch nicht schreien.

    „Wenn ich als Vater oder Mutter alles vorleben würde, was ich mir von meinem Kind wünsche, bräuchte ich keine Regeln, keine Konsequenzen und keine Strafen.“
    Kinder sind nicht eins zu eins Spiegel unseres Verhaltens. Ja sie lernen viel durch Abgucken das ist gut und richtig. Aber ich kann so gewaltfrei erziehen wie ich will und mein 3-jähriger wird mich und seine schwester trotzdem hauen wenn er wütend ist – auch wenn er das bei mir sicherlich nie gesehen hat, weil er noch nicht gelernt hat seine Gefühle zu regulieren. und an der stelle muss ich eingreifen, und ihm beibringen wie er seine Wut rauslassen kann ohne jemanden zu verletzen. Und wenn er trotzdem weiter macht und nicht bereit ist Rücksicht zu nehmen dann muss ich da auch Konsequenzen folgen lassen. Wenn er sich dann beruhigt hat sollte ich natürlich trotzdem mit ihm reden und ihm alles in Ruhe erklären.
    Funktioniert bei uns sehr gut – mittlerweile sucht er sich in 90% der fälle ein Kissen wenn er wütend ist und haut das.
    Und das hat nichts damit zu tun dass ich ihn zum Funktionieren zwinge – ich bringe ihm nur bei was für Regeln Werte und Normen es im Zusammenleben mit anderen Menschen gibt.

    Das ist mal wieder ein Artikel der einfach völlig ab von der Realität der meisten Eltern ist. Und der Eltern noch mehr verunsichert.

    • Tassilo sagt:

      Guten Morgen Gwendoline,
      ​ich danke Dir für Dein ausführlichen Kommentar und bin unsicher, ob meine Zeit der Antwort bei Dir auf Wertschätzung trifft. Bei mir kommt sehr viel Ärger an und dass Du Deinen Umgang mit Deinen Kindern absolut sinnvoll und alternativlos richtig empfindest.
      ​Alle Situationen die Du beschreibst, würde ich anders lösen, mit anderen Ergebnissen. Bei mir kommt an, dass Du der Überzeugung bist, dass Kinder durch Schmerz lernen, was geht und was nicht geht.
      ​Ich bin mir ziemlich sicher, dass das funktioniert.
      Ich möchte keine funktionierenden Kinder, sondern Kinder die ihre Gefühle und Bedürfnisse äußern können, die mit Frust und Ärger entspannt umgehen können und gerne kooperieren.
      ​Da Du sehr überzeugt zu sein scheinst, von Deinen Strategien, habe ich wenig vertrauen, dass da eine Offenheit für sinnvollere Wege bei dir ist.
      ​Es kann sein, dass es anders ist, das kann ich aus Deinem Kommentar nicht rauslesen.
      ​Ich wünsche Dir und deinen Kindern alles Gute.
      ​Herzliche Grüße
      ​Tassilo

      • Tamara sagt:

        Hallo Tassilo,
        schade, dass du es nicht akzeptierst, dass es auch andere Meinungen gibt, aber dies von anderen einforderst. Gwendoline hat eine sehr gute Eistellung zur Erziehung ihrer Kinder, sie zeigt die logischen Konsequenzen an und redet mit ihren Kindern.
        Das ist mein Empfinden. Logische Konsequenzen sind für Kinder sehr wichtig. Ein Beispiel dafür ist das Getrödel am Abend… Ich als Mama weiss sehr genau was am nächsten Morgen los ist wenn mein Kind zu spät im Bett war -> spätestens am Nachmittag ist es so übermüdet, dass nix mehr funktioniert…. Als Erwachsene Person wiess ich auch, dass jede Aktion eine Reaktion hat, bedeutet: wenn ich meine S-Bahn bekommen möchte darf ich nicht trödeln sondern muss einen Zeitplan einhalten -> ergo wenn ich meinem Kind beibringe, dass Trödeln eine Konsequenz hat, dann weiss es auch im späterem Leben, dass es Regeln gibt, die eingehalten werden müssen.
        Jede unserer Handlungen hat eine Reaktion ob wir es wollen oder nicht. Und genau das muss man den Kindern vermitteln damit es kein böses Erwachen für sie gibt wenn auf ihre Aktionen Reaktionen folgen.
        Es ist immer der Mittelweg und nicht die Extremen den man gehen sollte. Mit vielen Gesprächen und Verständnis aber auch mit festen Rahmen und Regeln so wie das Leben nun mal ist.

        Viele Grüße
        Tamara

        • Tassilo sagt:

          Hallo Tamara,
          ich bin etwas überrascht und irritiert. Gerne hätte ich Klarheit, woraus Du schließt, dass ich die Meinung von Gwendolin nicht akzeptiere? Offensichtlich stimmst Du mit Gwendolin überein. Ich vermute, dass es Dir um die gleichen Anliegen geht. Übrigens hat Gwendolin mir geschrieben, dass sie sehr wohl offen ist für andere, sinnvollere Wege, dass sie aber bisher eben keine besseren gefunden hat.
          Herzliche Grüße
          Tassilo

      • julischka sagt:

        Tassilo, Du propagierst hier gewaltfreie Erziehung und Kommunikation…leider vergreifst Du Dich in Deinen Verurteilungen im Ton, indem Du Gwendoline beispielsweise unterstellst sie wäre der Überzeugung das Kinder durch Schmerz lernen…ich bin überzeugt das sie das nicht denkt und ihr Text lässt diesen Schluss auch nicht zu ! Ich denke ihr beide habt gute Ansätze und wir sollten anerkennen das es gerade in Erziehungsfragen kein schwarz oder weiß gibt, und Kinder sehr verschieden sind und somit auch völlig verschieden lernen…ich bin meinen beiden Kindern das gleiche Vorbild und empatischer partner in allen lebenslagen gewesen…meine Tochter war recht schnell in der Lage sich in andere bzw. mich hineinzuversetzen und entsprechend zu handeln…bei meinem sohn musste ich mir immer wieder Gehör verschaffen weil er sehr lange nicht in der Lage war andere Menschen und ihre Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen.

    • julischka sagt:

      …dem kann ich nur zustimmen ! Ich habe meinen Kindern allerlei soziale Kompetenzen vorgelebt…Rücksicht, Empathie, Ehrlichkeit, Höflichkeit, Zuverlässigkeit und ganz einfache Selbstpflege wie Zähneputzen etc. die wenigsten Dinge haben sie einfach übernommen, weil Kindern lange Zeit der Überblick fehlt und sie in ihrem eigenen momentanen Bedürfnis feststecken. Nur jahrelanges üben, spiegeln, sensibilisieren und auch einfordern hat sie zu sozial kompetenten Menschen gemacht…die heute nicht mehr nur Spielball ihrer eigenen momentanen egoistischen Bedürftigkeit sind.

      • Elisabeth sagt:

        Schön, dass das bei Euch so toll funktioniert!
        Als alleinerziehende Mutter von 2 Kindern, von denen eines eine Aufmerksamkeitsstörung hat, kann ich der Meinung von Tassilo nur bedingt zustimmen.
        Ja, Vorleben und Authentizität ist die einfachste Methode.
        Ja, meinem Kind Zeit, Empathie und Wertschätzung zu schenken ist selbstverständlich.
        ABER manche Kinder reagieren darauf leider nicht so wie im Lehrbuch. Kontern mit übersteigertem Selbstwert, stellen sich selbst über andere.
        Kaum zu glauben, aber ich habe so ein Kind zuhause. Regeln müssen konsequent durchgesetzt werden, speziell jene, die gemeinsam mit dem Kind aufgestellt wurden. Und das geht nun mal nicht ohne Konsequenzen.
        Weiters ist es meiner Meinung nach ebenso wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben sich an jemandem zu „reiben“, und so lernen wie man „richtig streitet“, sprich Konflikte löst.
        In meinem persönlichen Umfeld ist mir aufgefallen, dass manche Eltern gerne vergessen, dass ihre Sprösslinge nicht auf dem entwicklungspsychologischen Stand eines Erwachsenen stehen. Soll heissen sie überfordern die Kleinen mit zu vielen Erklärungen, zuviel Lob und zuviel Aufmerksamkeit.
        Aus Erfahrung weiss ich, dass man immer unsicherer wird umso mehr Bücher und Leitfäden man liest (Bsp Jesper Juul). Ganz schlimm wird’s, wenn man das mit dem Erziehungsstil seiner Eltern vergleicht. Die Informationsflut führt leider häufig zu Hilflosigkeit und Überforderung. Ich für mich habe meinen Weg gefunden, indem ich meine Finger von diesen Ratgebern lasse und mehr in meine Kinder hineinspüre.
        Eine kleine Empfehlung wäre: Stell dir als Elternteil mal die Frage, wie du die Welt wahrnimmst, für die du deine Kids vorbereiten musst.
        Lieber Tassilo – dein Ansatz ist zwar recht nett und ein schönes Ideal, aber meiner Ansicht nach leider etwas realitätsfremd.
        Nix für ungut. LG Elisabeth

  • Mirabelle sagt:

    Hallo Tassilo,
    ich bin eine junge Mutter und meine Tochter ist gerade mal 8 Monate alt. Ich habe trotzdem vieles davon mit Entsetzen gelesen, weil ich an meine eigene Kindheit zurück denken musste, bei der es leider selbstverständlich war, dass die Eltern immer Recht und die Macht hatten. Alles was ich als Kind sagte, war nichts wert, vor allem dann, wenn es um Probleme ging. Meine Eltern sagten, ich solle argumentieren, aber wenn ich es tat, hieß es einfach „Nein“ ohne Gegenargumentation und das musste ich akzeptieren. Leider hat sich dieses Denken bis jetzt noch durchgesetzt. Ich habe meine Eltern zu respektieren und andersrum…naja eher nicht. Das ist auch der Grund warum ich zu meinen Eltern ein sehr durchwachsenes bis sehr schlechtes Verhältnis habe, was ich schade finde. Ich wollte mich nicht länger manipulieren lassen. Ich wollte respektiert und angehört werden, was sich natürlich nicht erfüllt hat.
    Ich weiß, dass ich das bei meiner Tochter auf jeden Fall anders machen möchte. Ich möchte ihr eine Stütze sein, aber kein Gefängnis. Ich möchte ihr eine Mutter sein, die sie respektiert mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen. Eine Mutter, mit Regeln und Werten, aber keine Hiebe und sonstigen Drohungen. Ich möchte in meiner Tochter einen ganz normalen Menschen sehen, die eben noch lernen muss, aber nicht jemand, den ich herumschubsen kann, wie es mir am besten in den Kram passt.

  • Kristine sagt:

    Hi Tassilo,
    sehr gut geschrieben und ich stimme jedem Wort zu. Der Alltag und der Wünsch eigenes Leben immer weiter nach eigenem Plan zu Leben steht manchmals im Weg auf so einer Art ehrlich zu sich und zu dem Kind zu sein.
    Ich habe mich sehr gefreut, so was zu lesen. Ich hoffe, dass immer mehr Leute sich darüber Gedanken machen werden und so zur positiven Änderungen der Gesellschaft führen werden.
    Grüße,
    Kristine

  • Kerstin sagt:

    Der Artikel löst in mir Diskussionen mit mir selbst aus…in Sachen Gewalt stimme ich völlig den genannten Argumenten zu, doch was ist anschreien und was ein klarer lauter Ton? Wann ist Gefahr in Verzug? Wenn mein Kind (3 J. alt) das Hineinlaufen auf die Straße als Spiel und nicht als Gefahr sieht, muss ich sofort und meist auch laut reagieren, ich schiebe dann aber die Erklärung nach, um sicherzustellen, dass auch verstanden wurde, warum ich laut geworden bin und wie ernst die Lage war. Vielleicht sollte man auch das Alter der Kinder in diesen Themen differenzieren, denn ich denke, dass kleine Kinder mit zu vielen Entscheidungen oft überfordert sind und man als Eltern schon einen klaren Weg vorgeben muss, den das Kind gewissermaßen zu gehen hat, wie z.B. feste Essens- und Bettgehzeiten. Ein Kind kann nicht von Geburt an, alles abwägen und z.B. wissen, dass man eine gewisse Zeit schlafen muss, um am nächsten Tag fit in den Kindergarten zu gehen. Ich denke, es muss eine klare Linie her und bei Abweichungen seitens des Kindes eine Erklärung, alles natürlich mit fließenden Grenze je nach Situation. Ich werde meine Kinder konsequent, klar, aber auch mit vielen Freiheiten und spielerisch erziehen, denn sie sollen Kind sein und sich auch sicher fühlen und dazu braucht es manchmal klare Anweisungen, vielleicht auch mal laut. Gewalt ist dabei sicher keine Lösung.

    • Tassilo sagt:

      Hallo Kerstin,
      ich stimme mit dir überein, dass es wichtig ist, den Kindern altersgemäße Orientierung zu geben, indem wir unsere Gefühle und Bedürfnisse mitteilen. Das Wort MUSS verschleiert jedoch die Tatsache, das wir eine Entscheidungsfreiheit haben. Es gibt objektiv gesehen kaum etwas, was wir tun müssen. Der Holocaust war möglich, weil wir das Wort müssen benutzt haben, um Verantwortung abzugeben: „Mein Vorgesetzter hat es befohlen, also musste ich es machen!“ Gerade im Familienalltag gibt es nichts was wir tun müssen! Das auszuführen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Wir brauchen uns nicht hinter dem „müssen“ zu verstecken. Sobald wir eine Gefühls und Bedürfnissprache gelernt haben und benutzen, können wir den Kindern sagen, wie es uns geht und was wir brauchen. Kinder sind extrem kooperationsbereit. Kinder sind auch Menschen und haben eigene Gefühle und Bedürfnisse, mit denen sie gehört und verstanden werden möchten. Sobald wir diese Kunst beherrschen, wächst eine neue Beziehung, die auf Kooperation und Unterstützung gründet.

  • Nina sagt:

    Kurzer Hinweis. Folgender Satz „“Ich habe vorhin geschrien, das war nicht okay von mir – ich war so hilflos und wusste nicht, wie ich gehört werden kann!” löst im Kind auch Schuld aus. Es lässt sich auch schwer vermeiden, denn wir alle leben in Schuld- Unschuld Dynamiken. Das Gehirn muss sich erläutern können, warum etwas ist, wie es ist, es nutzt dafür Schuld-Mechanismen ICH ODER DER ANDERE. Es kann einen Zustand nur mit Begründung hinnehmen, das macht ein Gehirn automatisch. Kinder beziehen in der Regel Dinge auf sich (Mama hat schlechte Laune wegen mir), das liegt wiederum darum, weil das Kind erst sich als Ursache sieht, da es im Entwicklungsprozess des ICH ist. Die Frage ist also nicht wer Schuld oder Unschuld hat, sondern welche Bedeutung der Sache gegeben wird, das passiert emotional. Formulierungen sind da hilfreich, lösen aber das Problem nicht. Wenn man total aggressiv ist, weil man zu spät ist, dann ist es das was das Kind speichert, man kann da höchstens auf Umstände ausweichen (Ich bin müde vom arbeiten). Begründet man nicht, dann bezieht das Kind es auf sich (Papa ist müde wegen mir). Auch damit zementieren wir Glaubenssätze (Arbeit macht müde). Es geht nicht ohne Bewertungen und Vermittlung eines Weltbilds, es ist nur die Frage wie bewusst man sich darüber ist. Dabei kann man auch keine Weltbild vermitteln, dass man selbst nicht hat. „Die anderen sind gut“ funktioniert nicht, wenn man den anderen insgeheim die Schuld gibt. Das führt bei Kindern zu krassen Irritationen. Ich habe das Zuhause erlebt, da meine Eltern auch versuchten „zu lügen“ damit ich weniger negative Glaubenssätze habe als sie, das führt aber ständig zu Glaubenssätzen. Daher gilt immer: Ich muss an mir arbeiten und an meiner Wahrnehmung. Vorspielen bringt nüscht.

  • Silvia sagt:

    Hallo,
    wenn man Gewalt so definiert, wende ich wohl öfters mal Gewalt an. Wir müssen z. B. zu einer bestimmten Zeit aus dem Haus, weil ich arbeiten muss. Wenn mein Kind sich in einer normalen Zeit anzieht und in einer normalen Zeit isst (inkl. großzügigen Puffer), hat es noch Zeit 5-15 Minuten zu spielen. Wenn es allerdings trödelt und 20 Minuten zum Anziehen benötigt, weil es viel lieber noch auf dem Badezimmerteppich liegt, hat es leider keine Zeit mehr zum Spielen. Ich sage ihr das auch, wenn sie „trödelt“, dass sie dann keine Zeit mehr zum Spielen hat. Ich versuche auch immer wieder ihr zu erklären, dass ich zu einer bestimmten Zeit aus dem Haus muss (leider lernt sie erst gerade die Uhr) und dass ich Ärger bekomme, wenn ich zu spät komme, aber immer interessiert sie das nicht. Früher wecken habe ich auch schon versucht. Das Spielen auf später verschieben, klappt auch nicht immer. Leider muss ich meinem Kind in dem Moment machen, was ich will, da ich ja los muss….
    Abends kann ich sie aus dem gleichen Grund nicht ewig auf lassen. Allerdings klappt es da meistens besser, weil ich rechtzeitig mit unserem Ritual anfange…

  • Tanja sagt:

    Ich erinnere mich sehr gut an den Tag, an dem meine knapp drei-jährige Tochter aus irgendeinem Grund nicht tat, was ich von ihr erwartete…ich schickte sie wie immer in ihr Zimmer, was wie immer nicht funktionierte..
    Sie versuchte, von innen die Tür zu öffnen, ich hielt sie von außen zu. Aus Prinzip! Sie sollte lernen, dass sie in ihrem Zimmer zu bleiben hatte, wenn ich es wollte!
    Auf dem Arm trug ich ihren neugeborenen Bruder…zwei Wochen alt? Drei? Den sie vergötterte, für den sie ALLES tat!
    Aber ich war übermüdet, überfordert…und hielt die Tür zu.
    Am Ende saß ich heulend auf dem Küchenboden, meine Tochter genauso weinend neben mir, und ich begriff: vielleicht können Kinder nicht in Worte fassen, was los ist, aber das heißt noch lange nicht, dass sie nicht intuitiv begreifen, was vor sich geht…dass auch Mama nicht unkaputtbar ist.

    Sie ist heute fast 19, ich geschieden, wir leben zusammen…und sie zeigt mir heute wie damals gnadenlos auf, wo ich im Unrecht bin.
    Sie ist KEIN Tyrann, aber ich gebe ihr das Recht und die Pflicht, mich auf das aufmerksam zu machen, was ich gut mache und was falsch.

    Dito umgekehrt.
    Ist es einfach?

    Nein!

    Ganz und gar nicht!
    Ich habe meinen Kindern einfach nur schlicht und einfach zu verstehen gegeben, dass ich auch nur ein Mensch bin – mit Gefühlen und mit Grenzen.
    es klappt deswegen vllt nicht besser als in anderen Familien…aber ich behaupte, dass jeder Beteiligte sich besser angenommen fühlt als Mensch und als Person.
    Mein Fazit als Mutter einer fast 19-jährigen Tochter und eines 16-jährigen Sohnes: zeigt, dass ihr Menschen seid…fehlbar und nicht allwissend…aber immer bereit, für eure Kinder das Beste zu geben und zu wollen. Für sie da zu sein, egal, was passiert und welche Scheiße sie bauen. Sie vertrauen auf euch! Auf EURE Erfahrungen und EUER Wissen, auch, wenn sie es nicht zugeben wollen.
    Wir Eltern sollen nicht IHREN Karren aus dem Dreck ziehen…aber sie hoffen, dass WIR wissen, wie SIE ihn da raus bekommen!!

    In diesem Sinne: leitet eure Kinder und seid für sie da…aber lasst sie ihre Fehler machen.
    Wenn sie fallen, dann fallen sie…lasst sie aufschlagen…so, dass es weh tut, aber nicht so, dass es sie umbringt.

    Mildert ihren Sturz ab, sie werden von sich aus darauf kommen, was hätte passieren können.
    Meine Kinder sind nicht perfekt, und ich auch nicht,
    aber wir lernen von einander…jeden tag und mit jedem neuen „Problem“, dass sich auf tut.
    Egal, wie alt sie sind: traut euren Kindern mehr zu und greift nur dann „rücksichtlos und egoistisch“ ein, wenn Gefahr für Laib und Seele eures Kindes droht.
    Sie werden es euch mit den Jahren mit Liebe und Rücksicht auf euch und eure Gefühle danken – WENN ihr es zulasst!
    In diesem Sinne – ich werde wie immer die Gemüter spalten 😉 – Tanja

  • Laura sagt:

    Hallo Tassilo,
    dieser Artikel hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich bin selbst mit sehr strenger Hand erzogen worden, es gab sehr viele „Neins“ bei uns, aber das „Warum denn nicht?“ wurde selten beantwortet. Bis vor einiger Zeit habe ich auch immer gesagt: „Ich habe eine strenge Erziehung „genossen“ und es hat mir nicht geschadet.“ Aber je mehr ich mich selbst beobachte, desto öfter fällt mir auf, dass ich mich fast immer zu erst frage, ob das, was Ich tun möchte, für andere okay ist, ob ich damit jemand anderen benachteilige, ob ich damit jemand anderen glücklich oder unglücklich mache, ob ich dafür von jemand anderem die Erlaubnis bekomme (manchmal habe ich für wirklich banale Dinge tatsächlich um Erlaubnis gefragt). Und dann habe ich irgendwann angefangen, nicht mehr darüber nachzudenken, ob irgendjemand das gut oder blöd findet, was ich da mache, sondern einfach das zu machen, was ich für gut und richtig halte, denn mittlerweile bin ich fast 30 und wirklich alt genug um meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Was mich jetzt aber wahnsinnig stört: Weil ich mich immer danach gerichtet habe, was andere wohl zu einem Verhalten meinerseits sagen würden, sind sie nun vollkommen empört und schimpfen mich rücksichtslos, wenn ich nicht zuerst an sie denke. Für mich ist diese Zeit schwierig, aber mein Umfeld wird schon lernen damit umzugehen, dass ich selbst Verantwortung für mich übernehmen kann.

    Ich bin angehende Lehrerin und habe mir vor etwa einem Jahr 3 Leitsätze aufgeschrieben, die sich in meiner Arbeit mit Kindern für mich herauskristallisiert haben, nach denen ich unterrichten und erziehen will, auch wenn es oft schwer ist:
    1. Kinder müssen selber denken um zu verstehen und zu lernen.
    2. Gib den Kindern Verantwortung.
    3. Und gib den Kindern immer wieder eine faire Chance.
    Ich habe aus den Fehlern meiner Eltern gelernt und auch wenn ich viele ihrer Entscheidungen heute nicht mehr verstehe, habe ich daraus für meine Schüler und für meine Kinder gelernt. Und das hat auch etwas Gutes.
    Vielen Dank für den tollen Artikel, den ich mir bestimmt noch oft anschauen werde, wenn Gewalt scheinbar alternativlos ist.

  • samantha sagt:

    natürlich sollten wir als Eltern öfter mal hinterfragen, ob wir unseren Kindern nicht das ein oder andere mal unrecht tun, indem wir sie ständig gängeln..komm jetzt hier mit.. mach schneller, trödel nicht etc. ich ertappe mich da leider auch allzuoft und bedauere es meist gleich kurze Zeit später ..
    womit ich allerdings überhaupt nicht wirklich mitgehen kann ist, sich mit seinem (in meinem fall 3 jährigen sohn) hinterher hinzusetzen und das fehlverhalten zu analysieren und meinen Fehler konstruktiv zu erläutern. ich meine damit nicht, dass man sich als Eltern nicht auch entschuldigen sollte, wenn man beispielsweise doch mal lauter geworden ist und das hinterher bereut… aber als Eltern haben wir doch immer noch eine Fürsorgepflicht, die kleinen auf diese welt vorzubereiten.. ihnen schutz und Sicherheit zu gewähren und ihnen zu helfen zu erkennen, was richtig und falsch ist… und da gibt es nunmal einfach gewisse dinge, die ein dreijähriges oder auch acht oder zehnjähriges Kind nicht alleine entscheiden kann… trödelt es jetzt.. dann gibt es vielleicht keine lange gute nacht geschichte mehr, weil es dann zu spät wird… denn morgens nicht augeschlafen zu sein ist auch nicht gut… wenn man es doch das eine mal trödeln lässt… dann suggeriere ich meinem Kind doch… kein Problem.. dann verschiebt sich eben alles nach hinten… dann gehst du heute eben erst um acht ins bett… morgen isses dann neun… und übermorgen zehn… ach was ich dann als mutter noch zu erledigen habe mache ich dann danach… und selber gehe ich dann um eins ins bett…. und bin dann auf dauer müde… ganz ehrlich da frage ich mich dann wirklich immer wieder… wo leben sie als Autor bzw. haben sie selber keine Verpflichtungen?? in welcher Welt kann man sich als Eltern komplett nach den Kindern richten… und so hart das klingt… ich liebe mein Kind abgöttisch und finde nicht, dass ich es durch gewisse Konsequenzen die ich ihm aufzeige gewalt antue.. im Endeffekt führt es doch auf dauer zu einem friedvolleren zusammenleben oder nicht?

  • Iris sagt:

    Lieber Tassilo,

    vielen Dank für deinen Artikel! Der Atem weg blieb mir beim Thema mit dem Vorlesen. Es ist bei uns tatsächlich so, dass ich es immer den Kindern in die Schuhe schiebe, dass keine Zeit mehr zum Vorlesen ist. Und ich bin dankbar, dass ich durch deine Worte diese Situation nun aus einem anderen Blickwinkel sehen kann. Überhaupt macht man den Kindern einfach zu viele Vorhaltungen tagein tagaus. Wenn der Kleine in aller Früh bei Eiseskälte ohne Jacke aus dem Haus will, sage ich schnippisch „Ok, du wirst schon sehen, was du davon hast“ anstatt ihm in einem anderen Tonfall zu erklären, dass er es halt selber rausfinden muss, ob er eine Jacke braucht oder nicht. Es ist halt einfach so schwierig, in gewissen Situationen richtig zu reagieren (besonders wenn man selbst unter Druck steht) und nicht aus dem Affekt heraus. Aber ich bleibe dran! 😀

    Alles liebe!
    Iris

  • Schulze sagt:

    Hallo Tassilo,

    ich finde deinen Artikel sehr gut. Ich selbst versuche die gewaltfreie Kommunikation so gut wie möglich umzusetzen und mich zu hinterfragen warum ich in manchen Situationen so reagiere wie ich reagiere.

    Mit erschrecken stelle ich fest, das es heutzutage Menschen gibt die für ihren „diktatorischen“ Umgang mit Kindern sogar gelobt werden. Neulich bei einer Führung durch eine Höhle war solch ein pädagogisch unfähiger Mensch, der ein Einfühlungsvermögen besitzt das gegen Null tendiert und so das ich mit dem Kopfschütteln nicht aufhören konnte. Zu Bedauern finde ich das die begleiteten Erzieher dem einschüchternden Menschen auf die Schulter klopften und viel Zustimmung für seine Art und Weise geäußert haben. Es ist erschreckend das es weitverbreitet ist gewaltsam zu kommunizieren und irgendwie gesellschaftsfähig ist Kinder einzuschüchtern und bloß zu stellen um gehorsam zu erreichen.
    Meine Vermutung lautet: die Menschen sind so sozialisiert wurden und leider nicht fähig sich zu hinterfragen. Es ist nicht möglich sie davon zu überzeugen das es einen anderen Weg gibt. Da die Kinder so eingeschüchtert waren, war es natürlich still und das gibt diesen Menschen auch noch Bestätigung für ihre Haltung.

    Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig aufzuklären und andere Wege aufzuzeigen. Danke für diesen Artikel und ich hoffe das es viele Menschen lesen und anfangen zu reflektieren.

  • sandra sagt:

    Hallo Tassilo,
    der Text ist treffend und berührend zu gleich…ich gebe dir 100 pro recht und fühle mich doch so hilflos…klar es gibt Situationen wo man sich selbst in Frage stellt und sich fragt was mache ich hier eigentlich…im reflektieren bin ich ne ganz Grosse:)…ich sehe das,aber manchmal kommt das anerzogene Verhalten nunmal raus…ich versuch das mit meinen kindern darüber zu reden,natürlich ist es besser es zu sehn und so vorzuleben….
    aber was tun,wenn man getrennt ist und dieses verhalten von außen so massiv auf die eigenen kinder einprasselt…mehr als auffangen und mit dem sturen EX – Partner darüber sprechen…das macht mich dann manchmal so wütend,dass meine Kinder dieses Verhalten hier wiederspiegeln,von bevormunden,niedermachen….und da fange ich an ungeduldig und ungerecht zu werden…ich weiss das meine Kinder nichts dafür können und das kein Kind schlecht geboren wird…was würdest du tun???
    lg sandra

    • Tassilo sagt:

      Liebe Sandra,
      vielen Dank für deine Rückmeldung!
      Das wichtigste ist es meiner Meinung nach eine starke Persönlichkeit zu werden. Mir hat es geholfen, zu lernen, Konflikte als Kraftquelle zu nutzen. Das wäre hier zu umfangreich zu schreiben. Mehr darüber erzähle ich meinem gratis Onlinetraining.
      Herzliche Grüße
      Tassilo

  • Ute sagt:

    Hallo Tassilo,
    ja was löst es in mir aus, ein mächtig schlechtes Gewissen, es hat mich doch sehr zum Nachdenken gebracht.
    Ich habe zwei erwachsene Söhne.
    Ich habe in meiner Kindheit meine Eltern NIE streiten gesehen, ich bin sehr liebevoll, tolerant und rücksichtsvoll aufgewachsen, dass liegt auch sicher daran, dass meine Eltern, für die damalige Zeit, schon älter waren und sie bei meinen beiden, 11 und 16 Jahre älteren Brüder Erfahrungen sammeln konnten.
    Die Bestätigung bekam ich auch von meinem Bruder der unsere Eltern ganz anders erlebt hat wie ich.
    Mein Mann hat genau das Gegenteil in seiner Kindheit erlebt, als Einzelkind, die Mutter in der dritten Ehe, die er alle erlebt hat. Mein Mann hat alle Erziehungsmethoden genossen.
    Du kannst Dir sicher vorstellen wie unterschiedlich unsere Meinungen in der Erziehung unserer Kinder waren. Es war ein ständiger Kampf aber durch meine Erziehung habe ich immer versucht Lösungen zu finden und nie aufgegeben wo mein Mann sich schon längst zurückgezogen hat, was ich nie verstanden habe.
    Ich würde gern die Uhr noch einmal zurück drehen und so einiges anders machen.
    Unsere Jungs sind beide ihren Weg gegangen aber einige falsche Entscheidungen haben Folgen hinterlassen diese man nicht mehr ändern kann.
    Ich hätte gern so eine Hilfe, wie Du sie hier gibt’s, damals auch gebrauchen können.

    LG eine Mutter

    • Tassilo sagt:

      Liebe Ute, vielen Dank für das teilen, es berührt mich sehr weil bei mir diese Sehnsucht ankommt wirklich rücksichtsvoll mit deinen Kindern umgehen zu wollen. Der schmerz, dass es nicht immer geklappt hat, weil du einfach nicht wusstest, wie es geht und jetzt siehst, wie du es hättest machen wollen!
      Falls du es deinen Jungs noch nicht gesagt hast, wünsche ich dir ein Gespräch mit jedem einzeln, wo du sie fragst, wie es ihnen damals ging, mit deinen Entscheidungen? Und ihnen sagst, wie sehr du es heute bedauerst.

      Grüße von Herzen
      Tassilo

  • […] Quelle: Warum alle Eltern gewalttätig sind & versuchen es zu vertuschen […]

  • Jacky sagt:

    Ich weiss der Beitrag ist schon etwas her ABER, ich habe mir die Theorien hier einmal durchgelesen und finde dass es richtig ist mit seinem Kind im Gespräch zu bleiben und auch mal einen Fehler einzugestehen. ABER ich finde auch das ein zusammenleben ohne Regeln und Konsequenzen nicht funktioniert, es ist in der Gesellschaft nichts anderes und ich muss mich von meinem Kind nicht anschreien oder pöbeln lassen um dann zu sagen: „Hey tut mir leid dass wir jetzt nach Hause gegangen sind, ich war überfordert“ Nein dass war ich dann in dem Moment nicht. Das Kind hat zu lernen dass es sich angemessen zu verhalten hat, dass muss ich auch und andere Menschen auch. Ich muss auch nicht jede meiner entscheidungen gegenüber meinem Kind rechtfertigen. Bei uns ist es das Zimmer welches aufgeräumt werden muss und wenn meine Tochter dies nicht tut dann kann sie halt nicht zum spielen rausgehen PUNKT. Oder soll ich mich jetzt hinsetzen und hinterfragen warum sie kein Bock hat ihren selbst verursachten Müll einzusammeln und was ich vielleicht besser machen könnte damit sie mehr Lust hat? Nein!
    Wenn ich meinem Kind fünfmal sage dass es die Zähne putzen soll weil es Zeit ist ins Bett zu gehen sonst gibt es kein TV und es dann immer noch trödelt, dann soll ich mich entschuldigen weil es kein TV mehr gibt, weil mein Kind die Zeit vertödelt hat? Weil es dann mein Fehler ist dass mein Kind die Zeit vertrödelt hat? Schwachsinn, mein Kind hat getrödelt und nach mehrmaliger Aufforderung Ihre/Seine Zähne nicht geputzt, also selber schuld. Oder welche Alternative habe ich? (IRONIE ON) „Ach mensch tut mir leid, war mein Fehler, hätte dir 2 Stunden eher bescheid sagen müssen, damit dein Bedürfnis nach trödeln gedeckt ist. Heute darfst du trotzdem TV gucken, morgen sage ich dir dann eher bescheid damit wir alle unser Bedürfnis befriedigen.“ Und da Kinder ja natürlich total beeindruckt von unserem Vorbildlichem Verhalten sind fangen sie nicht an unsere gutmütigkeit auszunutzen, nein dass wird bestimmt wunderbar klappen. (IRONIE OFF)
    FAZIT: Man muss auch mal einen Fehler eingestehen können aber ich muss nicht ausnahmslos alle Bedürfnisse meines Kindes bedienen nur in dem Gedanken dass ich nur dann eine Gewaltfreie erziehung ausübe. Schlagen NEIN! Strafen muss mal sein! Konsequenzen muss es geben ansonten erlaubt dass Kind sich alles.

  • Niki sagt:

    Lieber Tassilo,
    ich bin auch durch Zufall auf deinen Artikel gestoßen und es hat gut getan ihn zu lesen. Er hat mich zum Nachdenken angeregt und ich habe mir Zeit genommen mein Verhalten als Mutter zu reflektierren. Insgesamt denke ich hat es mir geholfen noch sensibler mit meiner kleinen Tochter umgehen zu können. Nach dieser für mich neuen Definition von Gewalt habe ich mich sogar in ein paar Passagen wiederfinden können.
    Mich beschleicht nur etwas der Gedanke, dass der Ansatz darauf abzielt unseren Kindern eine Welt vorzustellen, die es so (noch?) nicht gibt:ist es tatsächlich Ziel der Eltern eine annähernd perfekte Welt vor zu leben, Ihnen eine Welt zu präsentieren in der man immer nur auf Rücksicht und Verständnis trifft? Sieht unsere Welt denn so aus?
    Ich wünschte mir selbst dem wäre so.

    Was passiert denn mit meinem Kind wenn es im sozialen Umfeld einmal auf Konflikte stößt und es hat zuvor niemals gelernt damit umzugehen?
    (Ich lebe zufällig mit jemandem zusammen bei dem genau das der Fall gewesen ist seiner Kindheit. „Perfekt“ ist das einzige was ausgehalten wird. Das ist manchmal ganz schön anstrengend und ich bekomme in seine Kernpersönlichkeit nicht mehr integriert dass „perfekt“ einfach nicht ist.)

    Ich persönlich habe mich auch für eine Erziehung entschieden in der ich mein Kind nicht anschreie, für mich hat das etwas mit Respekt zu tun. DOCH wenn ich die Situation so einschätze dass Grenzen gezogen werden müssen, dann sitzt sie mal auf der Couch und muss dort „protzen“ und zwar genau so lange bis sie entscheidet dass es jetzt wieder gut ist. Dann geben wir uns einen Kuss und der Tag läuft weiter. Das empfinde ich auch nicht als falsch, denn wie sieht denn die Welt da draußen auch aus? Die persönliche Freiheit hört genau dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt. So ist die Welt nunmal und wenn ich ihr das als Mutter nicht greifbar mache wer denn dann? Und dazu zähle ich jetzt auch ihr einmal mit meinem Verhalten klar zu machen, jetzt ist einfach schluss.

    FAZIT: Dein Artikel hat mir geeholfen gewisse Strukturen noch feiner zu betrachten und mein Verhalten unter der neuen Definition von Gewalt neu zu reflektieren. Ich kann für mich nicht alles mitnehmen, und doch ist es sehr viel. Vielen Dank für deine Ausführung.

    Es grüßt dich freundlich
    Niki

  • Iris sagt:

    Sicher fällt es uns oft schwer, unseren Kindern die Wahrheit über den Grund unserer Entscheidungen zu sagen. Allerdings bin ich aber der Meinung, dass wir durchaus die Entscheidungsgewalt besitzen. Was nützt es meinem Kind, wenn ich immer alles hinterfrage und immer alle Wünsche respektiere, wenn es dadurch nur lernt, dass alle Menschen so mit ihm umzugehen haben? Ich möchte doch keinen Tyrannen groß ziehen. Weil wir alle so verständnisvoll sind und unsere Kinder verhätscheln, ziehen wir immer mehr Arbeitsverweigerer groß. Denn: Mutti macht schon. Wir haben es anders gelernt. Ich bin auch gegen Gewalt, aber für Regeln. Iris

    • Tassilo sagt:

      Hallo Iris,
      ich stimme mit dir überein, manchmal haben wir keine Kraft oder denken keine Zeit für ein Konsensgespräch zu haben, dann Entscheiden wir für das Kind und sind rücksichtslos. Das ist in unserem Sinne Gewalt – es kommt darauf an, ob ich jemanden schützen oder bestrafen möchte. Ich weiß nicht wo man rauslesen kann, dass Eltern alles machen sollen was ihre Kinder möchten. Ich schreibe davon, dass es sinnvoll ist, die Wünsche der Kinder anzuhören und zu prüfen, ob es einen Weg gibt, die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen. Meistens reicht es den Kindern, wenn sie ausreichend gehört werden.
      Deine Sorge, dass Kinder Tyrannen werden, wenn man ihnen zuhört – teile ich nicht. Meiner Erfahrung nach werden Kinder dann zu Tyrannen, wenn sie alles machen dürfen, was sie wollen, ohne Rückmeldung zu bekommen, wie es anderen damit geht.
      Wo immer ich mit anderen Kindern Gewaltfrei umgehe sind diese Kinder im hohen Maße bereit, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Sei es Ordnung, Ruhe, Unterstützung im Haushalt, Umgang mit den Geschwistern.
      Die wenigsten Menschen verstehen den Unterschied zwischen Regeln und Vereinbarungen… mehr dazu im kostenlosen E-Book… http://www.tassilopeters.com

      • Maren sagt:

        Ich kenne so viele Beispiele in denen Ihre Strategie überhaupt nichts bringt. Da kann man noch so viel erklären und scheitert trotzdem.
        Es scheint fast so: „Kompromisse – was ist das?“
        – „Was, ich soll jetzt aufräumen? Nö. Warum? Ich will nichts essen und wenn ich abgeholt bin, können ja die anderen aufräumen. Mir doch egal.“
        – „Wie bitte? Ich soll nicht so laut sein, weil du Kopfschmerzen hast? Ich habe aber jetzt das Bedürfnis, dass mich der ganze Raum hört!“
        – „Was? Ich soll im Flur nicht rennen, weil das gefährlich ist? Nö, der Unfall letzte Woche war doch nur Pech. Mir passiert das nicht.“
        – „Ich beeile mich nicht im Bad. Mir doch egal, dass wir ins Theater wollen. Es macht doch solchen Spaß das Wasser überall zu verteilen. Nein, ich rutsch nicht aus. Ich doch nicht. Und was? Die ganze Gruppe wartet nur auf mich? Ach komm, dass ist doch nicht so schlimm. Und die Vorstellung im Theater, die können doch ruhig auf uns warten und dann erst anfangen.“
        – und so weiter

        Ganz ehrlich? Selbst wenn ich verstehe, dass Spielen mehr Spaß macht als aufräumen (und ja, wir haben auch Aufräumspiele versucht – manchmal sogar mit Erfolg) und das Bedürfnis zu spielen eben gerade die Oberhand hat, so geht es nicht. Und ich möchte SIE da gerne sehen, wie sie das Dilemma dauerhaft lösen ohne zu scheitern.
        Für eine kurze Zeit würde es nämlich sehr wahrscheinlich funktionieren, weil SIE neu wären, und sobald dieser Neubonus verflogen ist, hätten Sie genau die gleichen Probleme wie wir.

  • Danny sagt:

    Wow….alles klar und deutlich geschrieben. Nur meine muster verschwinden nicht….und immer und immer wieder handle ich wie meine mutter. Aber jaaaaa…ich sage jaaaa…du hast so recht.

    • Iris sagt:

      Ich kann eine Psychotherapie empfehlen und ein paar gute Bücher zu deinen speziellen Themen. Kämpfe auch mit meinen Mustern, aber in der Psychotherapie und durchs Lesen lerne ich, ihnen auf den Grund zu gehen. Und ich kann mittlerweile Gott sei Dank sagen, dass ich zu 80% nicht mehr wie meine Mutter handle 😀

  • Jule sagt:

    Ein wundervoller Artikel, wenn auch etwas erschreckend das eigene Verhalten so gespiegelt zu bekommen. Und wie recht du hast. Ich habe mich beim Lesen mehr als einmal ertappt gefühlt und hatte Tränen in den Augen. Wollen wir doch für unsere Kinder etwas anderes wie sie starren Strukturen unter denen wir aufgewachsen sind. Dennoch verfallen wir immer wieder in die uns eingeprägten Verhaltensmuster und es ist so unendlich schwer und es kostet so viel Kraft es zu versuchen anders zu machen und es gelingt nur so selten. Wenn es gelingt hat mein so ein harmonisches Miteinander dass man es kaum glauben kann und dann zack steckt man wieder fest. Und man ist so wahnsinnig streng mit sich als Eltern und kann sich so manchen Aussetzer kaum vergeben. Deswegen finde ich es wichtig, dass es solche Artikel wie deinen gibt, die einen jedesmal wieder erden und ermuntern weiter zu reflektieren und dass es sich lohnt „anders“ zu denken und zu handeln. Danke hierfür.

  • Andrea sagt:

    Lieber Tassilo,
    ein Freund hat mir den link zu Dir geschickt…
    Ich habe Tränen in den Augen beim Lesen Deiner Ausführungen…
    Deine Worte strahlen diese nötige Überzeugung und Klarheit aus, welche mir im Moment im Umgang mit meiner 11jährigen Tochter leider oft fehlt.
    Wo anfangen?
    Im Kopf sind viele Gedanken klar…im entscheidenden Augenblick verpasse ich dann die Abfahrt aus meinem Verhaltensmuster raus zu kommen.
    Über allem steht bei mir die Sorge, ob ich meinem „kleinen“ Mädchen alles Wichtige mit auf den Weg gegeben habe, um, z.B. in der Clique aktiv „Nein“ zu sagen sobald was …kritisches ausprobiert werden soll…
    Wer kann mir die Sicherheit geben?
    Kannst Du mir das beantworten?
    Und wenn es so sein sollte, dass alles nur IN MIR zu lösen sei… brauche ich dazu eine Zauberformel, ein Mantra, oder was?
    Herzliche Grüße sendet,
    Andrea
    Ich will jetzt noch weiter auf Deiner Internetseite lesen…

    • Tassilo sagt:

      Liebe Andrea,
      vielen Dank für deine berührenden Worte und deine Offenheit – da ich sehr viel Kritik für den Artikel bekomme, freue ich mich, wenn manche LeserInnen ihn so verstehen, wie ich ihn geschrieben habe.
      Zu deiner Frage: Es klingt so, als ob du dir und deiner Erziehung nicht vertraust. Es gibt Dinge die du beeinflussen kannst und welche, die du nicht beeinflussen kannst. Was du beeinflussen kannst, ist die Beziehung zwischen dir und deiner Tochter. Vertraut sie dir, kann sie mit jedem Problem zu dir kommen, in dem Vertrauen gehört und verstanden zu werden? Gibt es Tabuthemen? Z.B. Drogen, Sexualität? Es gibt eine Zauberformel – für mich ist es die Gewaltfreie Kommunikation – mein kostenloses Webinar dazu findest du auf http://www.Tassilopeters.ocm
      Viel Spass beim stöbern,
      lg
      Tassilo

      • Lisa sagt:

        Hallo Tassilo, in dieser Antwort schreibst Du etwas, was ich in den meisten Artikeln, Blogeinträgen und Kommentaren zu bedürfnisorientierter Erziehung, gewaltfreier Kommunikation etc. vermisse: Es gibt eben auch Dinge, die man nicht beeinflussen kann.

        Verstehe mich nicht falsch: Ich finde das Thema Deines Artikels sehr wichtig, wir begleiten unsere Kinder auch bedürfnisorientiert und ich bin immer wieder froh über Anregungen wie die in Deinem Artikel.

        Aber die Thematik „was ich nicht beeinflussen kann“ oder „was wir an Charakter/Ängsten/Stärken/seelischen Aufgaben von oben (oder von wo auch immer 😉 ) mitbekommen haben“, wird in dem Zusammenhang fast nie besprochen.

        Menschen sind so individuell und reagieren auf unterschiedlichste Weise auf Situationen – manchmal unabhängig von der Herangehensweise der Begleitpersonen und unabhängig von Vorerfahrungen. Ein Beispiel: wir haben eineiige Zwillinge, die (vermeintlich) bis dato die gleichen Erfahrungen mit Wasser gemacht haben. Einer hat bis heute, sie sind nun 2,5, auf eine bestimmte Weise Angst vor Wasser. Der andere hat das noch nie gehabt. Wir sind sehr behutsam mit der Thematik und versuchen unser Bestes das einfach so anzunehmen und zwingen zu nichts (was natürlich manch Badewannengang kompliziert macht 😉 ). Wenn ich dann aber lesen muss – in beliebten Blogs zu attachement parenting – dass ich, wenn mein Kind nach einer Zeit immer noch weint in Kontakt mit Wasser, etwas falsch gemacht habe bei der Wassergewöhnung oder das Kind mir nicht vertraut, dann ärgere ich mich einfach. Ich finde, da machen es sich manche Schreiber viel zu einfach, haben vielleicht auch nicht entsprechende Erfahrungen mit ihren Kindern und vergessen immer wieder den Aspekt „was ich nicht ändern kann“.

        Ich weiss gerade gar nicht, ob man das Beispiel so versteht… Es ist auch wie gesagt nur ein Bespiel von vielen. Ich glaube jedenfalls, das das Weglassen dieser Thematik viele Eltern zusätzlich verunsichert.

        Ich hoffe, Du kannst verstehen was ich meine. Ist auch am eigentlichen Thema Deines Artikels vorbei, aber Dein Erwähnen dieses Aspekts hat mich gerade nochmal an einige Beispiele aus verschiedenen Blogs erinnern lassen, die mir als viel zu einfach dargestellt erscheinen (nicht auf Dich bezogen, kenne ehrlich gesagt nur diesen Artikel von dir 🙂 ).

        Alles Gute
        Lisa

  • Sven sagt:

    Hi Tassilo,

    ich habe durch Zufall Deinen Beitrag gelesen und was soll ich sagen… du hast ja so recht …ich ertappe mich immer wieder dabei, gerade in stressigen Situationen meine Macht als Papa auszuspielen um ein schnelles und erfolgreiches Ergebnis (in meinen Augen)zu erzielen – durch den Alltagsstress ist man sehr anfällig für so manche ungerechte Vorgehensweise, die man im Nachhinein immer bereut (ich zumindest). Zurückrudern in der Situation haben auch nicht alle von uns gelernt bzw. vorgelebt bekommen. Was also tun in so einem Fall – ich persönlich versuche immer öfter nach einem solchen Verhalten nochmals mit den Kids zu reden – besonders mit meiner Tochter (9) sie ist ein wahres Spiegelbild von mir und ich entdecke immer mehr Parallelen (auch die nicht so schönen). Ich sage Ihr dann meist, dass ich mich nicht richtig verhalten habe und nicht sie Schuld an der Situation hatte – damit geht es uns beiden viel besser und ich lerne kontinuierlich solche Situationen insitu besser zu analysieren und entsprechend zu reagieren. Im Fazit hat mich der Beitrag noch etwas wacher hinsichtlich der Problematik gemacht.

    Vielen Dank
    Sven

    • Tassilo sagt:

      Hallo Sven,
      vielen Dank für dein Kommentar, es ist soooo berührend zu lesen, was dieser Artikel bewirkt. Ich liebe es, solche Kommentare zu lesen, die zeigen, dass es reflektierte Eltern gibt, die diesen Artikel verstanden haben 😉
      lg
      Tassilo

  • Caroline sagt:

    Oh in der Theorie tönt das alles immer so klar und einleuchtend . 😉 Aber die Realität des Alltag s sieht manchmal auch ganz anders aus. Da können die eigenen Vorsätze und Überzeugungen rasch ins wanken geraten : Ich hab 2 Kinder mit Diagnosen und betreue meine Kinder zu 100 Prozent ! Und Tatsache ist ,das der Alltag sehr anstrengend sein kann mit 2 Kinder die besondere Bedürfnisse haben . Was mir immer wieder an solchen Beiträgen fehlt ist die Bedürfnisse der Eltern,der Mütter….. Auch Mütter haben Bedürfnisse die man aber allzuoft mit der Geburt von Kindern weit nach hinten schieben muss. ich kann noch heute selten mal in Ruhe zum Beispiel wie hier jetzt 😉 etwas schreiben ,lesen oder telefonieren . Ach mit viel Liebe und Ruhe habe ich das schon Jahrelang versucht in gute Bahnen zu bringen ! Ja wenn Mami hochgeht innerlich soll sie den Raum verlassen ,das war immer so ein guter Ratschlag von Fachleuten smile na wie den wenn 2 Kinder einem wie wenn man ein Magnet geschluckt hätte folgen egal wohin man sich verzieht 😉 Es ist wahr aber Kinder müssen auch lernen das Eltern Bedürfnisse haben ! Wenn es doch nur ein Rezept gäbe das allen gerrecht wird 😉 DAS gibt es definitiv nicht.Ich versuche meine Strategien immer wieder anzupassen den leider funktionieren diese beim einen Kind selten lang …. lg Caroline

    • Tassilo sagt:

      Hi Caroline,
      ich bin Handwerker. Je größer mein Werkzeugkasten, desto wahrscheinlicher habe ich das passende Werkzeug für eine spezielle Problemstellung. Wer in seinem Werkzeugkasten nur einen Hammer hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.
      Kinder kooperieren zu 90% – sagt Jesper Juul. Selbst wenn sie scheinbar nicht kooperieren, versuchen sie sich Systemadequat zu verhalten. Manche nennen das Spiegeln. Das ist oft schwer zu verstehen. Ein Rezept um allen gerecht zu werden, gibt es nicht, aber viele Rezepte, die allen gerecht werden gibt es schon. Das erfordert einen großen Werkzeugkasten. LG Tassilo

      • caroline habegger sagt:

        Hallo Tassilo

        Ok vielleicht sollte ich meine Sichtweise auf MICH ändern 😉 Muss mich wohl als HAndwerker sehen … JA Ein Werkzeugkasten braucht es sein riesigen da geb ich DIR vollkommen recht-
        Aber das mit den 90 % trifft nicht immer zu den ich hab ein Kind das trotz flexiblem Baukasten schon von klein auf eher schlecht im kooperieren ist- Mag sein das es durch unser Verhalten beeinflusst ist,JETZ in der Pupertät sowieso aber als er klein war brauchte es immer wieder verschiedenes Werkzeug das er kooperiert.Und Spiegeln kann er seit klein sehr gut Aber das heisst aber noch nicht das er kooperiert. Es gibt kein Patent Rezept den jedes Kind ist anders… LG CAroline

  • Wieder ein toller Artikel! Bei mir war es so, dass ich vor allem väterlicherseits mit massiver körperlicher und seelischer Gewalt erzogen wurde, auch als erwachsene Frau wurde ich noch brutal von ihm geschlagen.

    Das mag auch ein Grund dafür sein, wieso ich gar nicht streng sein kann – ich möchte es unbedingt anders machen und bin auch froh, dass es so gut klappt komplett anders zu machen. Wenn man mir sagt ich wäre zu lasch denke ich mir innerlich „yeaa ich bin anders als mein Vater“ ….. und darauf auch stolz.

    Manchmal ist es schwer für mich die „goldene Mitte“ zu finden … aber ich habe im Großen und Ganzen ein gutes Bauchgefühl mit der lockeren Art. Die Kids sind zwar ein bisschen verwöhnt, aber auch sehr happy und meist auch pflegeleicht 😉 und ich verwöhne sie gern.

    Wenn ich genervt bin entschudlige ich mich danach und ich erkläre ihnen auch ganz offen wenn ich einfach mal ein bisschen Ruhe brauche – dieses Recht hat man einfach als Eltern.

    Weiterhin alles Gute, Tassilo …. beim Lesen sehe ich immer so viele Ähnlichkeiten zwischen uns und werde in vielem was ich tue bestärkt – DANKE dafür!

    Elischeba

    • Tassilo sagt:

      Hey Elischeba,
      soooo schön, von dir zu lesen… danke für deine Offenheit und den Mut es anders zu machen.
      Grüße von Herzen und bis bald,
      Tassilo

  • ann sagt:

    @Anika
    ich kann deine Gefühle, v.a. deine Hilflosigkeit und Wut in der und über die Situation, die du beschreibst, nur allzu gut nachvollziehen.

    Ich wünsche dir, dass dich solch wenig hilfreichen Kommentare wie die deiner Eltern nicht allzusehr runter ziehen, denn du machst einen großartigen Job. Wie alle Eltern, die sich eben nicht für den vermeintlich leichteren Weg entschieden.

    Feiere dich für jedes Mal, wenn ihr es als Team zu dritt ohne Stress aus dem Haus schafft! Freu dich, wenn dir dein Großer hilft, das Baby anzuziehen!
    Sei stolz auf dich, wenn du trotz Terminstresses eben doch mal noch eine Geschichte erzählst oder dir ein „wir ziehen jetzt die Schuhe an“-Lied ausdenkst!

    Und mach dich nicht für dein vermeintliches Versagen fertig, wenn selbst dir mal der Geduldsfaden reißt. Ja, das ist eine Ausrede. Aber menschlich. Nächstes Mal klappts dafür.

  • ann sagt:

    Toller und wichtiger Artikel. V.a. weil, wenn auch nur am Rande, thematisiert wird, dass Lob meist manipulativ eingesetzt wird und damit streng genommen auch eine Form von Gewalt ist.

    Zur Frage nach praktischen Handlungsempfehlungen in den genannten Situationen (Kind will sich nicht anziehen, Mama/Papa steht unter Zeitdruck): ein wichtiger Schritt wäre vielleicht, sich und dem Kind gegenüber erstmal ganz klar zuzugeben, dass nicht das Kind das „Problem“ ist, sondern der Zeitplan der Erwachsenen. Das klar auszusprechen wirkt oft schon bei ganz kleinen Kindern Wunder, denn auch wenn sie vielleicht die Worte nicht verstehen,empfangen sie sehr deutlich das Gefühl, respektiert zu werden und nicht hilflos dem Willen der Großen ausgeliefert zu sein.
    und natürlich Kreativität 🙂 (oft hilft es schon, dann eben erst die Jacke und dann die Schuhe anzuziehen)

  • Andrea sagt:

    Ein toller Artikel. Es motiviert mich mein Verhalten zu reflektieren. Es ist mir bereits aufgefallen was Kinder für erbarmunglose Spiegel sind. Sie spiegeln das positive wie auch das negative.

  • Babs sagt:

    Hallo, leider kann ich die Seite nicht abonnieren. Oder was kann ich tun, dass ich Eure spannenden Berichte mitverfogen kann.

    Lieben Dank
    Babs

  • Melanie sagt:

    Hallo,
    ich bin Mutter von 3 Kindern und selbst Sozialpädagogik, allerdings arbeite ich nicht mit Kindern sondern mit alten Menschen. Aufgrund dessen habe ich einen besonderen Einblick in Erziehungsmethoden mehrerer Generationen.
    Zusammenfassend meine ich, dass viele Eltern ihre Rolle als schwierig empfinden, weil sie sich ständig hinterfragen. Vielmehr mehr sollten Sie sich doch selbst vertrauen. Ich denke auch nicht, dass man immer um einen Konsens mit seinem Kind bemüht sein sollte. Das ist nicht das Leben! Am Anfang entscheiden wir im besten Sinne und helfen den Kindern Schritt für Schritt in Selbstständigkeit und Freiheit. Dazu gehört natürlich auch, dem Kind gegenüber mal einen Fehler einzugestehen, sich zu entschuldigen. Aber wenn ich ihren Artikel lese, müsste ich ja tagtäglich an Selbstzweifeln zergehen.
    Ich glaube genau diese unsicheren Eltern, werden nach Lesen dieses Artikels noch unsicherer. Vielleicht wenden diese sich ja dann an ihre Familienakademie? Ist Ihre Hilfe denn dort kostenlos???
    Viele Grüße
    Melanie

    • Tassilo sagt:

      Hallo Melanie,
      ich schätze es sehr, wenn in den Kommentaren nur über das geschrieben wird, was der Artikel bei dir ausgelöst hat. Ja, jeden Tag an den eigenen Handlungen zu zweifeln – zugunsten der Beziehung zwischen Mutter/Vater und Kind ist für mich sehr sinnvoll. Solange wir noch destruktive, rücksichtslose Muster leben, führt für mich kein Weg daran vorbei.
      Unsicherheit ist für mich etwas sehr produktives. Wer meint er wüsste was richtig ist und sich durch nichts verunsichern lässt, ist für mich mit Vorsicht zu betrachten.
      lg
      Tassilo

  • izzza sagt:

    also ich halte das für völligen schwachsinn! ich bin mutter, aber keine maschine, genauso wie mein kind mal zicken darf oder ungerecht ist, kann mir das ebenso passieren!
    und wohin uns diese duzi-duzi-erziehung führt sehen wir ja wohl jeden tag?! respektlose, unerzogene kinder und jugendliche, die meinen die ganze welt dreht sich nur um sie und alles läuft so, wie sie es gerne möchten…
    „soll dir die mama eine ps 4 kaufen kevin, dass du dann nicht mehr die gartenhäuser der nachbarn anzündest? oder wie kann ich dir denn sonst helfen???“ AAAAAHHHH!!! schüttel… furchtbar heutzutage!!
    und nein, ich bin nicht 70 oder so… 😉

    • Tassilo sagt:

      Hi Izzza,
      vielen Dank für deine Urteile. Klingt so, als ob du ziemlich wütend warst, als du diese Resonanz geschrieben hast. Klingt so als ob du echt besorgt bist, wenn du dir vorstellst, dass wir eine Welt voller Kinder haben, die meinen, alles würde sich nur um sie drehen. Vielleicht hast du schon Erfahrungen mit diesen Kindern gemacht und meinst, dass sie genau so erzogen wurden, wie im Artikel beschrieben?
      Ich würde gerne verstehen, wo du gelesen hast, dass es hier um eine Duzi-duzi-Erziehung geht? Habe ich irgendwo geschrieben, dass die Bedürfnisse des Kindes wichtiger sind, als die der Eltern – falls ja – sag mir wo, ich finde die Stelle nicht!
      lg
      Tassilo

  • Danni sagt:

    Hallo tassilo. Ein toller Artikel der im Grunde das wieder spiegelt, was wir seit nun 12 Jahren versuchen Tag täglich umzusetzen. Auch wenn ich es bei meinen 5 Kindern so umzusetzen versuche bin auch i ch nicht vor emotionalen shitstorm gefeit. Wenn ich dann mal meinen Frust bei meiner Mutter ablasse weil z.b. meine große gerade mit ihrem Egoismus tierisch auf dem Senkel geht oder weil wir mal wieder keine ruhige Nacht hatten Fa die Zwillinge beide wieder wülend bei uns lagen oder ab 4 fit waren. Genialste Antwort.
    Ihr wolltet selbstbusste und selbstbestimmende Kinder.
    Es ist kein einfacher Weg den ihr gewählt habt und ich soll mich freuen das sie so sind… Ja ich freu mich, doch manches mal wenn ich andere Kinder sehe wie artig und ruhig sie sind kommen schon meine Selbstzweifel ob der Weg richtig ist. Denn meine sind ständig bei mir, wollen etwas, laufen rum sind wild und ja diskutieren auch mit uns und auch anderen erwachsenen. ? auf der anderen Seite können die sehr gut ihre Gefühle darstellen. Mit 5 Jahren hat mein Sohn auch im kiga die Erzieherin zurecht gewiesen er möchte nicht angeschrien werden und sie solle mehr mit dem Herz sprechen als mit dem Kopf, dann spricht man mit liebe ❤ die Erzieherin war sehr angetan und ist super drauf eingegangen. ?

    • Tassilo sagt:

      Hey Danny, vielen Dank für deine Rückmeldung – es ist immer wieder ein Genuss zu lesen, was passiert, wenn wir unsere Kinder mit dem Herzen ins Leben begleiten… nirgends steht, dass es immer leicht geht 😉
      lg
      Tassilo

  • Jacqueline R. sagt:

    Ich finde mich da absolut wieder und merke auch oft danach, dass es nicht richtig war so zu reagieren bzw. so zu handeln. Manches Mal habe ich mich schon berichtigt und mit meinem Sohn danach ein Gespräch geführt. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde, gar nicht erst mehr in diese Situation zu geraten und gleich richtig zu handeln.
    Beste Grüße, Jacqueline

  • B. sagt:

    Hallo,
    ich greife mal einen Punkt, der bei uns immer wieder Thema ist auf:
    „Das Kind trödelt. Es erfüllt sich damit ein Bedürfnis. Statt uns dafür zu interessieren, sind wir unter Druck. Wie möchten dem Kind eine Lektion erteilen: “Du musst lernen, wenn du trödelst, haben wir keine Zeit mehr etwas Schönes zu machen, dann trödelst du hoffentlich morgen nicht mehr!”“
    Bei uns gibt es abends einen klaren Zeitpunkt wann Schluss ist. Denn die Kinder müssen morgens früh raus. Wenn ich also trotzdem vorlese – bzw in unserem Fall noch ferngesehen werden darf, dann sind die Kinder morgens nicht ausgeschlafen und in der Schule müde. Es ist Ihre Entscheidung entweder zu Trödeln oder Fernzusehen. Sind sie zu spät, bleibt der Fernseher aus. Nach Ihrer Beschreibung ist das jedoch eine Strafe. Die Kinder fühlen sich natürlich bestraft. Ich sehe hier jedoch keine Alternative. Haben Sie einen Vorschlag?
    Viele Grüße
    B.

    • Tassilo sagt:

      Hallo B.
      ich Empfehle, die Kinder eine Erfahrung machen zu lassen. Warum nicht mal ausprobieren? Schlimmstenfalls sind die Kinder müde. Viel zu oft meinen wir, die Kinder schützen zu müssen. Eine Erfahrung ist mehr wert als Moralpredigten. Kinder lieben Selbstverantwortung und sind sehr intelligent. Je nach alter braucht es dann keine Begrenzung der Eltern sondern durch die Einsicht verzichten die Kinder von selbst auf das lange aufbleiben.
      Besprich mit deinen Kindern, wie ein begrenztes Experiment, bei dem du dich auch wohl fühlen solltest, aussehen kann. Das stärkt die Beziehung und macht Spass. lg Tassilo

      • Kira sagt:

        Hallo Tassilo, ich kann den Kommentar, auf den du geantwortet hast nicht lesen, möchte aber zu deinem sagen: Unser Kind blieb quasi von heute auf morgen bis halb 10 Uhr abends wach (davor etwa um 8 ins Bett). Er sprang herum und hatte eben ab 8 Uhr abends erst so richtig Energie. Wir stellten uns drauf ein und dachten, wir zwingen ihn mal nicht früher schlafen zu gehen, wenn er nicht müde ist. Da war er Zweieinhalb. Mittagsschlaf machte er in der Krippe noch. An Wochenenden ließen wir ihn zu Hause aus. Er war trotzdem nicht früher müde. Ein halbes Jahr später noch immer dasselbe. Das Resultat: Als Paar hatten wir nun gar keine Zeit mehr füreinander, außer wenn wir extra Babysitter holten. Auch der Sommer ohne Mittagsschlaf änderte nix daran. An eine gezielte Zimmerstunde, damit wir als Eltern mal ein bisschen zu zweit haben, war auch nicht zu denken.

        Schließlich hat es uns gereicht, als wir uns nach 3 Wochen tollen Urlaubs in einer Woche alle 3 nur mehr angeschrien haben. Mein Partner hat eine PTBS und grade eine schwere Phase und ich versuche alles irgendwie zusammenzuhalten. Alle waren wir mit unsren Kräften am Ende. Nun haben wir gesagt es ist Schluß mit dem langen Aufbleiben. Um halb 8 machen wir ihn fürs Bett fertig, weil wir einfach auch Zeit für uns brauchen. Siehe da es klappt. Bin mir jetzt aber nicht sicher, ob wir nach der oben genannten Definition rücksichtslos gehandelt haben oder nicht.

  • Jenny sagt:

    Ein so schöner Artikel und ein toller Ansatz.
    Ich sehe (und kenne) leider Eltern die dem Negativbeispiel folgen und deren Ergebnis…Kinder,die sich einfach mehr Nähe und „gesehen werden“ wünschen und deshalb ständig rebellieren.
    Wir versuchen es mit unserer Tochter (1,5J.) anders zu machen-drücken Sie uns die Daumen,dass es uns gelingt 🙂
    LG jenny

  • Jessi sagt:

    Ich kann dem eigentlich nur bedingt zustimmen. Klar ist es unfair von den Eltern, die „Machtposition“ auszuüben und das Kind Konsequenzen spüren zu lassen. Oft genug hat meine Tochter mich auf die Palme gebracht, wir schaukelten uns gegenseitig hoch und es endete damit, dass einer von uns weinte. In diesen Situationen muss ich Abstand gewinnen, mich fünf Minuten runterkühlen und in Ruhe wieder auf sie zugehen (nicht immer einfach, wenn mein Mann nicht verfügbar ist, um auch unsere Tochter abzulenken). Ich nehme sie dann in den Arm und entschuldige mich auch für mein Schimpfen. Manche Eltern setzen ihre Kinder auch so extrem unter Druck, dass sie mehr ein dressiertes Hündchen haben, als eigenständige fröhliche Kinder. Meine Schwiegereltern kommen z. B. aus einer älteren Generation. Da muss sich an die Tischsitten gehalten werden. Also, beim Essen am Tisch sitzen, warten bis alle anfangen, nicht aufstehen während des Essens, auch wenn man fertig mit Essen ist, muss man bei Tisch sitzen bleiben, bis alle fertig sind. Wenn ich dabei bin, lasse ich es nicht zu, dass meine Tochter sich an alles halten muss. Wenn sie fertig ist mit Essen, darf sie aufstehen und spielen. Was soll ein Kleinkind bei uns langweiligen Erwachsenen sitzen, wenn sie lieber spielen möchte? Und wenn sie ihr Essen schon auf dem Teller hat ( ich gebe ihr nämlich immer zuerst ihr Essen, bevor ich mich selbst versorge), dann lasse ich sie auch schon anfangen zu essen. Was soll das Kind mit knurrendem Magen da sitzen und warten bis sich mal alle an den Tisch bequemt haben?

    Es gibt aber auch einfach Situationen, in denen meine Tochter einfach ihre Grenzen überschreitet und dementsprechend die Konsequenzen braucht. Konsequenzen, die meiner Meinung nach auch für das spätere Leben wichtig sind.

    Als konkretes Beispiel kann ich eine Situation beschreiben, die wir im Urlaub hatten. Da war unsere Tochter 2 1/2 Jahre alt: wir waren den ersten Tag da und haben uns die Umgebung angesehen. Der Tag war ganz gut, meine Tochter hatte keine Wutausbrüche bis dahin und war total fröhlich und lustig, dass wir viel gelacht haben. Dabei fiel uns auch eine Eisdiele auf. Unsere Tochter hat diese Eisdiele entdeckt und wollte auch sofort eins haben. Wir haben gesagt, dass wir auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung ein Eis kaufen werden. Nach ungefähr 30 Minuten befanden wir uns dann auch auf dem Rückweg und wollten das versprochene Eis besorgen. Nun hatte sich eine etwas längere Schlange gebildet. Darunter war auch eine vierköpfige Familie. Mein Mann und ich stellten uns hinten an und warteten, während unsere Tochter direkt nach vorne an die Theke ging und schon ihre Bestellung durchgab. Soweit noch alles in Ordnung, Kindern lässt man das ja durchgehen und keiner hat sich wirklich daran gestört. Wir sagten ihr dann, dass wir noch nicht dran sind und sie müsse sich einfach gedulden. Meine Tochter ließ sich aber nicht beirren und blieb vorne stehen, gab aber keine Bestellung mehr durch, sondern wartete auch, bis wir hinter ihr standen. Die vierköpfige Familie war nun an der Reihe (wir wären die nächsten gewesen, nach ihnen) und die Kinder traten ebenfalls an die Theke heran. Da fing sie an, nach den Kindern zu treten. Wir haben ihr mehrfach klar gemacht, dass sie nicht hauen oder treten soll, wir leben ihr das auch nicht vor und es bestand auch sonst keine Veranlassung dazu, die Kinder zu treten. Sie hat sich einfach daran gestört, dass die Kinder zu ihren Eltern an die Theke wollten, um sich ein Eis auszusuchen. Wir ermahnten sie, sie solle das nicht tun, die Kinder wären nunmal an der Reihe und sie hat zu warten. Sie trat noch mal nach ihnen und ich sagte, wenn sie noch mal zutritt, gehen wir und sie bekommt kein Eis. Sie nahm es nicht ernst und trat noch mal zu. Also haben wir die angedrohte Konsequenz wahr gemacht, haben sie an die Hand genommen und sind gegangen. Erst war sie überrascht und dann fing sie an zu weinen. Natürlich fühlte ich mich schrecklich und gemein, dass ich ihr nach diesem anstrengenden Tag mit Anfahrt und allem Pipapo und nachdem sie ja auch den ganzen Tag so lieb und schmusig war, ihr heiß ersehntes Eis verwehrte, aber ein solches Verhalten kann und will ich nicht tolerieren. Als sie sich ein bisschen beruhigt habe, habe ich ihr in einem ruhigen Gespräch erklärt, was sie falsch gemacht hat und warum wir sie dann auch bestraft haben. Schließlich wurde sie auch zweimal vorher ermahnt, es sein zu lassen. Das hat sie dann auch eingesehen und versprach, nicht mehr zu treten. Und schließlich ist es doch auch so, dass Gewaltverbrechen ebenfalls mit Strafen geahndet werden. Wenn ich jemanden treten würde, könnte dieser Jemand mich wegen Körperverletzung anzeigen und ich müsste mit einer Strafe rechnen. Da werden mir auch keine Alternativen angeboten, wenn ich schon zugetreten habe. Meine einzige Alternative in so einem Fall ist einfach „Füge keinem anderen Menschen Schaden zu, dann wirst du auch nicht bestraft“. Wenn meine Tochter im Kindergarten ist und ein anderes Kind schlägt oder tritt, wird sie von dem Kind ja ebenfalls bestraft, indem es sich wehrt und zurück schlägt. Darf ich dann meine Tochter nicht darauf aufmerksam machen, dass sie selbst schuld ist, wenn sie sich so verhält?

    Zum Thema „weil du getrödelt hast, lese ich dir nicht vor.“:

    Ich muss zugeben, diese Situation habe ich vor nicht allzu langer Zeit auch gehabt. Zwar habe ich es nicht so krass ausgesprochen, aber der Inhalt der Aussage, war der Gleiche. Allerdings war das keine Ausrede meinerseits, weil ich müde war und meine Ruhe haben wollte. Tatsache in dieser Situation war einfach, dass meine Tochter immer weiter gespielt hat, obwohl es längst Schlafenszeit war. Nach langem Hin und Her, habe ich sie endlich ins Bett bekommen. Sie wollte aber eigentlich gar nicht ins Bett (wie kleine Kinder halt manchmal so sind, so war ich schließlich auch mal), also zögerte sie den Prozess des Einschlafens halt immer weiter heraus. Das macht sie manchmal mit der Aussage, dass sie noch mal auf Töpfchen möchte, dass sie noch was trinken möchte oder oder oder. An diesem Abend wollte sie die Verzögerung damit erreichen, dass ich ihr vorlese. Das Licht war schon aus und hätte ich es wieder angemacht, wäre sie noch länger nicht zur Ruhe gekommen. Da sagte ich ihr, dass es zu spät zum Vorlesen sei, dann hätte sie etwas früher ins Bett gehen müssen. Diese Aussage habe ich aber nicht gemacht, weil ich meine Ruhe wollte, sondern weil ich verhindern wollte, dass meine Tochter noch länger wach blieb. Es war schließlich schon 20:30 Uhr oder später und am nächsten Tag hätte sie um 8 Uhr spätestens wieder aufstehen müssen, um in den Kindergarten zu gehen. Wenn sie nicht genug schläft, ist sie dann zu müde und ein großes Geheule begleitet uns durch den ganzen Morgen bis zum Kindergarten. Hier habe ich ihr aber die Alternative geboten, noch ein Schlaflied zu singen, aber das Licht blieb aus. Ich muss noch dazu erwähnen: Wenn meine Tochter einschlafen soll, schläft sie im Elternbett ein und einer von uns Großen bleibt dann bei ihr und schmust mit ihr. Sobald sie eingeschlafen ist, bringen wir sie in ihr Bett und nutzen dann unsere Zeit für uns. Da ich zurzeit in Elternzeit bin, da wir noch ein Baby bekommen haben, ist es mir ziemlich Schnuppe, wann für mich das Kinderprogramm vorbei ist. Und wenn sie erst um Mitternacht einschläft, wäre mir das schnurz, weil ich nicht am nächsten Tag konzentriert auf der Arbeit sitzen muss (das wird sich selbstverständlich ändern, wenn ich wieder arbeiten gehe und morgens um 6:30 Uhr aufstehen muss) . Dass sie zeitig einschläft ist nur zu ihrem Wohl, damit sie am nächsten Tag nicht zu müde zum Aufstehen ist.

    Das Belohnungsprinzip als „Druckmittel“ halte ich ebenfalls nicht unbedingt für falsch. Wenn wir gemeinsam zu Abend essen und meine Tochter weigert sich, mit zu essen, will aber unbedingt Süßigkeiten, sage ich auch, dass es erst was Süßes gibt, wenn sie ordentlich gegessen hat. Das halte ich auch für äußerst wichtig, dass sie zuerst vernünftig gegessen hat. Klar könnte ich meiner Tochter auch erlauben, sich an Süßigkeiten satt zu essen. Verständlicherweise ist es mir aber lieber, wenn sie sich am Abendessen satt ist und nicht an Süßigkeiten, damit sie nicht übergewichtig und krank wird.

    Der Kern meiner Aussage in diesem Fall: ich finde, es gibt nicht nur schwarz oder weiß, sondern viele Grauzonen. Man kann nicht sagen, dass diese Form der Gewalt, sofern sie nicht zum Schutz vor Gefahren genutzt wird, grundsätzlich falsch ist. Wenn man ständig die Schuld für das Verhalten seines Kindes bei sich selbst oder anderen sucht und ständig Entschuldigungen für das Verhalten seines Kindes findet, lernen die Kinder niemals, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und werden total unselbstständig (ein gutes Beispiel für so etwas habe ich in meiner Familie und glaube mir, wenn meine Kinder mal so werden, dann gebe ich mir die Schuld dafür und weiß, dass ich alles falsch gemacht habe). Als Erwachsene würden sie es dann ziemlich schwer haben. Es kommt nicht sonderlich gut, wenn man auf Jobsuche ist und Mutti muss einen begleiten, weil man nicht in der Lage ist, sich selbst zu kümmern (kann ich aus Erfahrung sagen).

    LG Jessi

  • Anika sagt:

    Ehrlich gesagt jinterlässt dein Artikel Ohnmacht und Angst…denn ich ertappe mich genervt und überfordert zu sein und es macht mir Abgst dass meine eigene Unfähigkeit derart destruktiv ist. Ich bemühe mich autentisch zu sein mit meinem fast dreijährigen zu kommunizieren, seine Gefühle zu thematisieren…aber mir reißt manchmal auch der Geduldsfaden wenn Baby schreit wir stillen und der Große in der Zeit Unsinn macht…Dinge kaputt gehen weil er weiß jetzt kann Mama sie mir nicht wegnehmen oder er gefährlich rumklettert und ich frage mich kann ich als Mensch es überhaupt schaffen….

    • Tassilo sagt:

      Hallo Anika,
      vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Die Qualität deiner Fragen bestimmt die Qualität deines Lebens – hat mal jemand gesagt. Auch wenn du nicht gefragt hast, möchte ich dir etwas schreiben. Die Frage lautet nicht: „Kann ich als Mensch es überhaupt schaffen…“ Sondern: „Wie kann ich das schaffen!“ Du hast keine Wahl, aber wenn du die Frage so stellst, wie du es geschrieben hast, verlierst du vermutlich Energie. Wenn du nach dem Wie fragst, findest du einen Weg, der dir Kraft gibt.
      Am wichtigsten ist es, mit deinem Kind in Verbindung zu kommen, wenn er etwas macht, was du nicht willst. Bisher scheinst du die Verbindung zu verlieren. Mache mal genau das Gegenteil.
      Statt gestresst zu sein atmest du tief durch, und redest leise und liebevoll: „Ey Schatz, komm zu mir, ich möchte kurz etwas mit dir besprechen…“ Das funktioniert nur, wenn du in Verbindung bist.
      lg
      Tassilo

  • Lena sagt:

    Oh je, böse Eltern, gute Kinder… Es ist absolut realitätsfern zu glauben Kinder würden sich immer perfekt und „lieb“ verhalten, wenn Eltern gewaltfrei mit ihnen umgehen. Kinder sind Menschen und Menschen sind manchmal faul, egoistisch, gemein, laut, wütend, unzufrieden, bauen Schei.. usw. Kinder sind keine kleinen, perfekten Wesen, die sich nur daneben benehmen, weil wir Erwachsenen alles mit ihnen falsch machen. Kinder sind genauso wenig perfekt wie Erwachsene.
    Außerdem können Kinder nicht immer alles entscheiden! Manchmal sind sie von der Vielfalt der Auswahl überfordert, können noch nicht alles überblicken – oder kennen Sie einen Dreijährigen, der es auf dem Schirm hat, dass das Kinderturnen um 15.00 Uhr anfängt? Die Das hat nichts mit mangelnder Geduld eines Erwachsenen zu tun. Auch wir Erwachsenen können uns manchmal schwer entscheiden, man denke an Frauen im Schuhgeschäft.

    Nur zur Klärung: Ich bin nicht die Mutter, die mit Strafen oder die mit „wenn-dann“ arbeitet. Wenn Sohnenann die Tapete mit Farbe beschmiert, gibt es kein Fernsehverbot!
    Ich achte meine Kinder, nehme ihre Bedürfnisse wahr. Und ich sehe durchaus Eltern, die so arbeiten wie du es beschreibst: „Wenn du nicht aufhörst mit weinen, gehst du auf dein Zimmer.“ Für diee Eltern ist der Text sicher gut!
    Aber dieser Text macht auch Eltern schlecht, die vielleicht gar nicht so schlecht sind, deren Kinder trotz der Gewalt, die sie hin und wieder anwenden, eine gute Beziehung zu ihnen haben! Der Text macht Eltern ein schlechtes Gewissen und das obwohl der Druck auf Eltern heute schon imens ist!
    Auch Eltern sind Menschen, was heißt dass sie jeden Tag Fehler machen! Es hilft nur sich als Eltern täglich zu reflektieren und zu hinterfragen.
    Ich hätte es als sinnvoller erachtet, wenn ganz konkrete Beispiele genannt würde! Was macht die Mutter, die morgens ein trödelndes Kind hat? Was macht die Mutter, deren Kind andere Kinder schlägt?
    Liebe Grüße
    Lena

  • Walter Tunhardt sagt:

    Hallo Tassilo,
    Finde den Artikel sehr gut. Gerade die Manipulation von Kindern, die ich immer wieder erlebe wenn ich Eltern mit ihren Kindern sehe, macht mich sehr traurig. Vor allem wenn die Eltern sich scheinbar nicht im Geringsten darüber im Klaren sind was sie damit anrichten. Schlimm finde ich ganz besonders wenn Kindern ihre Gefühle ausgeredet bzw. wegmanipuliert werden. Klar, ich verstehe sehr gut aus psychologischer Sicht, dass das vor allem Eltern tun die mit ihren eigenen Gefühlen (Selbstwertgefühl)große Probleme haben, und sie es nicht ertragen können ihre Kinder weinen, oder wütend zu sehen, werden sie,(die Eltern) dabei doch schließlich stets mit ihren eigenen (vermutlich in ihrer Kindheit) unterdrückten Gefühlen konfrontiert. Und das tut tatsächlich fast schon körperlich weh. Eltern müßten lernen (am besten gemeinsam mit anderen Eltern) sich diesem „Schmerz“ zu stellen. Eltern die damit so ihre Probleme haben (und wer hat diese nicht, mehr oder weniger), sollten verstehen, dass, sich ganz auf die Gefühle ihrer Kinder einzulassen und diese auch immer wieder zu bestätigen,(„ja das tut weh“, „ja das ist ärgerlich“, „ja das ist wirklich traurig“ etc.)und dabei auch körperlich bei ihnen bleiben und, so die Kinder es denn zulassen, sie in den Arm nehmen und streicheln, eine riesen Chance haben in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen zu kommen und ihr eigenes Herz von all dem Schmerz aus der eigenen Kindheit zu heilen.
    liebe Grüße
    Walter

    • Tassilo sagt:

      Lieber Walter,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Für mich ist es auch so, dass jeder Konflikt eine Chance ist, sich zu spüren und unangenehme Gefühle zu integrieren. So lange, bis ich es geschafft habe. Jeder Konflikt ist also eine Möglichkeit für beide Parteien zu wachsen und zu reifen. Zwischen Eltern und Kindern ist der Unterschied, dass Erwachsene aus meiner Sicht 100%ige Beziehungsverantwortung haben und es vormachen müssen – woher sollten es sonst die Kinder lernen???
      lg
      Tassilo

  • Wolf sagt:

    „Wenn wir es genau betrachten, sind wir rücksichtslos, weil uns Selbstbewusstsein fehlt.“
    Und warum fehlt uns Selbstbewusstsein? Sozialpädagogen und Psychologen erklären meist die Sache aus sich selbst, statt mit ihren Ursachen. Da entstehen so schöne Zirkelschlüsse wie „Er wurde gewalttätig, weil er eine Neigung dazu hat.“ Als wäre das ein genetischer Defekt und nicht etwa eine Reaktion auf konkrete Erfahrungen, die man in einer Konkurrenzgesellschaft nun mal macht. Immer wieder hat man Angst und ist wütend. Auf den Chef, der einem unbezahlte Überstunden aufbrummt, auf die Tante vom Arbeitsamt, die einen drangsaliert oder auf den Vermieter, der die Miete erhöht. Es gilt allemal, dass der Stärkere Recht hat. Und nun soll man nach hause kommen und all diese Erfahrungen vergessen, Selbstbewusstsein entwickeln und sein Kind nicht schlagen?
    „Statt uns zu wundern und unser Verhalten zu korrigieren, werden wir noch rücksichtsloser, indem wir noch härtere Konsequenzen verhängen, noch mehr Stress an den Kindern abreagieren und sie noch mehr zum Funktionieren zwingen, durch Manipulation oder Strafe.“
    Manipuliert werden wir täglich, und überall lauert die Staatsgewalt und kann uns bestrafen. Daran haben wir uns gefälligst zu gewöhnen. Nicht die Verhältnisse sollen wir ändern, wir sollen selbst verhältnismäßig werden. Arbeitslose haben die Schuld bei sich selbst zu suchen, statt einem Wirtschaftssystem, das sie nur als Reservearmee braucht. Zu dieser Selbstverstümmelung taugen dann sozialpädagogische und psychologische Erklärungen.
    „Der Mensch wär so gern gut und gar nicht roh. Doch die Verhältnisse, die sind nicht so.“ (Brecht)

    • Tassilo sagt:

      Hey Wolf, ich weiß nicht genau worauf du mit deinem Kommentar hinaus willst… Ich glaube, dass uns Selbstbewusstsein fehlt, weil wir es nicht vorgelebt bekommen. Selbstbewusstsein bedeutet, sich seiner selbst bewusst zu sein. Oft wird es mißverstanden als „Stark sein, zu sich stehen“ – doch es bedeutet lediglich, dass mir bewusst – statt unbewusst bin, was ich gerade tue und warum.
      lg
      Tassilo

  • Nicole sagt:

    Hallo Tassilo,
    Ich habe mit großem Interesse Deinen Artikel gelesen.
    Auch ich bin der Meinung ,dass wir durch unsere Vorbildfunktion als Eltern für unsere Kinder sehr wichtig sind.
    Erleichternd finde ich den Part ,wenn wir als Eltern ehrlich sein können.
    Das Beispiel mit dem vorlesen Abends
    nicht dem Kind die Verantwortung übergeben,weil es getrödelt hat und es zu spät geworden ist sondern zuzugeben das man müde ist und Ruhe und Erholung braucht.
    Als Mütter oder Väter haben wir Bedürfnisse und wenn wir auf diese achten und in unserer „Mitte“als Eltern sind können wir auch auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingehen.
    Danke

  • Anika sagt:

    Hi Tassilo,
    Bisher theoretisch alles top. Der artikel gefällt mir auch! Aber auch ich (Erzieherin ganz nebenbei) mit meinen tollen pädagogischen Ansätzen stoße tagtäglich an meine Grenzen, wenn die Bedürfnisse meiner beiden Kinder (2 1/2 Jahre und 9 Monate) und die meinen konträr aufeinanderprallen.
    Ich bin absolut ratlos, wie ein Mensch allein das bewältigen soll! Das Baby schreit mir einen Tinnitus ins Ohr und Kratz mich blutig am Arm beim verzweifelten Versuch, sich an mir hoch zu ziehen, während ich auf dem Boden sitzend versuche, auf Augenhöhe mit meinem „großen“ die Wetterverhältnisse zu definieren, und warum er bitte die wärmeren, aber leider nicht grünen Schuhe abzieht (kannst du mir folgen?). Am liebsten würde ich alles hinschmeißend, den kleinen stillen, dem großen ein Puzzle oder was zum malen geben und eben nicht nach draußen gehen. Aber zum einen weiche ich dem Schuhproblem damit nur aus und zum anderen bin ich evt gezwungen raus zu gehen, weil wir bspw einen leeren Kühlschrank haben, der sich ja auch nicht von alleine füllt. Meine Reaktion ist unter anderem folgende: Baby wird ins Guttenberg gesetzt, für mehr armfreiheit (dafür schreit es aber jetzt noch lauter und verzweifelter) und der Große wird mit Brachialgewalt auf den Boden gedrückt, die Sachen, die ich für wetterentsprechend halte, angezogen, Kinder gepackt und raus! Horror! Absoluter Horror! Ist auch gänzlich gegen all meiner Überzeugungen aber wie gesagt, ich bin völlig Rat- und hilflos! Wenn ich meine Eltern bitte, mich zu unterstützen, kommen Sätze wie: ja was meinst du, wie es bei uns gelaufen ist? Da mussten wir alle durch! Oder: ja dann pack die Kinder ein und komm zu uns!
    Verzweiflung, einfach nur Verzweiflung!
    Ich grüße dich herzlich
    Anika

    • Tassilo sagt:

      Liebe Annika,
      puhhh, das hört sich nach Megastress an, wo du doch einfach nur eine fürsorgliche liebende Mama sein willst oder? Willst du eine Empfehlung?
      1. Mache auf keinen Fall was die anderen sagen.
      2. Sorge für dich: Oropax, Gehörschutz, etc. wenn dich das Schreien unter Druck setzt mache dir etwas in die Ohren.
      3. Der kleinere hat kurz Vorrang, den größeren vertröstest du liebevoll: „Ich bin gleich für dich da… ich brauche gerade deine Hilfe (Aufgabe geben)!“
      4. DURCHATMEN und den kleinen beruhigen (wenn du ruhig wirst, werden die Kinder auch ruhig)
      5. 2 Min. Zeit nehmen um mit dem größeren über die Schuhwahl zu verhandeln – auf eine Art die Lust auf Kooperation macht – d.h. am Anfang kennst du noch nicht die Lösung!!! Sonst kommt nur Forderungsenergie an. Nach dem Motto: „Keine Ahnung was bei diesem Gespräch am Ende rauskommt!“
      6. Lieber eine Lösung, bei der er auch gehört wird, als auf dein Elternrecht zu pochen!
      7. Erfolge feiern!
      Viel Spass damit.
      Im Mitgleiderbereich der Familienhelden gibt es viele Videos die dir Schritt für Schritt zeigen, wie es geht.
      Dranbleiben lohnt sich,
      lg
      Tassilo

    • Angelina Bockelbrink sagt:

      Liebe Anika,
      ich kann sehr gut verstehen, wie die Kinder einen an die Grenze bringen können, vor allem, wenn man viel mit Ihnen allein ist. Ich habe drei Kinder im Alter von 2, 4 und 7.
      Was das Thema der Kleidungsauswahl anbetrifft kann ich dir vermutlich einen ganz guten Tipp geben, denn meine Jüngste ist da sehr speziell. Egal welche Kleidungsstücke ich ihr hinlege, sie sucht sich etwas anderes aus dem Schrank raus.
      In letzter Zeit will sie auch trotz Kälte keine Jacke anziehen. Ich lasse sie dann meist auf die Terrasse gehen, wo sie sich selbst einen Eindruck von der Temperatur machen kann. Wenn sie weiterhin keine Jacke möchte, versuche ich sie zu überzeugen, dass sie noch einen dicken Pulli oder eine Weste anzieht, was meistens klappt. Oft zieht sie dann sogar noch Mütze und Handschuhe an. Die Jacke nehme ich mit und sag ihr, dass sie einfach bescheid sagen soll, wenn ihr kalt wird, damit ich ihr dann die Jacke geben kann.
      Erstaunlicherweise stellt sie sehr oft nach kurzer Zeit fest, dass sie eine Jacke braucht 🙂
      Falls nicht, geht’s eben auch mal ohne Jacke oder eben mit dünnen Schuhen.

  • Anna sagt:

    Ich finde deinen Artikel auch sehr gut geschrieben, er fasst alles ganz toll zusammen! Es ist so schwer, selbst wenn man sich schon viel mit nicht mehr erziehen/ manipulieren wollen und GFK beschäftigt hat, alte Muster endgültig abzulegen. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich meine Wut einfach hinaus und meinem bald 5-jährigen entgegen schleudere wenn er mich auf die Palme bringt. das hängt ganz stark von meinem eigenen „Akkustand“ ab. Wenn ich genug Schlaf bekommen hatte in letzter Zeit gelingt es mir meist gelassen zu bleiben. Wenn ich zu wenig hatte, bin ich so leicht reizbar. Dann werde ich unfair. Plötzlich merke ich, wie ich ihn wieder mal unsanft am Arm packe obwohl ich das schon so lange nicht mehr machen wollte und auch länger nicht mehr hab. Es ist als ob ich immer wieder mal zurück falle in alte Muster obwohl ich glaubte, sie schon überwunden zu haben.
    lg Anna

    • Tassilo sagt:

      Hey Anna, vielen Dank für deine Offenheit… dazu zu stehen, ist mir soooooooo wichtig.
      Gerade wenn unser Kind uns so erlebt, wie du es beschreibt und wir von unserem Kind nicht mehr verlangen, als wir selbst bieten können, wird die Beziehung sehr gesund.
      Grüße von Herzen
      Tassilo

  • Gabriela sagt:

    Hallo,
    ich finde den Ansatz im Artikel gut, aber mir fehlt es an praktischen Beispielen. Was tu‘ ich ganz konkret, wenn ich zur Arbeit muss und sich mein Kind quer stellt, weil es manchmal keine Lust auf Kindergarten hat? Ich hörte schon mal so super Tipps, wie darauf eingehen und dann halt noch ein Büchlein vorlesen oder so. Aber ehrlich; ich werde in der Arbeit erwartet, muss ich meinen Job kündigen, um ständig auf mein Kind eingehen zu können? Und wird er dann jemals in einer Welt, wo man funktionieren muss, spätestens ab Schulalter, bestehen können? Ich würde ihm auch gerne vorleben, dass es wichtig ist, pünktlich zu sein, dass die Zeit von anderen Leuten und getroffene Verabredungen genauso wichtig sind, wie persönliche Befindlichkeiten. Mein Kind ist Hypersensibel/Hypersensitiv, ich versuche nach Kräften auf seine Bedürfnisse einzugehen, aber ich habe auch Bedürfnisse, manchmal habe ich das Bedürfnis nach Ruhe, ich habe das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit, usw. Ich finde es schon wichtig, dass es eben vor allem um das MITEINANDER geht, wir leben miteinander, mein Kind ist keine Sonne, um die sich alles dreht, auch wenn ihm das natürlich gefallen würde, wem nicht. Und ich wüsste nicht, was ich besseres machen könnte, als ihn zu loben, wenn er es ausgehalten hat, dass ihn ein Kind anrempelt und er in bestimmtem Ton gesagt hat, dass er das nicht mag, wenn er es mehrere Male ausgehalten hat, obwohl es für ihn außergewöhnlich schwierig ist das auszuhalten und noch vor wenigen Monaten hätte er das Kind weg gebissen oder zumindest gehaut. Und nein, körperliche Gewalt wird ihm nirgendwo vorgelebt, es sind nicht immer die Eltern schuld an jedem Aussetzer des Sprösslings. Er konnte sich bis vor kurzem nicht anders wehren und nur durch immer wieder üben, was er für nicht körperliche Alternativen hat und loben, wenn es ihm im entscheidenden Moment eingefallen ist und ja, auch schimpfen, wenn er ins alte Muster zurück gefallen ist, nur so konnten wir das gesellschaftlich akzeptable Verhalten langsam und mühsam antrainieren. Durch Gewalt, im Sinne dieses Beitrags! Was hätte ich also sonst machen sollen? Wie hätten wir das sonst „geschafft“? Ich wüsste es wirklich gerne, weil es auch in Zukunft Situationen geben wird, wo wir von unserem Kind etwas erwarten, was er nicht machen möchte oder etwas nicht macht, was er aber machen muss, weil es uns wichtig ist (evtl. mal Schulaufgaben…). LG, Gabriela

    • Tassilo sagt:

      Liebe Gabriela,
      wow – bin ganz berührt von deinem Kommentar. Manchmal fällt uns nichts anders ein, als Gewalt – es ist bitter und unangenehm – doch leider funktioniert es. Ich stimme auch mit dir überein, dass wir nicht alles eins zu eins vorleben. Gerade schlagen und beißen ist eine Grenzüberschreitung von Kindern um deutlich zu machen: „Ich bin gerade überfordert und weiß nicht, wie ich besser für mich sorgen kann!“ – Ich vermute dass die allermeisten Eltern vielleicht nicht beißen oder schlagen, aber andere Grenzüberschreitungen vorleben, die ebenfalls sehr unangenehm sind – das kenne ich zumindest von mir.
      Wie geht es anders? Wenigstens in der Konfliktnachbereitung auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation darauf achten, das Kind nicht zu verurteilen oder ihm Vorwürfe zu machen, sondern wirklich verstehen wollen, was da los war. So wächst das Vertrauen: „Meine Eltern stehen zu mir!“ Anschließend kann man ganz entspannt besprechen, welche Möglichkeiten für das Kind erfolgreicher wären!
      Wir unterscheiden zwischen Lob und Wertschätzung. Lob ist meist eine Bewertung und dient dazu ein positives Verhalten zu trainieren. Wertschätzung ist ein Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen: „Ich habe gesehen, du wurdest angerempelt und hast gesagt: ‚lass mich in Ruhe!‘ – ich freue mich so, dass du sagst, was du brauchst!“ klingt anders als „Gut gemacht, weiter so!“
      Das ist ein Übungsprozess und wer wirklich lernen möchte anhand der Gewaltfreien Kommunikation Konflikte mit Leichtigkeit zu lösen, braucht 1-2 Jahre, um für den Rest seines Lebens Konflikte mit Leichtigkeit zu klären.
      lg
      Tassilo

      • Gabriela sagt:

        Danke für Deine Antwort. Ok, dann habe ich „Lob“ missverstanden. Ich sagte nämlich wortwörtlich „ich weiß, dass das besonders schwierig für Dich war auszuhalten, aber Du hast toll reagiert“, das ist für mich ein Lob, eine Bestätigung, dass mein Kind das gewünschte Verhalten gezeigt hat, obwohl es eine für ihn unangenehme Situation war. Das Kind hat übrigens erst aufgehört, als seine Mutter wiederum geschimpft hat. Also auch mit Gewalt. Und ich fragt ihn, wer jetzt Schimpfe bekam und er freute sich durchaus, dass das andere Kind zurechtgewiesen wurde (das ist für ihn schimpfen, wie gesagt, er ist sehr empfindlich)Daher nochmals die Frage: Was hätte SIE denn machen sollen? Oder was soll ich machen, wenn ich JETZT gehen muss und nicht noch 15Min. diskutieren kann (zumal das bei meinem Sohn in der Praxis nicht funktioniert, wenn er nicht will, dann will er nicht).

        Und ich merke immer wieder, dass das Zusammentreffen mit Kindern besonders schwierig ist, deren Eltern sie eben so erziehen, dass alles in Ordnung ist und alles milde lächelnd abtun. Zb. ist es für mein Kind unerträglich, wenn er von jemandem dreckig gemacht wird UND wenn er von jemand Fremdem angegriffen wird. So gab es eine Situation, in der ein kleines Mädchen (ca. 2Jahre alt) auf ihn zuging mit dreckigen Händen und ihn am Bauch/an der Jacke angegriffen hatte. Er knurrte (!) und sagte „geh weg!“, also für mich eine perfekte Reaktion. Aber ihre Mutter „lass sie doch, sie will doch nur Hallo sagen“. Es ist äusserst ermüdend mit solchen Müttern dann zu diskutieren, dass mein Kind NICHT Hallo sagen möchte und er das eben NICHT aushalten muss, nur weil IHR Kind gerade das Bedürfnis nach antatschen hat. Also für mich ist noch nicht zweifelsfrei klar, dass diese Art des Umgangs mit einem Kind zu einem für alle positiven Zusammenleben führt. Ich erlebe solche Kinder oft als egozentrische Individuen, die ihrerseits genau wissen, wie sie Macht ausüben und damit eben auch Gewalt. (Natürlich nicht das kleine Kind vom Beispiel, das ist noch zu jung)

        Dazu kommt, dass ich solche Kinder auch nicht bei mir zu Hause haben möchte, weil sie kein NEIN kennen, sie kennen kein „Nein, ich möchte, dass Du am Tisch das Knäckebrot isst“, sie hören dieses nein nicht und davon kenne ich mehr als ein Kind. Und alle berufen sich auf persönliche Entscheidungsfreiheit des Kindes. Diese Auslegung finde ich persönlich ungesund. Freiheit hört für mich da auf, wo meine Freiheit die der Anderen beschneidet.

        LG,
        Gabriela

        • Tassilo sagt:

          Liebe Gabriela, mit deinem letzen Satz stimme ich überein. Seinem Kind jede Freiheit zugestehen hat nichts mit Gewaltfreiheit zu tun. Gewaltfreiheit fängt da an, wo wir einen gemeinsamen Weg finden möchten, bei dem es dir UND mir gut geht. D.h. ich muss mich dafür interessieren, was der andere braucht und den anderen bitten zu hören, was ich brauche. Meist dauert das nur 20 Sekunden. Durch das Vertrauen des Kindes, dass es gehört und verstanden wird, ist es bereit zuzuhören und zu kooperieren.
          Dass sich dein Sohn freut, wenn der andere Schimpfe bekommt, ist kein gutes Zeichen für mich. Ich kann es verstehen, weil es dem Racheempuls raum gibt. „Du hast mir etwas unangenehmes getan, jetzt bekommst du Schimpfe, dann sind wir wieder auf Augenhöhe!“ – Sinnvoller für mich wäre: „Du hast mir etwas unangenehmes getan, das möchte ich ansprechen, damit gehört werden und die Sicherheit bekommen, dass es in Zukunft verändert wird!“
          Wie das genau geht kann ich hier nicht beantworten, das würde sehr sehr viel Schreibarbeit bedeuten. In der Familienhelden-Akademie zeige ich die einzelnen Schritte dazu. Alternativ kannst du auch Bücher über Gewaltfreie Kommunikation zu Kindern lesen.

          So lange du noch keinen Weg gefunden hast, wie es leicht geht, bist du noch nicht am Ziel.
          lg
          Tassilo

  • Alicia sagt:

    Finde den Artikel auch super und versuche auch grundsätzlich seid mein Sohn da ist so zu leben/“erziehen“. Weil es bei uns als kinder eben anders war. Allerdings finde ich auch, dass man konkrete Hilfsvorschläge braucht, weil man oft nicht weiter weiß. Beispiel: war im zug in einer 9 std fahrt. Mutter mit 9 jährigen, andere mama mit kleinen baby. Baby weinte und mutter verließ den Abteil um den anderen Fahrgästen ruhe zu geben… Als baby endlich schlief kam sie zurück. Das andere kind war unglaublich laut, schrieh rum,klopfte mit Spielzeug an der Scheibe. Baby wurde unruhig.. Mutter sagt ohne übertreiben ca10 mal ganz lieb, er solle bitte aufhören weil das baby schläft usw. Kind machr weiter, lacht über die Mutter… Baby wird wach uns heult weiter….
    Wie verhält man sich da als Mutter rücksichtsvoll gegwnüber den lauten kind und auch gegenüber den anderen passagieren? Ich weiß es selber leider nicht. Ich denke ich wäre irgendwann auch sauer geworden und hätte meinen sohn angemeckert / gedroht

    • Tassilo sagt:

      Liebe Alicia,
      diese Frage beschäftigt fast alle Eltern. Die Antwort könnte ein ganzes Buch füllen. Es hilft extrem, wenn wir lernen gewaltfrei zu kommunizieren. Wie das genau geht zeige ich in unserer Familienhelden-Akademie http://www.familienhelden.com Dennoch möchte ich hier zwei Prinzipien offenlegen:
      1. Handlungen zählen immer stärker als Worte. Jedes Nein schwächt das vorherige nein. D.H. nach dem ersten Nein folgt eine Reaktion zum Schutz des Babys. Ich gehe hin und halte das Spielzeug fest und gebe Einfühlung. „Du würdest so gerne weiterspielen – oh ich habe eine Idee… etwas anbieten, was leise ist und dem Kind spass macht!“
      2. Vorbild sein heißt nicht schimpfen! Selbst wenn ich mein Kind nicht bändigen kann und das andere Kind ist wieder aufgewacht bringt schimpfen gar nichts mehr, außer dass es noch weniger Verständnis gibt. Es wäre also sinnvoll zu prüfen, was den kleinen daran gehindert hat, zu kooperieren. „Warst du wütend, weil ich rausgegangen bin, ohne dir bescheid zu sagen? Hattest du Angst? Das nächste mal sage ich dir wohin ich gehe und wann ich wiederkomme – ok?“ Die Kunst ist es, schnell wieder in Verbindung zu kommen, dann gibt es fast IMMER Kooperation.
      Es gibt geniale Werkzeuge dafür.
      lg
      Tassilo

  • Natascha sagt:

    Hallo,

    ich gehe den gewaltfreien Weg schon länger u bin Tag für Tag überzeugter davon. Das Witzige ist dass aber andere Eltern mein Kind dann massregeln u mit natürlichen Konsequenzen erpressen u mir unterstellen ich sei zu weich mit ihr u müsste mich immer klar durchsetzen. Wenn man versucht zu erklären dass man einen anderen Weg geht u das mein Kind mir widersprechen darf, fühlen sie sich alle angegriffen u wollen es überhaupt nicht verstehen. Das finde ich sehr schade…und dann kommt auch oft der Satz:…die im Kindergarten haben es mir so gesagt!… Seit wann soll ich vor meinem Kind wie eine Erzieherin auftreten? Ich muss doch eine Mama sein für mein Kind! Auch mein Mann (leben getrennt) hat diese Ansichten u behandelt sie so rücksichtslos u ich mach große Sorgen dass sie dadurch, trotz meiner Bemühung, ihrer eigenen Stimme nicht mehr traut…ist das möglich?
    LG

    • Tassilo sagt:

      Hallo Natascha,
      vielen Dank für deine Rückmeldung und deine Frage.
      Ich fände es grandios, wenn die Erzieherin so auftreten würde wie du… aber das ist wirklich ein neuer Weg, manche Kindergärten gehen ihn schon und machen sensationelle positive Erfahrungen. Deine Tochter wird sehr wohl unterscheiden können, was bei Mama läuft und was bei Papa läuft. Um so besser ist es, dass ihr getrennt seid, dann fällt ihr der Unterschied sehr viel deutlicher auf. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit für Paare, als Elternteam zusammen zu wachsen.
      Ich fände es traumhaft, wenn du nicht gegen den Vater bist (ich vermute, dass du das gut im Griff hast), sondern deine Tochter gegen seine Grenzüberschreitungen und Rücksichtslosigkeiten stärkst… ich weiß nicht wie alt sie ist, aber so wie ich dich einschätze findest du einen guten Weg. Wenn du mehr wissen möchtest, schreibe nochmal.
      lg
      Tassilo

  • Steffi sagt:

    Hallo!
    Du hast vollkommen Recht. Immer wenn ich das lese denk ich, na klar, klingt logisch, ich bin jetzt nur noch kooperativ mit meinem Sohn. Aber leider vergesse ich das ganz schnell wieder, weil ich es eben von früher so kenne und in der Schule als Lehrerin immer so anwenden muss. Da die Schüler es so von ihren Eltern kennen, funktioniert das hier nicht, sie machen zu lassen, was sie für richtig halten. Wenn ich sage, wer möchte, macht seine Hausaufgaben, dann weiß ich jetzt schon, wie viele es machen werden oder eher wie viele eben nicht. Kinder verstehen noch nicht, dass sie üben müssen, um z.B. Mathe verstehen zu können. Es fällt mir schwer, das Konzept in den Unterricht zu bekommen. Aber vorerst fange ich bei meinem Sohn an.
    LG Steffi

    • Tassilo sagt:

      Hi Steffi,

      ich war Schulsozialarbeiter und habe herausgefunden, wie Schüler Schritt für Schritt von der Gewaltgwohnheit weggkommen… Es geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert ca. 1 Jahr… es lohnt sich… lg
      Tassilo

  • Iris sagt:

    Klasse geschrieben. Entschuldigen und richtigstellen kann ich mitlerweile, aber gar nicht erst in Wut oder in eskalierende Situationen mit meinem 6 Jährigen kommen, das möchte ich.
    Und das heißt an meinem Selbstwert arbeiten.
    Trotzdem bin ich durch deinen Text nicht beruhigt, aber ich fühle mich mehr verstanden.

    Danke

  • Meike sagt:

    Ob man mit Rosenbergs Definition von „Gewalt“ übereinstimmt oder nicht, ist die eine Sache (meine Meinung entspricht ziemlich seiner Auffassung in der Hinsicht)…dass das was du beschreibst, „funktioniert“, kann allerdings kaum jemand anzweifeln. Ich freue mich sehr zu lesen, dass immer mehr Menschen diesbezüglich aufwachen, bzw schon lange aufgewacht sind und es mit anderen teilen mögen. Für eine friedvolle Welt ohne Gewalt und dessen Auswüchse, die uns die Nachrichten jeden Tag präsentieren.

  • jasmin sagt:

    Superartikel!
    Ich weiß auch um meine Gewalttätigkeit.
    Es gibt zwar keine Strafen und Belohnungen, aber wenn mir plötzlich etwas zuviel wird, kann meine Reaktion heftig sein und dann gebe ich meiner Tochter gerne die Schuld. Sobald ich jedoch ihre Reaktion wahrnehme und mich beruhige, Entschuldige ich mich bei ihr auf sehr ähnliche Weise wie in den Artikel vorgeschlagen. Dafür ist sie sehr dankbar und entschuldigt sich auch bei mir, wenn sie merkt, dass sie mich etwas mit etwss verletzt hat. Und das obwohl ich das nicht von ihr verlange.

    • Tassilo sagt:

      Hey Jasmin,
      das freut mich zu lesen… und es zeigt – das funktioniert im echten Leben.
      vielen Dank für deine Resonanz,
      lg
      Tassilo

  • Christina sagt:

    Hallo Tassilo!
    obwohl der Text sehr verständlich geschrieben ist bin ich immer noch ratlos wie ich in einer konkreten Situation richtigerweise reagieren soll. leider klaffen Theorie und Praxis immer wieder sehr stark auseinander, vor allem in Stresssituationen. (Beispiel: Sohn, 11Jahre, spielt am liebsten stundenlang mit seinem Handy. wenn ich ihn erinnere, dass er sich lange genug damit beschäftigt hat, sagt er ja und macht weiter. das selbe wenn ich ihn freundlich bitte sich eine andere Beschäftigung zu suchen. wenn ich dann ungehalten werde wird er pampig und macht trotzdem noch weiter und wenn ich dann richtig grantig bin und mit Konsequenzen drohe mault er, gibt das Handy dann aber weg. dass man stundenlang Handy/ Computer… spielt lebt ihm aber keiner vor, das macht in unserer Familie nur er)
    lg Christina

    • Tassilo sagt:

      Liebe Christine,
      vielen Dank für dein Kommentar. Stundenlang mit seinem Handy zu spielen ohne aufhören zu können, zeigt das Suchtpotenzial dieses Mediums. Jetzt ist die Frage, wie ihr mit Sucht in der Familie umgeht? Offen ansprechend, oder eher verschweigend? Z.B. Umgang mit Süßigkeiten, Fernsehen, etc. Es bringt nichts auf den Süchtigen wütend zu sein, außer dass es die Beziehung verschlechtert. Es wäre sinnvoll sich mit Handysucht zu beschäftigen und wie man damit sinnvoll umgeht, so dass es dir auch Spass macht. Ich werde dieses Thema in einem späteren Artikel aufgreifen, weil es fast ALLEN ELTERN so wie dir geht.
      So lange du noch keine Weg gefunden hast der leicht geht, bist du noch nicht am Ziel… demnächst mehr dazu.
      lg
      Tassilo

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